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So ist es richtig: In Pforzheim und im Enzkreis empfehlen die Verantwortlichen, in der Enz nicht zu schwimmen. Das Abkühlen der Füße aber ist kein Problem. 
So ist es richtig: In Pforzheim und im Enzkreis empfehlen die Verantwortlichen, in der Enz nicht zu schwimmen. Das Abkühlen der Füße aber ist kein Problem.  © Prokoph
21.07.2015

Das gilt für die Flüsse der Region: Füßekühlung ja, Schwimmen nein

Pforzheim/Enzkreis/Baden-Württemberg. In Heidelberg und Freiburg bieten die Flüsse im Sommer eine tolle Abkühlung. Doch nicht überall in Baden-Württemberg empfiehlt sich das Baden. In Stuttgart tummelt sich Ungeziefer im Neckar und in Mannheim ist Baden verboten. In der Dreitälerstadt Pforzheim sind Enz, Nagold und Würm nicht als Badegewässer freigegeben und das gilt auch für die Flüsse im Enzkreis.

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Früher gab es in Pforzheim Badestellen an der Enz, die tatsächlich zum Schwimmen einluden. In diesen Tagen ist der Fluss im Stadtgebiet so flach, dass das Wasser über weite Strecken, die nicht gestaut sind wie westlich der Auerbrücke, gerade einmal zum Benetzen der Unterschenkel reicht. „Wenn jemand seine Füße in die Enz hängt, ist nichts dagegen einzuwenden“, sagt Markus Haller, Leiter des Amts für Umweltschutz der Stadt Pforzheim. Man könne auch durchlaufen, müsse aber bedenken, dass im Wasser eventuell gesundheitsbeeinträchtigende Keime sein könnten. Bei den vielen Kläranlagen entlang der Enz müsse man mit Restkeimen rechnen, die ins Flusswasser entlassen werden. Enz und Nagold seien „relativ sauber“, die Würm komme da nicht ganz heran.

Die fließenden Gewässer im Enzkreis, wie Enz, Würm, Monbach, Eyach, Kämpfelbach oder Pfinz, sind nicht als Badegewässer ausgegeben, weshalb sie auch nicht auf ihre Badetauglichkeit hin überwacht würden, so Dr. Arnd Goppelsröder vom Gesundheitsamt des Landkreises Enzkreis. Allerdings gibt es eine naturbelassene Bademöglichkeit, die regelmäßig überprüft werde: der Tiefe See in Maulbronn. Aber dort ist ja auch ein Freibad eingerichtet.

Die Freiburger etwa kühlen bei heißen Temperaturen ihre Füße in der Dreisam und die Heidelberger können sich nach dem Bad im Neckar auf der Wiese unter die Dusche stellen. Doch nicht überall darf man ins Wasser - und nicht überall ist es überhaupt ratsam. In Stuttgart beispielsweise tummeln sich Ratten und Bakterien im Neckar und in Mannheim ist der Sprung in den Rhein gleich ganz verboten. PZ-news hat sich im Musterländle ein bisschen an den Flüssen umgesehen.

Das Badeparadies

Eine schönere Kulisse für ein Bad im Fluss als das idyllisch am Neckar gelegene Heidelberg kann man sich kaum vorstellen. Das Tolle daran: Baden im Neckar ist nicht nur erlaubt, die Stadt hat sogar Duschen auf den Neckarwiesen aufgestellt. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Heidelberg ist Baden im Neckar im Hochsommer sehr beliebt. Allerdings ist es an einigen Stellen verboten - und daran sollte man sich auch unbedingt halten, sagt Amtsleiter Jörg Huber. Unter anderem Schleusen, Hafeneinfahrten, Brücken und Kraftwerksanlagen seien absolut tabu.

Zum Reinsetzen

In Freiburg im Breisgau bräuchte man schon einen Bagger, um im Fluss schwimmen gehen zu können - das Wasser der Dreisam ist hier sehr flach. Dafür kann man sich auf großen Steinen niederlassen und die Füße ins kühle Nass halten. Die Dreisam sei im Sommer ein «schöner Verweilort» und werde sehr gut genutzt, sagt eine Stadtsprecherin. Wer unbedingt schwimmen will, hat die Wahl zwischen einigen Freibädern und Baggerseen im Umkreis.

Wasserkarneval

In Ulm ist das Baden in der Donau zwar nicht verboten, aber der Fluss ist nach Angaben einer Stadtsprecherin wegen der steilen Uferböschung auch nicht besonders dafür geeignet. Daher weichen die Ulmer gerne auf die Iller aus. Einzige Ausnahme: Der «Nabada». Einmal im Jahr, am vorletzten Montag im Juli, wird auf der Donau in Ulm Wasserkarneval gefeiert - mit Musikschiffen, Themenbooten und unzähligen Badegästen.

Voller Ratten und Fäkalien

Ein normaler Stuttgarter würde vermutlich nie auf die Idee kommen, mitten in der Stadt im Neckar zu baden. An den Ufern tummelten sich Ratten und im Wasser sehe es noch schlimmer aus, sagt ein Stadtsprecher. Die Wasserqualität sei schlicht gesundheitsschädigend. So sei ein Teilnehmer eines Triathlons an Leptospirose erkrankt, einer Infektionskrankheit, die in schlimmen Fällen tödlich enden kann. Der Neckar in Stuttgart sei ein Industriefluss, betont der Sprecher. Die Böschung bestehe oft aus algenbewachsenen Spundwänden, da kämen Schwimmer nicht mehr raus. Viel schöner sei es, sich in einem der Mineralbäder abzukühlen - die Region habe das größte Mineralwasservorkommen in Westeuropa.

Verboten

Mannheim ist eine der ganz wenigen Städte mit einem Badeverbot für seine Flüsse. Jörn Heilmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim kann das nur bedingt nachvollziehen. Im gegenüberliegenden Ludwigshafen, auf der anderen Uferseite, sei das Baden im Rhein erlaubt. Das führe zu der skurrilen Situation, dass ein Schwimmer, der den Rhein durchquert, die eine Hälfte des Weges illegal zurücklegt. Von solchen Experimenten rät Heilmann aber wegen des Schiffsverkehrs dringend ab. Generell werde das Baden im Rhein in der Region immer beliebter, sagt er. Hunderte sind am Wochenende an den Ufern unterwegs. Manche gehen mit den Füßen ins Wasser, andere wagen sich weiter vor. Heilmann warnt: Schon im Uferbereich kann die Strömung bis zu fünf Stundenkilometer stark sein. Gegen eine so starke Strömung kommen selbst geübte Schwimmer kaum an.

Das sagt der Experte

Der Chemieprofessor Andreas Fath aus Furtwangen im Schwarzwald hat vor einem Jahr den kompletten Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen. Zwar geriet Fath trotz akribischer Vorbereitung und Begleitteams mehrfach in Gefahr, doch meistens konnte er den vierwöchigen Schwimmmarathon genießen. «Es war extrem abwechslungsreich», erzählt er. Vor allem der Hochrhein sei «traumhaft zum Schwimmen». Fath schwamm an Weinbergen vorbei, schaute Pferden zu, die am Ufer vorbeigaloppierten und wurde von Badegästen bejubelt. Und er genoss auch die Strömung: «Es ist ein tolles Gefühl, wenn man so schnell unterwegs ist.»