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Anton Vester: Ob in Asien, Afrika oder Europa, immer mit der Kamera unterwegs. Hier auf Sri Lanka.  Foto: Privat 

Das Virus stoppt die Hilfseinsätze: Birkenfelder hält soziale Projekte mit der Kamera fest

Birkenfeld. Am 20. März war Feierabend. Dann hob in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die Maschine von Ethiopian Airlines Richtung Deutschland ab. Nicht, weil das der Plan gewesen wäre, sondern weil Corona im Begriff war, auch den afrikanischen Kontinent mit seinen Pandemie-Auswirkungen zu verdunkeln. Bereits am 17. März hatte der Fluggast, ein Fotograf aus Birkenfeld, diese Entscheidung getroffen. Die Nachrichtenlage war immer bedrohlicher geworden. Andere Ausländer waren von Einheimischen angegriffen worden. Hysterie und Panik griffen stetig um sich. Von China aus kommend hatte sich Corona nach Afrika übertragen. Todesangst griff um sich. Für einen 23-Jährigen ist Anton Vester aus Birkenfeld schon ganz schön auf dem Globus herumgekommen. Mehr noch: Er hat exotische Länder nicht nur in touristischer Hinsicht bereist, sondern um mit Bekannten und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) den Menschen in seinen Zielländern zu helfen.

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Ethiopia, Oromia Region, 2020 photo 1 Oromia family photo 2 villagers washing their horses and clothes in a river photo 3 Oromia family for CCRDA and the Packard foundation photos by @anton_hdtw Photo series PART 1 An average Ethiopian family has 4.6 children. Zinash the mother of this protestant family has 8 children in fact, which is the ordinary number of children in the area around Kersa. The high numbers of pregnancies have required a strong physical effort from Zinash. As a result of this many women like Zinash have to struggle with very unpleasant health problems. I am referring to uterus prolapse – an often-occurring health issue being kept secret. Because of a social taboo and a lack of money most of the women can’t get medical treatment. With the support of the CCRDA project aka the Packard Project the mother was able to get a medical therapy. Today she still has to take medicine but happily can say she enjoys daily life with her family. My photos are exhibited in the entrance lobby of CCRDA. #documentarywork and #humansdrawtheworld

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Ob diese Zeit je wiederkommen wird? Da ist sich der Birkenfelder heute nicht sicher: „Es gibt eine Zeit vor und nach Corona.“ Und vermutlich sei das freie und unbeschwerte Reisen rund um den Globus erst einmal beendet. Vester hatte seine Tätigkeit in den bereisten Ländern mit zahllosen Bildern dokumentiert, getreu seinem Motto „Humans draw the world“, also Menschen zeichnen die Welt. Das hat der 23-Jährige mit seiner Kameraausrüstung getan, indem er mehrere soziale Projekte motivmäßig dokumentiert hat. Das künstlerische, soziale und ökologische Interesse von Vester ist beispielsweise auf Bildungsprojekte ausgerichtet. Gerne porträtiert er auch Menschen, so wie sie sind, und natürlich nicht im Geist von Photoshop-Manipulationen.

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Goma-Frauen aus Äthiopien: Anton Vester aus Birkenfeld war bei seiner dreizehnmonatigen Reise an zahlreichen Sozialprojekten beteiligt. Foto: Privat

Der junge Mann ist in Birkenfeld auf die Friedrich-Silcher-Schule gegangen, dann in Pforzheim aufs Theodor-Heuss-Gymnasium. Dort hat er sein Fachabitur im Zusammenwirken mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr abgelegt. Fotografieren war schon damals seine Leidenschaft.

"Es gibt eine Zeit vor und nach Corona."

Anton Vester

Der konnte er auch frönen, als er seine berufliche Laufbahn zunächst bei der Polizei im Land Baden-Württemberg aufnahm. Er absolvierte eine Ausbildung zum Polizeimeister an der Hochschule der Polizei in Lahr. Tätig war er sowohl auf dem Polizeirevier Pforzheim Nord als auch, während seiner Zeit in Konstanz, für die Autobahnpolizei im Raum Singen. „Das Fotografieren gehörte zum Dienst mit dazu“, sagt Vester. Ob bei Verkehrsunfällen oder Einbrüchen, es gab viel zu dokumentieren. Doch dann habe er sich das mit der Polizei anders überlegt, sich zu früh festgelegt gehabt. Baden-Württemberg zu klein und die Welt sein Revier, um zu fotografieren.

Was sich anschließt, handelt von einer großen Reise mit vielen Stationen. Von März 2019 bis März 2020 bereiste Vester Sri Lanka, Malaysia, Indonesien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien, Österreich, Kenia und schließlich Äthiopien. Die Aufenthalte dauerten Wochen, aber auch Monate. Und während sich am Anfang das Ersparte verbrauchte, konnte der Birkenfelder mit der Zeit auch von Aufträgen für NGOs leben.

Was ihm immer wieder begegnete waren die Folgen der internationalen Migration. Viele Krisenherde seien in Mitteleuropa fast unbekannt.

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