AdobeStock_368282239
Neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel können in Regionen, in denen lediglich die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 unterschritten wird, Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung öffnen. 

Corona-Lockdown bleibt, aber diese Lockerungen sind möglich

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw/Berlin. Es war ein Abend, der regelrecht an den Nerven zehrte: Nach stundenlanger Beratung haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer sich auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 28. März, aber auch auf stufenweise Lockerungen geeinigt. Unter anderem auf erste Öffnungsschritte, beispielsweise für zoologische Gärten. Zu diesen zählt auch der Wildpark Pforzheim.

"Wir können heute von Hoffnung und dem Übergang in eine neue Phase sprechen", sagte Merkel, als sie kurz vor Mitternacht vor die Presse trat. "Was wir gemeinsam durchgestanden haben, das war hart. Aber es hat auch Wirkung gezeigt", so Merkel weiter.

Insbesondere habe sich die Lage durch das Impfen und durch die verschiedenen Testmöglichkeiten verbessert.

Kontaktbeschränkungen

Bereits ab dem 8. März sollen die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden. Dann werden wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich sein, jedoch beschränkt auf maximal fünf Personen. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 neuen Infektionen pro Woche können es auch Treffen des eigenen Haushalts mit zwei weiteren Haushalten mit zusammen maximal zehn Personen sein.

Kinder bis 14 Jahre sind hiervon jeweils ausgenommen. Bisher darf sich ein Hausstand mit maximal einer Person eines anderen Hausstandes treffen.

Die Neuerungen im Überblick zum Herunterladen: 

Bildschirmfoto 2021-03-04 um 08.41.58

>>> Hier klicken und den Download der Grafik laden - PDF-Datei mit 0,4 MB <<<

Stufenweise Öffnungen und Lockerungen

Weitere eingeschränkte Öffnungen kann es schon in Regionen geben, in denen lediglich die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 unterschritten wird. Neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel können dann Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung öffnen. Erlaubt sein soll dann auch Individualsport alleine oder zu zweit sowie Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich. Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 fallen die Auflagen weg oder werden abgeschwächt. Dann soll auch kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen im Freien wieder möglich sein.

Pforzheim, der Enzkreis und der Kreis Calw liegen aktuell (Stand: Mittwochabend) unter einer Inzidenz von 50. An diesem Mittwoch lagen die Werte bei 30,1 (Enzkreis), 48,4 (Pforzheim) und 49,6 (Kreis Calw). Über der 100er-Marke befanden sich allerdings alle drei Regionen schon lange nicht mehr. 

Coronavirus - Schnelltest beim Hausarzt
Region

Corona-Inzidenz: Pforzheim und Kreis Calw nur noch knapp unter 50er-Marke

Die nächsten Öffnungsschritte werden dem Beschluss zufolge davon abhängig gemacht, dass die vorherige Stufe 14 Tage lang nicht zu einer Verschlechterung der Sieben-Tage-Inzidenz geführt hat. Dann geht es zunächst um die Öffnung der Außengastronomie, von Kinos, Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie um kontaktfreien Sport im Innenbereich und um Kontaktsport im Außenbereich. Im nächsten Schritt sind weitere Sportmöglichkeiten und Freizeitveranstaltungen dran. Auch hier gilt: Bis zu einer 100er Inzidenz soll es höhere Auflagen wie tagesaktuelle Tests oder einen Buchungszwang geben, die bei einer Sieben-Tage-Inzidenz bis 50 Neuinfektionen wegfallen.

Wildpark Pforzheim könnte in Kürze öffnen

"Rechtlich läuft der Wildpark Pforzheim als Zoo. Sobald das Go für einen Termin X zur Öffnung von der Landesregierung kommt, sind wir gleich am ersten Tag dabei. Dann wieder mit den bewährten Onlinebuchungen."

Carsten Schwarz, Leiter des Wildparks Pforzheim

Wildpark Eröffnung Corona
Bereits in Kürze könnte der Pforzheimer Wildpark wieder seine Türen öffnen.

Impfen

"Das Impfen ist der Weg hinaus aus der Pandemie", so Merkel. Der Abstand zwischen der Erst- und der Zweitimpfung soll maximal ausgenutzt werden. So könne man schneller mehr Menschen erst-impfen. Der Impfstoff von Astrazeneca soll an alle Altersgruppen verimpft werden und nicht wie bislang nur an die Gruppe unter 65 Jahren. Die Beschränkung soll bereits in Kürze aufgehoben werden. Außerdem soll genügend Impfstoff zur Verfügung gestellt werden, sodass auch Arztpraxen die verschiedenen Impfstoffe verimpfen können. In Baden-Württemberg soll es bereits in der kommenden Woche mit ersten Pilotpraxen losgehen.

Testen

"Schnelltests sagen mit guter Genauigkeit, ob jemand tagesaktuell ansteckend ist", so Merkel. Deswegen will man sie künftig noch stärker nutzen. Jedem Bürger soll ab dem 8. März pro Woche ein Corona-Schnelltest zur Verfügung stehen. In Baden-Württemberg öffnen in der kommenden Woche Testzentren an den Start gehen.

Region+

Allgemeinmediziner sollen beim Impfen mit anpacken: Pilotpraxen starten nächste Woche

Außerdem soll es Tests auch in Schulen und Kitas geben, genau wie in Unternehmen. Dazu sollen am Freitag weitere Gespräche auf Bundesebene stattfinden.

Lokale Stimmen aus der Politik

"Es gibt eine verlässliche Perspektive - das war meine Erwartung. Das entspricht auch den Rückmeldungen, die ich aus der Region mitgenommen habe. Impfen, testen, behutsam öffnen - das schafft Perspektiven bei gleichzeitiger Vorsicht. Die Pandemie ist nicht zu Ende. Mir persönlich ist der Aspekt des Testens zu schwach. Wie CSU-Chef Söder über Vizekanzler Scholz redet, finde ich befremdlich. Der Ton macht die Musik. Auch in der Politik. Dass die Bundeskanzlerin keine Regierungserklärung im Parlament abgibt, finde ich falsch." 
Katja Mast, SPD-Bundestagsabgeordnete

„Die angekündigten Öffnungen sind für den Tourismusbereich keine. Gerade mal die Außengastronomie erhält eine Perspektive, welche naturgemäß im März eine sehr wacklige ist. Ansonsten gibt es nur salbungsvolle Worte. Das ist ein Lockdown mit Zuckerguss. Keine Betrachtung des damaligen Infektionsgeschehens, kein Vertrauen in Hygienekonzepte, und ein katastrophaler Rückstand bei den Möglichkeiten digitaler Kontaktverfolgung. Dazu noch keine Einigung für die Modalitäten des Härtefallfonds für seither durchs Raster fallende Betriebe. Und das alles 5 Monate nach Beginn des zweiten Lockdowns. So werden viele Unternehmer nur noch mehr verzweifeln.“
Erik Schweickert, FDP-Landtagsabgeordneter