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23.12.2016

Das Land und die Leute: Die Urlaubsfalle

Bürokratie hat klare Regeln. Eine davon ist es, dass viele Unterlagen zu bestimmten Zeitpunkten den Bürgern zur Einsicht offengelegt werden. Erst kommt die Bekanntgabe, dann startet die Frist. Normalerweise ist auch nichts weiter als eine Formalität, weil kaum jemand sich durch komplizierte Planunterlagen wühlen will. Doch dann gibt es Projekte, die viele Menschen voller Emotionen verfolgen.

Bei der Windkraft wollen sich tatsächlich viele voller Spannung auf die 274 Seiten stürzen, auf denen der Enzkreis das grüne Licht für den geplanten Windpark Straubenhardt darlegt. Plötzlich erhalten Formalien Bedeutung. Besonders, wenn die Genehmigung kurz vor Weihnachten und den folgenden Urlaubstagen erteilt wird. Normales Verfahren wäre es, alles umgehend einsehbar zu machen. Doch dann ginge erst an den Feiertagen nichts und hinterher wären im Zweifelsfall viele Bürger nicht da. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Windkraft-Gegner den Behörden Kalkül unterstellt hätten. So kam es, dass dieses Planverfahren den Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum (CDU) aufhorchen ließ. Auf einer Veranstaltung in Straubenhardt angesprochen, nahm er Kontakt zum Landratsamt auf, um vor der Urlaubsfalle zu warnen. Dort sei er sofort auf Verständnis gestoßen, heißt es aus Krichbaums Büro. Im Landratsamt ist der Zungenschlag ein anderer: Nach Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden sei man ohnehin vom frühen Termin abgerückt. Egal wie, das Ergebnis passt: Die Windpark-Genehmigung ist ab 11. Januar einzusehen.