nach oben
Begehrte Leitungen: Vor allem kleine Gemeinden hoffen teilweise vergeblich auf Breitbandkabel. Die Disku ssionen über vielfältige technische Lösungen sind kompliziert.
Begehrte Leitungen: Vor allem kleine Gemeinden hoffen teilweise vergeblich auf Breitbandkabel. Die Disku ssionen über vielfältige technische Lösungen sind kompliziert. © Deutsche Telekom/dpa/tmn
29.04.2009

Breitband-Gipfel: Datenautobahn mit Staugefahr im Enzkreis

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die Datenautobahn ins Internet endet derzeit für manche Gemeinde in einer Sackgasse. Beim Breitbandgipfel in Pforzheim wurde deutlich, dass die Kommunen sich auf neue Wege einstellen müssen.

Der Leidensdruck nimmt zu. Das war im Panoramasaal der Sparkasse Pforzheim Calw immer deutlicher, je länger die Debatte zwischen Anbietern von schnellen Internetverbindungen, Bürgermeistern, Gemeinde- und Kreisräten dauerte. Der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (CDU) und seine Landtagskollegen Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Thomas Knapp (SPD) hatten von den Nöten der Kommunen in Sachen Datenautobahn in zahlreichen Briefen erfahren. Krichbaum hatte den Enzkreis-Landrat Karl Röckinger deshalb zu dem gemeinsamen Breitband-Gipfel gedrängt.

Zu viele weiße Flecken

Die Staufallen auf der Datenautobahn sind vielfältig. Selbst in einer vergleichsweise gut versorgten Stadt wie Pforzheim gibt es weiße Flecken, wie zuletzt bei einem Runden Tisch der IHK Nordschwarzwald auf der Wilferdinger Höhe deutlich geworden war. Manchmal sind ganze Neubaugebiete wie in Huchenfeld oder Hohenwart abgehängt. Gemeinden im Heckengäu hatten es selbst zu acht nicht geschafft, die Wirtschaftlichkeitshürden, die von der Deutschen Telekom in der Breitbandversorgung aufgestellt werden, beiseite zu räumen. Und Gemeinden wie Neuhausen und Tiefenbronn hadern mit starren Ausschreibungsrichtlinien, die es ihnen zum Beispiel unmöglich machen, sich für ein Datennetz über Breitbandkabel und etwa gegen Funklösungen zu entscheiden.

Krichbaum entgegnete der Kritik der Bürgermeister Friedrich Sämann und Oliver Korz, dass Kommunen sonst zu stark in den freien Wettbewerb eingreifen könnten. Beim Gipfel waren alle Techniken über Glasfaserleitungen wie von Sparkasse Pforzheim Calw, Telekom, Kabel BW oder Neckarcom bis zu Mischformen und reinen Funklösungen wie von den Firmen Skytron und Wireless vorgestellt worden.

Zunächst zeichneten sich beim Gipfel mehr Fragen als Antworten ab. Einige Forderungen richteten sich an den Enzkreis als Co-Initiator. Mühlackers Bürger- und Ordnungsamtsleiter Jörg-Michael Teply wünscht sich einen verbesserten Breitbandatlas für den Enzkreis. „Wenn wir wüssten, wo es welche Breitbandtrassen bereits gibt und wo welche Funkanbieter schon aktiv sind, würde das den Gemeinden die Zusammenarbeit erleichtern“, so Teply. Eine solche Aufstellung für den Kreis Calw hatte zuvor Berater Thilo Kübler vorgestellt. Jens Mühleisen von der IHK nannte den Kreis Freudenstadt als Vorbild, wo so genannte Leerrohre bei Straßenbauarbeiten als Standard mitverlegt werden sollen. Das würde Investitionen in Breitbandleitungen drastisch senken.

Das wären auch gute Investitionen für Gemeinden, meinte Berater Kai Seim. Das Land fördert solche Rohre. Aus Niedersachsen kennt Seim aber auch andere Lösungswege. Kreise und Kommunen würden dort gemeinsam auftreten und teilweise selbst Datennetze aufbauen. „Wenn Sie Eigentümer sind, können Sie auch selbst über Ihre Wunschtechnik bestimmen“, so Seim. Der Abstecher nach Norddeutschland machte den Bürgermeistern neue Hoffnung für die Datenautobahn.