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Rund 1500 Liter Export- und Dunkelbier aus der Wiernsheimer Adler-Brauerei sind von den Braumeistern Conrad (rechts) und Robert Volk in einem Schacht der Biomethananlage in Mühlacker entsorgt worden.  Foto: Kollros 

Brauerei entsorgt Bier in Mühlacker Biogasanlage: Deshalb sieht sich Wiernsheimer Adler-Bräu zu dieser Maßnahme gezwungen

Mühlacker/Wiernsheim. Zu einer ungewöhnlichen Zweckbestimmung für sein Fassbier entschloss sich der Wiernsheimer Patron der Adler-Brauerei, Robert Volk: Am Dienstag kippte er mit seinem Sohn Conrad rund 1500 Liter Export-Bier in den Gärungskreislauf der Biomethan-Anlage der Stadtwerke Mühlacker. Die Aktion war der anhaltenden Corona-Pandemie geschuldet.

Sein Fassbier sei ein naturbelassenes Frischeprodukt, handwerklich in einer Kleinbrauerei hergestellt, und habe deshalb auch eine weitaus begrenztere Haltbarkeit, als beispielsweise die Erzeugnisse der Bierindustrie, sagt der Braumeister. Es sei zudem nicht absehbar, wann seine Fassbierkunden – vorwiegend Gaststätten und Festveranstalter – wieder ihren Betrieb aufnehmen und bei ihm Fassbier ordern könnten. Als Corona noch kein Thema gewesen sei, habe die Brauerfamilie – auch Ehefrau Ramona und die Söhne Leopold und Conrad legen mit Hand an – eifrig Vorräte für die nahende „Festle“-Saison angelegt. Zumal die ersten beiden Monate 2020 eine verheißungsvolle Biersaison erwarten ließen. Und auch beflügelt dadurch, dass in der Wiernsheimer Adler-Brauerei seit 2014 der Bierausstoß kontinuierlich angestiegen sei.

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„Dann hat es uns im vollen Lauf eiskalt erwischt, als Mitte März der Gesetzgeber wegen der sich ausbreitenden Pandemie alle Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit stoppte und Gaststätten schließen mussten“, so Robert Volk, der über Jahrzehnte lange Berufserfahrung verfügt. Also entschlossen sich die Volks schweren Herzens dazu, ihre Vorräte und auch das von ihren Kunden zurückgenommene Fassbier wegzuschütten. „Denn wir haben uns sehr hohe Qualitätskriterien auferlegt, denen wir auch in der Krise treu bleiben“, so der Brauereibesitzer. Man könne das aus geschlossenen Gastro-Betrieben zurückgenommene Bier nicht in ein paar Wochen wieder als „frisch“ in den Verkehr bringen. „Das ist mit unserer Qualitätsphilosophie nicht vereinbar“, macht der Seniorchef klar. Auch keine Alternative wäre gewesen, das Fassbier in Flaschen umzufüllen, darunter würde die Qualität des Bieres ebenso leiden.

„Mit blutete wirklich das Herz“, erinnert sich Volk an den noch gar nicht so lange verstrichenen Zeitpunkt, als die Entscheidung zur Bierentsorgung auf der Biomethan-Anlage getroffen wurde. Doch viele Stamm- und auch Neukunden stärken den Volks den Rücken, indem sie vermehrt Flaschenbier im Adler-Abholmarkt in Wiernsheim kauften. Gleichwohl sei ein kleiner Trost, dass aus dem Gerstensaft nun wenigstens noch elektrische Energie gewonnen werde sowie Biomethan, das ins Mühlacker Erdgasnetz eingespeist wird. Nachhaltiger sei das jedenfalls, als die umgerechnet rund 3000 „Halbe“ in den Abwasserkanal zu schütten.

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