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20.08.2009

Brandstifter zeigt keine Reue

CALW. Entsetzen in der Hessestadt: Der verheerende Brand, der am frühen Mittwochmorgen vier Männern in einem Calwer Obdachlosenheim den qualvollen Flammentod brachte, ist von einem 22-jährigen Bewohner gelegt worden.

Erleichtert hat der Calwer Polizeichef Joachim Kurz mit dem leitenden Tübinger Staatsanwalt Walter Vollmer gerade verkündet, dass der mutmaßliche Brandstifter von Calw gefasst ist. Doch es schwingt Entsetzen in seinen Worten mit, wenn Kurz davon berichtet, wie der 22-Jährige die Brandstiftung in dem Obdachlosenwohnheim eingeräumt hat: Regungslos und ohne einen Ausdruck von Reue oder Bedauern habe er den Hergang detailliert geschildert. In Selbstmordabsicht habe er in seinem Einzelzimmer im Obdachlosenheim der „Erlacher Höhe“ ein Feuer gelegt, gab der 22-Jährige bei der Vernehmung zu. Als er dann aber den Rauch gesehen habe, hätte ihn der Mut verlassen. Er habe dann ohne das Feuer zu löschen das Gebäude verlassen.

Mit Hochdruck hatten die Calwer Kriminalpolizei und zwei Brandermittler des Landeskriminalamtes nach der Brandursache und dem 22-Jährigen gesucht, der nun als Täter im Fokus steht. Denn zunächst wurde nicht ausgeschlossen, dass er selbst Opfer geworden ist.

Der als psychisch labil und introvertiert geltende Mann hatte jedoch am Mittwochmorgen seinen Bruder in Winnenden um Unterkunft gebeten. Da er am Abend Schnittwunden an den Armen aufwies, erhärtete sich der Tatverdacht gegen ihn. Der arbeitslose, angelernte Maler wurde dann am Donnerstagmorgen in der Waiblinger Fußgängerzone festgenommen. In Calw legte er ein Geständnis ab.

Der 22-Jährige, der nach aktuellem Stand bislang nicht polizeilich auffällig gewesen ist,, noch in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung war,  hatte den Brand wohl gelegt, um sich das Leben zu nehmen. „Er handelte nach eigenen Angaben in Suizidabsicht, er war des Lebens müde“, so der leitende Tübinger Staatsanwalt Walter Vollmer, „wir sind aber weiter auf der Suche nach dem genauen Motiv.“

Aus den Worten klang durch: Wirklich glauben mag Vollmer die Angaben des 22-Jährigen nicht. Auch in der Calwer Innenstadt brodelt nach wie vor die Gerüchteküche. Zumal ein 31-jähriger Bewohner, der aus dem Fenster gesprungen war, behauptet haben soll, er habe in der Nacht im Haus einen Streit wahrgenommen. Viele Calwer mochten sich angesichts des schrecklichen Ereignisses aber keinen Spekulationen hingeben. Sie sind bei allem Entsetzen froh, dass es der Feuerwehr gelungen war, das Feuer schnell zu löschen und die Nachbargebäude zu schützen.
Noch gestern wurde der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzende mutmaßliche Brandstifter vor dem Calwer Amtsgericht dem Haftrichter vorgeführt. Er erließ Haftbefehl wegen vierfachen Mordes in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung. Staatsanwalt Vollmer rechnet damit, dass die Verhandlung der Tat im Falle einer Anklage vor dem Tübinger Amtsgericht stattfinden wird. „Ich gehe davon aus, er wollte das Gebäude anzünden“, so Vollmer. Sollte der 22-Jährige für schuldig befunden werden, müsse er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.

Die Arbeit von Staatsanwaltschaft, Polizei und Gerichtsmedizin brachte aber nicht nur Klarheit über den Tathergang und den Verbleib des mutmaßlichen Täters, nachdem er das Gebäude der Erlacher Höhe mit Rucksack in den frühen Morgenstunden des Mittwoch verlassen hatte. Die Obduktion der vier Männer im Alter von 36 bis 59 Jahren habe eine zweifelsfreie Identifizierung von drei der vier Todesopfer ermöglicht, so Polizeichef Kurz. Im Fall der vierten Person könne man zwar davon ausgehen, dass es sich um den vierten vermissten Bewohner handele. Gewissheit gebe es aber noch nicht. Angaben zur Persönlichkeit der vier Verstorbenen wurden keine gemacht. Die beiden 31 und 44 Jahre alten Männer, die sich durch einen Sprung aus mehr als acht Metern Höhe vor den Flammen gerettet hatten, sind beide außer Lebensgefahr. Mit einem Trauergottesdienst soll am Montag, 24. August, der Opfer gedacht werden. Der Diakoniekreisverband Calw, dem auch die Erlacher Höhe angehört, hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Pforzheim Calw eingerichtet, um den Betroffenen zu helfen und die Bestattungskosten übernehmen zu können. Ob der materielle Schaden durch eine Versicherung  übernommen wird, bleibt offen.