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Hinter Gittern: Blaulicht-TV zeigt, wie es ist, im Gefängnis zu arbeiten – und zu leben.
Hinter Gittern: Blaulicht-TV zeigt, wie es ist, im Gefängnis zu arbeiten – und zu leben.
17.02.2012

Blaulicht-TV hinter Gittern in der JVA Heimsheim

Die Tür schließt sich hinter uns. Jetzt sind wir also drin, in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim. Ausweise und Handys sind wir an der Eingangspforte losgeworden. Mauern mit Stacheldraht umgeben uns. Und nur dank Emilie Blasberg, Vollzugsdienststellenleiterin in der JVA, können wir uns überhaupt von einem Flur auf den anderen fortbewegen.

Denn sie hat in ihrer Hosentasche einen großen Schlüssel. Alle paar Sekunden holt sie ihn hervor, um eine der zahlreichen Türen aufzuschließen, packt ihn aber gleich wieder weg. Niemand soll zu genau sehen, wie er aussieht. „Es gab schon Häftlinge, die diesen Schlüssel nachgebaut haben und so entkommen konnten“, erzählt sie.

Bis auf die zahlreichen Türen und die Gitter vor jedem Fenster wirkt das Gebäude sehr hell, freundlich und fast sogar gemütlich. Aus einer Zelle dringt lautstark Musik, die andere Zelle wird gerade aufgeräumt. Von den dusteren, bedrohlichen Gefängnissen, die man aus dem Fernsehen kennt, ist die JVA Heimsheim sehr weit entfernt. Um in einer JVA zu arbeiten, muss man laut Anstaltsleiter Hubert Fluhr vor allem sehr tolerant und in der Lage sein, Konflikte zu lösen.

Für die derzeit rund 450 Häftlinge beginnt der Tag um 6 Uhr morgend mit dem Wecken. „Dabei wird auch kontrolliert, ob alle Häftlinge da und wohlauf sind“, erklärt Bereichsdienstleiter Helmut Gebhard.

Anschließend geht es an die Arbeit, entweder in den Eigenbetrieben wie Schreinerei oder Schlosserei oder in die Unternehmerbetriebe, in denen Teile für verschiedene Auftraggeber gefertigt werden. Am Abend haben die Häftlinge dann Freizeit. „Das bedeutet, sie können gemeinsam kochen, Fernsehen schauen und sich auf den Zellen besuchen“, erklärt Emilie Blasberg, die schon seit 14 Jahren in der JVA Heimsheim arbeitet.

Doch nicht immer geht es so ruhig und beschaulich zu. „Wenn zum Beispiel ein neuer Häftling ankommt und heraus kommt, dass er Kinder sexuell missbraucht hat, kann es auch zu Übergriffen durch andere Häftlinge kommen“, sagt Emilie Blasberg. Dann seien die Kollegen gefordert, auf Verletzungen oder Verhaltensauffälligkeiten zu achten. Doch gerade als Frau unter all den männlichen Häftlingen müssen man stets sehr vorsichtig und wachsam sein, damit einem selbst nichts passiert. „Wir sind halt kein Mädchenpensionat“, sagt sie und lacht. Manchmal tun die Gefangenensich auch selbst etwas an. „Ich musste einmal einen Häftling vom Gitter holen, der versucht hatte, sich das Laben zu nehmen“, erzählt Gebhard. Da habe man dann schon ein paar Tage lang dran zu knabbern.

In Heimsheim sitzen Straftäter ein, die sich die verschiedensten Dinge zuschulden kommen lassen haben. „Wir haben hier alles, vom Dieb über den Betrüger bis hin zum Mörder“, sagt Gebhardt. Manchmal haben selbst die Wärter ein mulmiges Gefühl, wenn die Gefangenen nach dem Verbüßen ihrer Strafe entlassen werden. Doch manche bleiben auch sehr lange dort: „Ein Straftäter ist schon seit 40 Jahren in Haft, der will gar nicht mehr raus.“