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Unter anderem über Aufgabe und Gestaltung der „Hoffnungshäuser“ haben die Bürger mit Verwaltung und Gemeinderäten wie Erna Grafmüller (Zweite von links) und Albert Weckesser (Vierter von links, beide Grüne Liste) diskutiert.   Falk
Unter anderem über Aufgabe und Gestaltung der „Hoffnungshäuser“ haben die Bürger mit Verwaltung und Gemeinderäten wie Erna Grafmüller (Zweite von links) und Albert Weckesser (Vierter von links, beide Grüne Liste) diskutiert. Falk
21.01.2018

Bürger gestalten Agenda: Neujahrsempfang in Straubenhardt mit Ideen-Workshop

Ein „Experiment“ hat Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg den Neujahrsempfang der Gemeinde am Sonntagmorgen genannt. Das Besondere daran: Bürger, Gemeinderat und Verwaltung begrüßten nicht nur gemeinsam das neue Jahr, sondern diskutierten in einem Workshop die Themen, die in Straubenhardt in diesem Jahr auf der Agenda stehen.

Solch einen Fahrplan für die Gemeinde gebe es seit 2014, sagte Viehweg. In diesem Jahr waren also zum ersten Mal die Bürger am Zug und hatten die Möglichkeit, die Agenda mit ihren Vorschlägen mitzugestalten. Und davon machten viele Straubenhardter Gebrauch.

Bauplätze und Friedhofgestaltung: Riesiger Andrang herrschte laut Moderator Jürgen Hörstmann vom Landratsamt Enzkreis am ersten Thementisch, der sich mit dem Flächennutzungsplan der Gemeinde beschäftigte. „Wir müssen für Wohnen und Gewerbe Flächen schaffen“, sagte Rathauschef Viehweg vorab in seiner Neujahrsrede. Straubenhardt sei ausverkauft, wenn es um von der Gemeinde angebotene Bauplätze gehe. Ein kleines Wohngebiet sei mit dem „Steigbrunnen“ in Pfinzweiler derzeit am Entstehen. Die Bürger hatten vor allem Erklärungsbedarf, so Hörstmann: „Welche Flächen könnten für welche Verwendung umgewandelt werden?“ Das Thema sei eine Baustelle, die die Gemeinde nicht in diesem Jahr zu Ende bringen könne. Einen Tisch weiter diskutierten die Straubenhardter über die Gestaltung der „Mostklinge“ in Schwann. Dort ist gerade der lang ersehnte Kreisverkehr an der Abzweigung nach Feldrennach entstanden. „Begrünen“ sagen die einen Bürger, „der perfekte Platz für ein zentrales Rathaus“ sagen die anderen. Viele, so Hörstmann, sähen die „Mostklinge“ als das natürliche Zentrum Straubenhardts. Dort gelte es nun, Aufenthaltsqualität zu schaffen. An Tisch drei wurde lebhaft über Friedhöfe diskutiert. Hier will die Gemeinde in diesem Jahr mehr als eine halbe Million Euro investieren. Viele Bürger wünschen sich einen Parkcharakter, an dem Menschen zusammenkommen können, für die letzten Ruhestätten.

Bürgerbeteiligung an Windkraft: Wichtiges Thema in diesem Jahr werden auch die „Hoffnungshäuser“ sein, die sozial schwachen Menschen einen günstigen Wohnraum und Flüchtlingen eine Anschlussunterbringung bieten sollen. Hier wünschen sich viele Bürger, dass die Gebäude nicht zu einem Ghetto würden, so der Moderator. Auch Stichworte wie Fotovoltaikanlagen auf dem Dach und Barrierefreiheit fielen. Auf weniger Interesse stieß das Thema Ortsdurchfahrt Conweiler. Hier sähen viele Straubenhardter wenig Spielraum der Gemeinde. Umso mehr Informationsbedarf habe es zum Thema einer Bürgergenossenschaft Windkraft gegeben. Thema war, ob der erzeugte Strom für die autarke Versorgung der Gemeinde genutzt werden könne. Auch an eigenen Themen mangelte es den rund 70 Bürgern nicht. Mehr Präsenz des Jugendgemeinderats, Breitbandversorgung, Digitalisierung und die Aufenthaltsqualität in den sechs Ortsteilen waren Begriffe, die fielen.

Aktive Bürger einbeziehen: „Wir waren unschlüssig, wie groß das Interesse an dem Termin ausfallen wird“, sagte Bürgermeister Viehweg. Anregungen zu der Veranstaltung habe es immer wieder in der letztjährigen Gesprächsreihe „Wir müssen reden“, in der Rathauschef, Gemeinderäte und Bürger in den verschiedenen Ortsteilen ins Gespräch kamen, gegeben. Die Bürger sollten herausgefordert und neugierig gemacht werden. Viehweg sprach von vielen kleinen Bausteinen, die die Bürger oft gar nicht mitbekämen. Gleichzeitig lobte er das große Engagement der Straubenhardter, die sich in 70 Vereinen einbringen. „Es gibt viel zu tun“, so der Bürgermeister: „Und vieles wird auch anders verlaufen, als es sich jetzt vielleicht darstellt.“ Deshalb brauche es die Anregungen der Bürger und die Umsetzung im Schulterschluss.