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Vor 500 Interessierten sprach die evangelische Pfarrerin Margot Käßmann in Niefern über die Bedeutung christlicher Werte. Foto: Falk
Vor 500 Interessierten sprach die evangelische Pfarrerin Margot Käßmann in Niefern über die Bedeutung christlicher Werte. Foto: Falk
16.11.2016

Christliche Werte auf dem Prüfstand - Margot Käßmann spricht in Niefern

Großes Interesse erfuhr am Dienstagabend Margot Käßmann in der Nieferner Kirnbachhalle. Die evangelische Pfarrerin und ehemalige Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover sprach im mit 500 verkauften Karten bis auf den letzten Platz gefüllten Ameliussaal über die Bedeutung christlicher Werte in der heutigen Zeit.

Organisiert von der VR-Bank im Enzkreis fand der Vortrag im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums der Volksbank statt und solle „zum Nachdenken anregen und Orientierung geben“, so Vorstandsvorsitzender Klemens Schork. Von einem „gewissen Unbehagen“ sprach Käßmann eingangs angesichts der aktuellen Lage der Welt. „Terroristische Attentate und der Ukraine-Krieg haben uns gezeigt, dass Krieg wieder so nah ist“, so die Pfarrerin, hinzu kämen Politiker wie Erdogan, Putin und seit neuestem Trump: „Da stellt sich die Frage: Ist unsere Demokratie westlicher Prägung zukunftsbringend?“ Käßmann glaubt, dass die Menschen wieder einen gemeinsamen Grundkonsens mit Werten, die von allen mitgetragen werden, brauchen. „Auf deren Grundlage können wir dann streiten und diskutieren“, so die 58-Jährige.

Viele Menschen in Europa hätten sich deutlich vom christlichen Leben distanziert, bedauerte die Theologin. Dabei sei in Ländern wie Lateinamerika und Afrika die christliche Kirche stark am Wachsen. Käßmann sprach von einem „Markt an Religiosität – „man sucht sich einfach die Religion aus, die gerade am besten zum eigenen Lebensstil passt.“ In dieser „Patchwork-Religion“ hätte es die christliche Kirche besonders schwer, denn bei ihr müsse man sich an die Bibel und Jesus Christus binden. Dabei sei die Bibel Weltliteratur, werde von zwei Millionen Menschen auf der Erde gelesen. „Christen auf der ganzen Welt kennen dieselben Geschichten von Moses und Noah“, so Käßmann, „die Bibel ist ein Bildungsgut, das keine nationalen Grenzen kennt.“ Ebenso verhalte es sich mit den zehn Geboten. Die würden von vielen, vor allem jungen Menschen, heute als veraltet empfunden. „Dabei geben sie uns ein Grundangebot des friedlichen Zusammenlebens“, so die Pfarrerin.

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