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19.02.2009

Brandstiftung in Asylbewerberheim - Aufs Dach geflüchtet

STRAUBENHARDT. Drei Menschen haben beim Brand in einem Asylbewerberheim im Holzbachtal leichte Rauchvergiftungen erlitten. Die Polizei geht davon aus, dass Unbekannte Vorhänge im Aufenthaltsraum angezündet haben.

„Wir ermitteln in alle Richtungen, wer den Brand gelegt haben könnte“, sagte gestern der Pforzheimer Polizeisprecher Michael Sengle. Von den Tätern gebe es noch keine Spur, auch das Motiv sei unklar. Eine fremdenfeindlich motivierte Tat schließen jedoch sowohl er als auch der Leiter des Enzkreis-Ordnungsamts, Andreas Kraus, derzeit aus. Gestern wurden bereits erste Zeugen befragt.

Bewohner retten sich aufs Dach

Als das Feuer am Mittwoch kurz vor Mitternacht ausbrach, befanden sich zwölf Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Holzbachtal. Nach Schätzungen der Polizei ist an der ehemaligen Pension nur geringer Sachschaden entstanden, denn das Feuer im Aufenthaltsraum breitete sich nicht in alle Räume aus. Allerdings entwickelte sich schnell viel Rauch. Nach Angaben der Feuerwehr flüchteten daher fünf Bewohner durch ein Fenster auf das Dach des angrenzenden Nachbarhauses, die anderen Menschen retteten sich ins Freie. „Wir haben sie dann mit der Drehleiter vom Dach geholt“, sagte der Gesamtkommandant der Straubenhardter Feuerwehr, Martin Irion.

Die Feuerwehren aus Ottenhausen, Conweiler, Schwann, Langenalb, Neuenbürg und Keltern, die mit insgesamt 59 Mann im Einsatz waren, löschten den Schwelbrand, entrauchten das Gebäude und sicherten eine geplatzte Fensterscheibe ab. Insgesamt dauerte der Einsatz bis nach drei Uhr.

Trotz der eisigen Temperaturen sei es zu keinen Schwierigkeiten mit dem Löschwasser gekommen, erklärte Martin Irion. Er bezeichnete es jedoch als glücklichen Umstand, dass keiner von den Menschen auf dem Dach auf Eis oder Schnee abgerutscht sei.

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes mussten ein Mann, eine Frau sowie ein Kind mit leichten Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Teil der Bewohner des verräucherten Wohnheims kam beim Roten Kreuz in Neuenbürg, die anderen in anderen Ausweichunterkünften unter.

Werkstattbesitzer kocht Kaffee

Auch für Jochen Extra wurde es eine lange Nacht. Als er von seiner Werkstatt aus die vielen Blaulichter sah, dachte er zunächst, dass es möglicherweise bei ihm im Gebäude brennt. Doch schnell erkannte der Besitzer eines Oldtimer-Restaurierungsbetriebs im Holzbachtal den wahren Grund für den Großeinsatz der Rettungskräfte vor der Haustür. Da wollte auch er nicht nur zusehen: „Die Leute standen da draußen zum Teil im Schlafanzug oder im Hemd, manche waren barfuß in ihren Badeschlappen“, berichtet er. Und das bei minus elf Grad.

Kurzerhand schloss Extra seine Werkstatt auf und kochte Kaffee, so dass sich Asylbewerber und Einsatzkräfte bei ihm ein wenig aufwärmen konnten. Auch die Polizei habe dort ihre Protokolle gemacht, berichtet er.

Nach Angaben des Leiters des Enzkreis-Ordnungsamts, Andreas Kraus, haben die drei Leichtverletzten die Klinik am Donnerstag wieder verlassen können. Auch den anderen Bewohnern gehe es so weit gut. Sie werden in den anderen beiden Asylunterkünften des Enzkreises unterkommen, bis das verräucherte Gebäude im Holzbachtal bei Langenalb wieder bewohnbar ist.