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Brigitte Schick mit Blinden-Führhund Isis (vorne) erzählte im Kelterner Waldkindergarten, wie es ist, wenn man nichts sieht. Die Enzkreis-Behindertenbeauftragte Anna Maria Rouvière-Petruzzi, Kindergartenleiterin Sabrina Bogner-Rudolf und Kelterns Bürgermeister Steffen Bochinger (hinten von rechts) freuten sich über die Aktion.  Foto: Meyer 

Blinde Frau gibt spannende Einblicke in ihre dunkle Welt: Aktion im Kelterner Waldkindergarten

Keltern/Enzkreis. „Wie läufst du eigentlich in deinem Zimmer rum?“ Das will Julius von Brigitte Schick wissen. Julius ist einer der sieben Vorschüler des Kelterner Waldkindergartens, Schick die stellvertretende Vorsitzende des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins. Sie erzählt den Kindern im Rahmen der Woche des Sehens davon, wie es ist, als blinder Mensch durchs Leben zu gehen: Draußen mit dem typischen weißen Stock und ihrem Blinden-Führhund Isis. „Drinnen kucke ich mit meinen Händen“, erklärt die 70-Jährige aus Bretten dem Vorschüler.

Ganz genau habe sie sich in ihrer Wohnung eingeprägt, wo die Möbel stehen, wieviele Schritte es vom Schrank zum Tisch sind. Dann sei Fühlen statt Sehen angesagt. „Probiere es doch selbst mal: Augen zu und versuchen vom Stuhl ins Bett zu kommen. Aber nicht schummeln“, rät sie Julius, der probehalber schon mal die Augen zukneift. Das Zurechtfinden sei natürlich einfacher, wenn zuhause alles aufgeräumt sei, sagt Schick, ehe sie schmunzelnd – und zur Erleichterung der Kinder – anfügt: „Aber dazu bin ich auch manchmal zu faul.“

Gebannt hören die Fünf- und Sechsjährigen Schick zu, die erzählt, wie sie als Kind erblindet ist und wie sie die Blindenschrift erlernt hat. Dass sie auch keine Hell-Dunkel-Unterschiede mehr erkenne, sich aber noch aus ihrer Kindheit erinnern könne, wie der blaue Himmel und die weißen Schäfchenwölkchen aussehen. Isis liegt derweil in seinem weißen Geschirr mit dem Handbügel zu Füßen seines Frauchens.

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Sven Bernhagen

Sven Bernhagen

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