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Die Tiere der Rettungshundestaffel Nördlicher Schwarzwald sind mit Leidenschaft bei der Arbeit.
Die Tiere der Rettungshundestaffel Nördlicher Schwarzwald sind mit Leidenschaft bei der Arbeit. © Seibel
18.03.2011

Blaulicht-TV: Schnüffeln, suchen und Leben retten

ENZKREIS. Immer wieder werden in der Region Menschen vermisst. Wenn es gilt, große Flächen nach ihnen abzusuchen, kommen häufig Rettungshunde zum Einsatz. Wie sie es mit ihrer feinen Nase schaffen, das Leben mancher Menschen zu retten, zeigt PZ-news in einer neuen Folge von Blaulicht-TV.

Laut und fordernd klingt das Bellen von Happy. Die Boardercollie-Hündin hat mich gefunden. Happy sitzt vor mir, ihr Kopf ist dicht an meinem. Ziemlich beunruhigend für mich – schließlich bin ich nicht gerade ein Freund von Hunden. Aber sie kommt mir nicht näher und berührt mich auch nicht. Sondern bellt lautstark weiter. Bei jedem Bellen zucke ich zusammen und denke, dass sie mich gleich anspringt. Tut sie aber nicht. Denn Happy ist gut trainiert und wartet jetzt nur darauf, dass ihr Frauchen Marion Zimbrod kommt. Diese ist eine der Rettungshunde-Führerinnen der Rettungshundestaffel Nördlicher Schwarzwald e.V.

Ich sitze in einem Erdloch in einem Wald bei Ottenhausen. Hier habe ich mich versteckt, um die Suchfähigkeiten von Happy und ihrer Kollegen der Rettungshundestaffel zu testen. Und die sind enorm. Nur wenige Sekunden, nachdem sie von ihrem Frauchen den Befehl „Such und hilf“ erhalten hat, stürmt Happy los. Mit einer Geschwindigkeit, bei der einem fast schwindelig wird. Äste, Gestrüpp oder Steine können sie nicht stoppen. Sie hat die Witterung aufgenommen. Schon von weitem höre ich das Glöckchen, an dem die Rettungshunde zu erkennen sind.

Konsequentes Training

Damit der Einsatz eines Rettungshundes so erfolgreich ist, ist einiges an Arbeit nötig. „Es braucht konsequentes Training, eigentlich jede Woche“, erklärt Schart. Dazu werden die Hunde schon so früh wie möglich ausgebildet – am besten schon als Welpe. Wichtige Voraussetzungen: Die Hunde sollten mittelgroß und gut sozialisiert sein und dürfen keine Probleme mit Menschen haben. „Die wichtigste Anforderung ist aber, dass sie entweder einen Fress- oder einen Spieltrieb haben“, erklärt Schart. Dies sei nötig, um die Hunde nach erfolgreicher Arbeit zu belohnen.

Auch die Hundeführer müssen speziell ausgebildet sein: „Karten lesen, funken, ein GPS-Gerät bedienen und Erste Hilfe leisten gehören zu unseren Aufgaben“, sagt Anke Gareis, Ausbildungsleiterin bei der Staffel. Sie ist Notärztin und aufgrund der aktuellen Lage nach dem Erdbeben in Japan auf Standby. Doch auch hier gibt es für die Rettungshunde und ihre Führer immer wieder etwas zu tun: Laut Schart werden in Pforzheim und im Enzkreis 18 Personen im Monat als vermisst gemeldet – die meisten tauchen jedoch von alleine wieder auf. Dennoch: Immer wieder werden die Rettungshunde losgeschickt, um orientierungslose Senioren zu suchen, die aus dem Altersheim weggelaufen sind, um suizidgefährdete Menschen zu finden oder auch, um hilflose Personen zu orten. „Die Hunde werden zum Beispiel auch eingesetzt, wenn alkoholisierte Jugendliche ins Klinikum eingeliefert werden und von dort wieder abhauen. Dann nimmt der Hund noch im Krankenhaus die Spur der Person auf“, sagt Schart.

Mann im Wald gefunden

Im Durchschnitt hat die Rettungshundestaffel Nördlicher Schwarzwald, die Mitglied im Bundesverband Rettungshunde ist, zusammen mit der Rettungshundestaffel des DRK in Pforzheim etwa eine Suche im Monat zu absolvieren. Schart erinnert sich an einen spektakulären Fall aus dem Jahr 2010: „Ein älterer Mann aus Neuenbürg wurde vermisst. Wir haben ihn nach mehreren Tagen mit unseren Hunden im Wald zwischen Neuenbürg und Birkenfeld gefunden. Leider starb der Mann später im Krankenhaus.“ Der Rettungshund ist nach Einschätzung von Schart ein effektives Einsatzmittel. „Ein Hund kann in 20 Minuten eine Fläche von 30.000 Quadratmetern absuchen – und das alles aufgrund seines extrem empfindlichen Geruchssinns.“

Die schwarz-weiße Hündin Happy blickt mich, als sie mich aufgestöbert hat, mit treuen, dunklen Augen an. Ich möchte sie belohnen, dass sie mich so schnell gefunden hat. Das Leckerli, das ich in der Tasche habe, interessiert sie nicht. Sie ist nicht so verfressen wie ihre Artgenossen. Ihr kann man vor allem mit einem eine Freude machen: Sie will ihrem Spielzeug, eine Art Schwamm, den ich für sie werfe, hinterher rennen. Carolin Ulbrich