760_0900_51214_.jpg
Im Vorfeld der Standort-Entscheidung sammelte eine Bürgerinitiative Unterschriften gegen die geplante Unterkunft.

Bürger sammeln Unterschriften gegen Asylstandort

Mit der Informations- und Standortpolitik des Enzkreises ist die Anliegerinitiative, die sich in den zurückliegenden Wochen an der Ersinger Raiffeisenstraße sowie der Langen Straße und der Pforzheimer Straße gebildet hat, nicht einverstanden. In einer in Teilen leerstehenden, großen Gewerbeimmobilie gegenüber der Firma Rückher sollen nach offizieller Darstellung 75 Flüchtlinge im Ersinger Gewerbegebiet am Ortsausgang Richtung Ispringen untergebracht werden.

Weil man sich vom Landratsamt des Enzkreises und vom Kämpfelbacher Rathauschef Udo Kleiner nur schlecht informiert fühlt, habe man den Weg einer Unterschriftenaktion gewählt, unterstreichen Thomas Rückher und Oliver Schmid den Bürgerprotest. Letztgenannter sagte, eine Anhörung zum Bauantrag sei am Dienstag dieser Woche eingetroffen, im Gespräch sei das Projekt aber seit Wochen. Gegen einige Familien mit Integrationsperspektive hätte man nichts einzuwenden gehabt, aber mit der hohen Zahl von Flüchtlingen sei man nicht einverstanden.

Mit der Anhörung zum Bauantrag liegt dieser Fall freilich anders als bei früheren Fällen von Kritik. Landratsstellvertreter Wolfgang Herz hatte erst in dieser Woche betont, man informiere Anwohner so schnell wie möglich, wenn man grundsätzlich Klarheit über ein Objekt habe. Noch vor Tagen war man, wie Herz damals der PZ sagte, im Stadium fortgeschrittener Gespräche über das Ersinger Areal. Der Enzkreis sucht unter hohem Druck nach möglichen Unterkünften. In Kämpfelbach herrscht seit Längerem Stillstand bei der Frage von Containerstandorten.

Mit dem Kämpfelbacher Bürgermeister Udo Kleiner hatten die kritischen Bürger am Donnerstag ein Treffen. Dabei übergaben sie die Unterschriften. Auch wenn der kommunale Verwaltungschef formal nicht die Standortpolitik des Enzkreises bestimme, müsse er sich fragen lassen, wem er sich in einem Konfliktfall wie jetzt vorrangig verantwortlich fühle. Teilnehmer der die Initiative bedauerten, dass man sich im Gemeinderat nicht auf einen Standort zwischen Ersingen und Bilfingen habe einigen könne.

Der Pforzheimer Vermieter der Ersinger Gewerbeimmobilie, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht von einer „aggressiven Stimmung“ und warnt vor einer „Hetzkampagne“. Die Flüchtlinge müssten irgendwo hin und die Unterbringung im Gewerbegebiet helfe der Gemeinde, den vorgegebenen Aufnahmeschlüssel zu erfüllen. Hinzu komme, dass die Flüchtlinge fußläufig einen Supermarkt erreichen könnten, was sich gut auf deren Integration auswirken könne.

Als Reaktion auf die Vorwürfe der Ersinger Bürgerinitiative unterstreicht Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner, dass er „keine Informationsdefizite sieht“. Kleiner sagt, dass „der Bauantrag des Landratsamts am 7. Januar 2016 eingegangen ist“. Er habe vorab keine Informationen zum Inhalt der Gespräche von Bauherr und Landratsamt gehabt. Zu Spekulationen wolle er sich nicht äußern und diese auch nicht kommentieren.