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Frauen in der Bundeswehr gehören inzwischen zwar zum Alltag. Doch in der Elitetruppe KSK sind sie noch immer die große Ausnahme - dies soll sich nun ändern.
Frauen in der Bundeswehr gehören inzwischen zwar zum Alltag. Doch in der Elitetruppe KSK sind sie noch immer die große Ausnahme - dies soll sich nun ändern. © dpa
01.02.2012

Calwer Elitesoldaten wollen mehr „feminine Kompetenz“

Calw. Die Bundeswehr-Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) ist verstärkt auf der Suche nach Frauen. „Wir wollen uns eine "feminine Kompetenz" aufbauen“, sagte Brigadegeneral Heinz Josef Feldmann am Dienstagabend beim KSK-Jahresempfang in Calw im Schwarzwald.

„Es geht dabei um die Erweiterung unseres Fähigkeitsprofils, es geht um unsere Ausrichtung in der Zukunft.“ Derzeit dienen rund 50 Soldatinnen beim KSK. Bei den eigentlichen Kommandosoldaten - den „harten Männern“ - die unter anderem in Afghanistan im Einsatz sind, ist jedoch noch keine Frau.

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„Es geht um eine andere Art von Kommando-Soldaten“, umschrieb es Kommandeur Feldmann. Man entwickle ein Konzept „zur gezielten Einbindung von weiblichen Soldaten in die Einsatzaufgaben von Spezialkräften“, hieß es am Mittwoch in einer KSK-Mitteilung. Doch noch sind viele Fragen offen. Im März sollen 20 bis 30 ausgewählte Soldatinnen nach Calw kommen. Danach will man das Konzept konkretisieren.

Frauen an ihrer Seite hätte sich die Männer-Truppe in der Vergangenheit schon häufiger gewünscht - sei es bei Durchsuchungen von Häusern oder beim Ansprechen von Frauen in Ländern mit strikter Geschlechtertrennung. „Operationen von Spezialkräften erfordern oftmals einen direkten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Der Umgang mit einheimischen Frauen sollte dabei möglichst durch weibliche Soldaten erfolgen, da andernfalls aus Sicht der Bevölkerung kulturelle Gepflogenheiten verletzt werden können“, so das KSK am Mittwoch. Frauen haben nach Ansicht eines Sprechers aber auch „einen anderen Blickwinkel bei der Lagebeurteilung“.

Geeignete Soldatinnen sollen dafür bei den KSK-Einsatzkräften speziell ausgebildet werden. „Der Aufbau dieser Fähigkeit ist vollständig unabhängig von der Auswahl und Ausbildung zum Kommandosoldaten im KSK. Diese steht bereits seit über zehn Jahren Soldaten beiderlei Geschlechts offen“, betonte die Truppe in ihrer Mitteilung am Mittwoch.

Bisher sind Bewerberinnen allerdings stets an den körperlich extrem harten Aufnahmetests für die Elitesoldaten gescheitert. Vor allem tagelange Fußmärsche mit schwerem Gepäck zeigten Soldatinnen ihre Grenzen auf.

Die 1996 aufgestellte und geheim operierende Elitetruppe ist auf militärische Sonderaufträge im Ausland und auf die Bekämpfung von Terroristen spezialisiert. Rund 1300 Soldaten zählt das gesamte KSK, inklusive Unterstützungssoldaten und Forschungsabteilung. Die genaue Zahl der Kommandosoldaten bleibt geheim.

Die Elitesoldaten werden unter anderem in Nahkampf, Fallschirmspringen, Abseilen aus Hubschraubern, Sprengen sowie im Überleben unter Extrem-Bedingungen unterrichtet. Von den mehreren hundert Bewerbern im Jahr schaffen die Testphase nur etwa zehn Prozent. „Das ist ein harter und exklusiver Ausleseprozess“, erläuterte der General. Angesichts der ausgesetzten Wehrpflicht wirbt die Bundeswehr mit Nachdruck um neues Personal. dpa