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20.08.2010

Brücke über A8: 1200-Tonnen-Pfeiler 31 Meter verschoben

FRIOLZHEIM. Das war Schwerarbeit: Bauspezialisten verschoben in Friolzheim einen 1200 Tonnen schweren Brückenpfeiler um 31 Meter – an der neuen A 8 wird nun im Sauseschritt die Brücke der Ortsdurchfahrt fertiggebaut.

Bildergalerie: Pfeiler für die Brücke über die A8 bei Friolzheim in Position

„Wir schaffen locker sechs Meter pro Stunde“, sagt Kaspar Bartl – und schmunzelt, weil für ihn das Heben und Schieben schwerster Bauwerke seit vielen Jahren Alltag ist. Der Seniorchef einer Spezialfirma aus Bayern brachte gestern Morgen in Friolzheim an der Autobahn-Großbaustelle einen 1200 Tonnen schweren Stahlbeton-Koloss in Bewegung.

Mit Pressen hoben seine Mitarbeiter den Brückenpfeiler an und zogen ihn auf einer Schlittenbahn mit einer Hydraulikmaschine Zug um Zug nach vorne. Das Bauwerk war in den vergangenen Monaten neben der alten A 8 hochgezogen worden und musste nun 31 Meter verschoben werden. Denn erst nachdem der komplette Verkehr auf die neue Fahrbahn verlegt und die frühere Trasse abgebrochen wurde, konnten die Arbeiter das bereits fertige Brückenlager in die endgültige Position an der neuen A 8 bringen.

Nur wenige Stunden dauerte der große Auftritt der Spezialisten, dann sagte Bartl: „Absenken.“ Das meterhohe Bauwerk stand auf den Zentimeter genau an der richtigen Stelle. Der Vermessungsfachmann Michael Bergner tarierte mit seinem mobilen Messgerät den Pfeiler vollends aus und gab grünes Licht: „Alles stimmt.“ Ohne Probleme sei die große Verschiebeaktion über die Bühne gegangen, so Bauleiter Jörg Wüst von Leonhard Weiss, der federführenden Firma für den aktuellen sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Wimsheim, Friolzheim und Heimsheim.

Kaspar Bartl aus Gaißach nahe Bad Tölz hat sich mit seinem kleinen Familienbetrieb auf solche Schubprojekte spezialisiert. „2000 Tonnen sind bei uns Standard“, sagt er. Den alten Leipziger Bahnhof, 2800 Tonnen schwer, zu bewegen, war da schon eine Herausforderung. Für die Modernisierung der alten Autobahn in Friolzheim spielte Bartls Know-how eine große Rolle. Der Bau des Brückenpfeilers neben der einstigen Fahrbahn und das anschließende Verschieben trug viel zum beschleunigten Ausbau bei. Da die neue Autobahn um mehrere Meter tiefer gebaut wird, führt die Landesstraße aus der Friolzheimer Ortsdurchfahrt künftig über die A 8. Ursprünglich sollte die Verkehrsader durch den Ort 22 Monate gesperrt werden. Doch das nahmen die Gemeinde und das Gewerbe nicht hin.

So mussten die Planer des Regierungspräsidiums (RP) in Karlsruhe umdenken. Die Baufirma Leonhard Weiss fand den Ausweg – mit einem zweigleisigen Vorgehen. Auf der einen Seite, am Wohngebiet „Geissberg“, wurde die neue Trasse angelegt und dabei bereits die eine Hälfte der neuen Brücke gebaut. Auf der anderen Seite zog die Baufirma schon den Brückenpfeiler hoch. So wurde die Bauzeit stark verkürzt – die Friolzheimer Verkehrsader schlägt nur sieben Monate lang nicht mehr. Gut drei Monate bleiben den Arbeitern nun, um die Pfeiler miteinander zu verbinden. Ende November soll die Brücke schon fertig sein. Dann wird auch die Notbrücke am Geissberg als Umleitungsstrecke abgebaut.

Über den raschen Baufortschritt freut sich der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß, der sich vehement gegen die lange Sperrung gewehrt und für sinnvolle Umleitungswege eingesetzt hatte. Zudem musste der Rathauschef nach dem Baubeginn lange gegen verdreckte Straßen kämpfen. „Wir haben keinen Schmutz mehr von der Baustelle, die Anwohner am Geissberg sind natürlich von der Umleitung über die Behelfsbrücke schwer betroffen“, so Seiß. Es gebe aber auch Lob über den A 8-Ausbau: „Man merkt, dass es im Ort ein wenig ruhiger ist, seitdem der ganze Verkehr über die neue, tiefere Trasse läuft.“ „Wir machen Augen nicht ganz zu, aber wir gehen nun durch“, diesem Motto habe sich die Gemeinde in Abwandlung einer Spruchweise verschrieben.