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Silke Koch vom THW zieht eine Probe nach der anderen von dem Wasser, das die Laster für den Hochbehälter anliefern.  Foto: Meyer 
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Christoph Ringwald, Gruppenführer des THW aus Tübingen, überprüft die Zuleitung in den Hochbehälter.  Foto: Meyer 
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Bürgermeister Michael Seiß (links) schildert dem PZ-Kollegen Ralf Steinert aus sicherer Entfernung und vor Ort die Friolzheimer Trinkwasserprobleme.  Foto: Meyer 

Defekte Pumpen und Rohrbrüche: Drei Tage ringt Friolzheim ums Trinkwasser

Friolzheim/Wimsheim/Heimsheim. Eine ganze Reihe von Pannen haben die Gemeinde auf den Kopf gestellt. Wasser musste abgekocht werden. Am Freitagnachmittag war dann eine Lösung in Sicht: Der Bodenseeverband zweigt eine Wasserleitung ab.

Friolzheim hat ein findiges System für die Versorgung mit Trinkwasser. Fast die ganze Wassermenge wird aus der Tiefe vom Eichbrunnen nahe dem Seehaus-Kreisel ans andere Ortsende auf den höchsten Punkt in der Gemeinde gepumpt. Vom Hochbehälter, unweit des einstigen US-Funkmastens im Wohngebiet Geissberg, kommt das Wasser runter in die Haushalte. Doch seit drei Tagen ist auf einmal alles anders. Ein riesiges Problem stellt die Kommune auf den Kopf.

Pumpen werden zum Problemfall

„Seit Mittwochabend mussten wir eine Hiobsbotschaft nach der anderen verdauen“, sagt Friolzheims Bürgermeister Michael Seiß. Ausgangspunkt ist der Tiefbrunnen: Die Pumpe, die überholt werden soll, gibt den Geist auf, das Ersatzgerät stürzt in die Tiefe, dabei verletzt sich ein Arbeiter. Bei der Reparatur wird im Schacht massiv Sedimentmaterial aufgewirbelt, das Wasser ist nicht mehr klar.

„Und dann erreicht unsere dritte und letzte Pumpe nur noch zehn Prozent ihrer Pumpleistung“, seufzt Seiß. Und das ist noch nicht alles: Hinzu kommen ausgerechnet zu dieser Zeit auch noch insgesamt sieben Wasserrohrbrüche in Friolzheim. Tatkräftig setzen seither die Mitarbeiter der Gemeinde, die Bürgermeister der Nachbarorte, Spezialkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus Tübingen und die Feuerwehren aus der Gemeinde und der Umgebung alle Hebel in Bewegung, um mit Tanklastern den Hochbehälter aufzufüllen.

Keine Keime im Wasser

„Es gibt zwar zu keinem Zeitpunkt Keime im Wasser“, sagt Rathauschef Seiß. Aufgrund technischer Vorschriften des Gesundheitsamts gehen die Litermengen jedoch nicht als Trinkwasserqualität durch. „Das wird laut Gesetz wie Brauchwasser betrachtet“, so Seiß. Über Durchsagen, Hinweise im Internet und die Warn-App Nina fordert das Rathaus die Einwohner deshalb auf, das Wasser aus den Hähnen vorsichtshalber mindestens drei Minuten lang abzukochen. Babynahrung solle mit abgepacktem, gekauftem Wasser zubereitet werden. Da zurzeit in der Corona-Krise weiter viele Bürger zu Hause bleiben und das kostbare Nass knapp ist, gibt die Rathausverwaltung die Devise aus: Wasser zu sparen – „so viel, wie nur irgendwie möglich“.

Am Freitag sind alle Lecks gestopft

Am Freitagnachmittag hellt sich für Bürgermeister Seiß der Himmel wieder auf: „Dem Bauhof ist es gelungen, alle Lecks in den gebrochenen Rohren im Ort zu stopfen.“ Aber die wichtigste Nachricht erhält er von der Bodenseewasserversorgung. „Der Verband liefert uns über eine Abzweigung von einer Leitung in der Nähe richtig viel Trinkwasser“, atmet das Gemeindeoberhaupt auf. Das sei eine Lösung, die mehrere Wochen lang die reguläre Versorgung in Friolzheim sicherstellt. Und wenn alles funktioniert, könne Friolzheim bereits an diesem Samstag „wieder die normale Menge Wasser ausgeben“.