nach oben
16.05.2009

Das große Aufräumen nach der Flut beginnt

ENZKREIS. Am Freitagnachmittag standen im Umkreis von Weil der Stadt Ortskerne von drei Gemeinden bis zu 1,50 Meter hoch unter Wasser. Am Freitagabend warnten Polizei und Feuerwehr mit Lautsprecher-Durchsagen die Anwohner in den tieferen Lagen des Würmtals im Enzkreis und Pforzheim vor einer möglichen Flutwelle. Doch eine bedrohliche Überschwemmung blieb aus. Das lässt die Rettungskräfte aufatmen: Laut Auskunft der Feuerwehr Pforzheim von Samstagmittag hat sich die Lage entspannt. Das Wochenende könnte ruhiger verlaufen als der Rest der turbulenten Woche.

Kein Tag in dieser Woche, an dem die Feuerwehren in der Region nicht ausrücken mussten. Mit erstaunlicher Gleichmäßigkeit und Pünktlichkeit setzte über der Region Starkregen und Hagel ein. Glück für die vielen Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren: Nicht immer war jeder Winkel im Enzkreis gleichzeitig hart betroffen. In der Regel waren es herausgespülte Gullydeckel und voll gelaufene Keller und Wohnungen wie in Keltern-Ellmendingen, die leer gepumpt werden mussten. Es gab überflutete Straßen und im Landkreis Calw mussten zwei Schneepflüge die Straßen vom bis zu 15 Zentimeter dick auf der Fahrbahn liegenden Hagel-Eis befreien. In Arnbach deckte ein Tornado Dächer ab.

Hart getroffen hat es am Freitag Gemeinden in der Nachbarschaft zum Enzkreis. Die Polizeidirektionen Böblingen und Calw hatten sogar Hubschrauber im Einsatz, um die Überflutungen aus der Luft zu überblicken. So meldete zum Beispiel Gechingen im Landkreis Calw "Land unter". Die Überflutung war so schlimm, dass am Freitagnachmittag alle Zufahrtsstraßen nach Gechingen gesperrt werden mussten. Die Menschen in Gechingen werden wohl noch das Wochenende an den Folgen der Überschwemmung zu arbeiten haben. Am Freitag waren fast 400 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz stundenlang mit den Unwetterschäden beschäftigt. Allein hier wird der Sachschaden auf rund vier Millionen Euro geschätzt. 100 Keller wurden in Gechingen geflutet, zwei Parkhäuser liefen mit Wasser voll.

Am Freitagabend war noch unklar, in welchem Umfang die Flutwelle der Würm auch Anwohner im Enzkreis und die Stadt Pforzheim bedrohen könnte. Auch der Scheitelpunkt der Flutwellen von Enz und Nagold wurden zu dieser Zeit in der Region erwartet. Doch die Pforzheimer Polizei konnte bereits am späten Freitagabend einen Lichtblick vermelden. Die Pegel am Oberlauf der Flüsse von Enz und Nagold waren bereits wieder gefallen. Anders sieht es dagegen auf dem neckar aus. Dort ist die Schifffahrt zwischen Heidelberg und Eberbach bis Montag eingestellt.

Das Schlimmste scheint also in dieser Woche vorbei zu sein. So hoffen es zumindest die Rettungskräfte, die ständig in Alarmbereitschaft gewesen waren und im Prinzip jeden Tag ausrücken mussten. Die Kette von Einsätzen zehrte an den Kräften der Feuerwehrmänner, die ja im Enzkreis auschließlich im Ehrenamt tätig sind und in Pforzheim bei den vielen Einsätzen die Berufsfeuerwehr unterstützen. Auch bei der Polizei mussten die Streifen zuletzt mehr nach Flutschäden als nach anderen Dingen Ausschau halten.

Die Wetterprognosen sehen gut aus. Die Sonne soll scheinen, der große Regen ausbleiben. Für viele Menschen in der Region ist das aber nur ein kleiner Trost. Etliche von ihnen sind wohl das ganze Wochenende damit beschäftigt, die Folgen der Fluten zu beseitigen, Schäden zu beheben und dabei zu hoffen, dass die Nässe keine bleibenden und damit noch teurere Schäden hinterlassen wird. So war zum Beispiel die Innenstadt von Calw heute Vormittag wegen Aufräumarbeiten immer noch gesperrt.