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Nicht ansprechbar: Sina Bayer spielt für die Übung eine schwer verletzte Person...
Nicht ansprechbar: Sina Bayer spielt für die Übung eine schwer verletzte Person...
14.10.2011

Blaulicht-TV: Sekunden entscheiden über Leben und Tod

Es regnet in Strömen, große Pfützen bilden sich auf dem Parkplatz des Bauhofs in Straubenhardt-Conweiler. Ein Auto liegt auf der Seite, drinnen liegt eine Frau. Sie bewegt sich nicht.

Mehrere Feuerwehrmänner rennen geschäftig um das Auto herum. Sie versuchen, die Frau aus dem Wrack zu befreien. Der Regen scheint ihnen nichts auszumachen, die dicken Tropfen perlen von ihren Schutzanzügen ab.

Von meiner Kleidung perlt nichts ab. Ich bin klatschnass, mir ist kalt und meine nackten Füße fühlen sich an wie Eisklumpen. Eigentlich wollten wir hier nur für Blaulicht-TV filmen, wie die Straubenhardter Feuerwehrleute eine Crash-Rettung üben. Doch plötzlich gießt es wie aus Kübeln, was die Atmosphäre in der Dunkelheit noch viel grusliger macht.

„Bei einer Crash-Rettung geht es darum, dass eine schwer verletzte Person so schnell wie möglich aus dem Unfallauto befreit wird, weil sie sonst sterben könnte“, erklärt Kommandant Martin Irion. Dabei müssten die Einsatzkräfte notfalls auch in Kauf nehmen, dass die Person bei der Bergung Verletzungen erleide. „Es kann schon sein, dass die verletzte Person bei so einer Crash-Rettung zum Beispiel einen Rippenbruch erleidet“, sagt Sina Bayer vom DRK in Langenalb. Sie spielt bei dieser Übung die verletzte Person und hat viel künstliches Blut im Gesicht. Wenigstens darf sie im Trockenen sitzen, während die Feuerwehrleute das Auto mit ihren Spezialwerkzeugen zerschneiden, um sie so schnell wie möglich heraus- zuholen.

„Bei der Übung geht es auch darum, dass Feuerwehr und Rettungsdienst ihre Arbeit besser aufeinander abstimmen“, erklärt Sina Bayer. So müssten die Feuerwehrleute auch medizinische Kenntnisse bekommen und beispielsweise wissen, was es bedeutet, wenn der Rettungsdienst sagt, die verletzte Person werde insuffizient. Der Körper des Verletzten ist dann nur noch eingeschränkt funktionsfähig. „Das heißt dann, dass es jetzt richtig schnell gehen muss“, sagt Sina Bayer.

Die Feuerwehrleute haben die Person aus dem Auto befreit. Jetzt will ich mit Sina Bayer nicht mehr tauschen – schließlich wird sie auf die Trage gelegt, die die letzten Minuten im strömenden Regen gestanden ist.

Die Übung ist zu Ende, der Kommandant ist mit dem Ablauf zufrieden. Und der Regen? „Das macht uns nichts aus. Im Ernstfall spielt es schließlich auch keine Rolle, ob die Sonne scheint oder nicht“, sagt er. Wir packen unsere Ausrüstung zusammen und laufen zum Auto. Und der Regen? Bis auf die Pfützen vor dem Auto könnte man meinen, er sei nie dagewesen.