760_0900_57527_.jpg
Eine Flügelspannweite von 1,8 Metern hat der sibirische Uhu, der auf dem Arm von Falknerin Tatjana Kosfeld seine Flügel ausspannt. Roller 

Das Mittelalter lebt - Hunderte Gäste beim „Spectaculum“ rund um das Neuenbürger Schloss

Es ist wie eine Reise in eine längst vergangene Zeit: Schmiede schlagen auf glühende Metallstücke, Steinmetze hantieren mit Hammer und Meißel, Ritter liefern sich in ihren Rüstungen hitzige Gefechte mit Schwertern und Lanzen, Frauen stellen in Handarbeit weiche Decken aus Schafswolle her und gekocht wird über dem offen Feuer. Beim „Spectaculum“ wird für zwei Tage rund um das Neuenbürger Schloss das Mittelalter wieder lebendig.

ROL_SPECTACULUM_ (1)
Bildergalerie

Mittelalter-Festival "Spectaculum" in Neuenbürg

Insgesamt sind es rund 240 Händler, Lagerleute und Künstler, die sich in ihren liebevoll dekorierten Zelten im Schlosshof und der historischen Burgruine tummeln. Eine von ihnen ist Nadine Mertz aus Knittlingen, die den Besuchern Ingrid und Jürgen Blum aus Neuenbürg erklärt, wie man früher eine Decke aus Schafswolle hergestellt hat. Die beiden sind mit ihren Enkeln Ronja und Nick da. „Wir kommen jedes Jahr her, bei jedem Wetter“, erzählt Jürgen Blum und lacht. „Was sich die Leute hier einfallen lassen, ist einfach super.“ Ein paar Meter weiter liegt Karsten Piasecki aus Bühl mit seinem Bruder und dessen Familie im Gras und genießt die Atmosphäre. Piasecki ist öfter auf solchen Festivals unterwegs. Am „Spectaculum“ in Neuenbürg gefällt ihm besonders gut, dass die Burgruine noch erhalten ist. „Das macht es noch authentischer.“

In ebendieser Burgruine geht Nik Golder aus Bad Wimpfen seiner Arbeit nach. Er ist Steinmetz und gerade dabei, seine Frau in gelbem Sandstein zu portraitieren. „Ich brauche einige Tage, um damit fertig zu werden“ erklärt er.

Einige Zelte entfernt, im Lager der „Vogelfreyen“, wird unterdessen eifrig gekocht: Lauchsuppe mit Hackfleisch und Milch, Rote-Beete-Salat mit Gurken und Schafskäse sowie Gemüseeintopf. „Wir benutzen nur Zutaten, die es auch im Mittelalter schon gegeben hat“, erklärt Anga de Mociy. Er ist der „Jarl“, also der Vorsitzende der Gruppe.

Auch Volker Brose und seine Gruppe – die „Apostata Equitis“ oder „Abtrünnige Ritter“– wollen ein realistisches Bild davon vermitteln, wie der Hochadel früher gelebt hat und welche Waffen von 1150 bis 1450 zum Einsatz kamen. Stolz führt Brose, der auf Festivals von allen „Urs amme Berge“ genannt wird, durch sein Zelt. Dort liegen Felle auf dem Bett, Heiligenbilder hängen an den Wänden, Truhen stehen auf dem Boden und für Licht sorgen nur ein paar Kerzen.

Die beiden Falkner Tatjana und Stefan Kosfeld aus dem sauerländischen Marsberg haben in Neuenbürg sieben ihrer insgesamt 35 Vögel dabei. Besonders gut kommt bei den Zuschauern ihrer kleinen Vorführungen „Kari“ an. Der sibirische Uhu hat eine Flügelspannweite von 1,8 Meter und wiegt mehr als vier Kilogramm. „Ihre Flügel spannt Kari aber nur aus, wenn ich meine Hand kippe, denn nur so kann sie dann das Gleichgewicht halten“, erklärt Tatjana, die schon seit neun Jahren als Falknerin arbeitet.