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Jede Menge Vögel halten sich im kommunalen Neulinger Taubenhaus am Ortsrand von Göbrichen auf. Dort betreut Roland Rogers die Tiere. Der kommunale Taubenbeauftragte berichtete jüngst über das Projekt, das von ihm betreut wird. Foto: Marx
Jede Menge Vögel halten sich im kommunalen Neulinger Taubenhaus am Ortsrand von Göbrichen auf. Dort betreut Roland Rogers die Tiere. Der kommunale Taubenbeauftragte berichtete jüngst über das Projekt, das von ihm betreut wird. Foto: Marx
01.02.2019

Das sagt der Landestierschutzverband zum umstrittenen Taubenhauskonzept

Enzkreis/Neulingen/Keltern. Nun hat der Landestierschutzverband Stellung zu besonderen Refugien für Tauben genommen. Experten weisen darauf hin, dass fürs Einfangen der Vögel eine Genehmigung notwendig ist.

Keltern hat trotz Taubenhaus ein ordentliches Problem mit diesen Vögeln in Dietlingen und Ellmendingen (PZ berichtete). Die Redaktion hatte daraufhin den ursprünglich in Keltern tätigen Taubenexperten Roland Rogers aus Göbrichen befragt und auch die vormaligen, ehrenamtlichen Taubenbeauftragten zu Wort kommen lassen. Bei Letzteren, aber auch in der Leserschaft wurde der Vorwurf geäußert, die Taubenhauskonzeption weise strukturelle Schwächen auf und könne – wenn überhaupt – nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen funktionieren. Weil die brisante Thematik auch Wochen nach der Veröffentlichung immer noch für Telefonanrufe und Einsendungen sorgt, hat die Redaktion den Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, Stefan Hitzler, befragt. Um es vorwegzunehmen: Hitzler teilt viele Ansichten des in Keltern kritisierten Neulinger Taubenbeauftragten Rogers, der mittlerweile auch entsprechenden Tätigkeiten in Maulbronn und Niefern-Öschelbronn nachgeht.

Taubenhäuser sind durchaus umstritten. Wie sehen das die Tierschützer im Land? Betreute Taubenschläge sind laut Hitzler der einzig sinnvolle Weg, um Probleme zwischen Mitbürgern und Stadttauben langfristig tierschutzgerecht zu lösen. Durch Taubenschläge oder -häuser und eine tiergerechte Fütterung würden die Stadttauben an einen für sie sicheren Ort gewöhnt. Sie hielten sich vorwiegend dort oder in der Nähe auf, brüteten dort und man könne die Gehege ohne Probleme durch Ei-Attrappen austauschen. Somit reduziere sich die Taubenpopulation langsam und ohne Tierleid. Im Zusammenhang mit Taubenrefugien ist immer wieder vom Augsburger Modell die Rede. Auch der Neulinger Taubenbeauftragte Rogers propagiert dieses Modell in seinen Vorträgen. Beim Blick ins Internet wird allerdings auch deutlich, dass das Modell nicht nur Freunde hat, sondern umstritten ist. Das Augsburger Modell, so Hitzler, baue auf den bereits zuvor genannten Prinzipien auf und werde vom Landestierschutzverband und seinem Dachverband, dem deutschen Tierschutzbund, befürwortet und ausdrücklich empfohlen. Betreute Taubenschläge mit Eieraustausch und kontrollierter Fütterung führten langfristig zu einer tierschutzkonformen Bestandsreduktion und gesunden Stadttaubenpopulationen.

In Keltern sollten ursprünglich Bürger Fallen bei der Verwaltung ausleihen können, um in Eigenregie Vögel zur Ansiedlung im Taubenhaus zu fangen. Das fanden Leser und auch Experten nicht gut und verwiesen auf die Rechtslage. Die Sichtweise des Landestierschutzverbandes ist eindeutig: „Zum Einfangen von Vögeln benötigt man eine Ausnahmegenehmigung nach Bundesartenschutzverordnung. Das Ausleihen von Vogelfallen an jedermann ist folglich rechtlich nicht zulässig“, sagt Hitzler.

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