nach oben
22.09.2009

Den Trauben ist es fast zu warm

ENZKREIS. Die lauen Nächte sind das Einzige, was den Winzern noch Kopfzerbrechen bereitet. Doch ob im badischen oder im württembergischen Teil des Enzkreises: die Weingärtner freuen sich über gesundes, reifes Lesegut.

Claus Bischoff, Öko-Winzer aus Dietlingen, erntete am Dienstag Weißburgunder-Trauben. Bei einem Mostgewicht von 92 Grad Oechsle ist ihm das Risiko zu groß, noch länger zu warten. Die Beerenhäute sind weich, „da platzen die bei dem Dampf und der Wärme schnell“, sagt Bischoff.

Bei den Weißen will auch Volker Seemann, der Vorsitzende der Ellmendinger Winzergenossenschaft, nicht mehr allzu lange zuwarten. Am Samstag beginnt er die Lese mit Müller-Thurgau. Denn: „Wenn beim Weißen das Mostgewicht zu hoch wird, gibt es Probleme mit der Säure.“ Die verschwindet dann nämlich und an frische Weißweine ist nicht mehr zu denken.

Mancher Winzer pokert noch

Die Ruhe weg hat ganz offensichtlich Winzer Christian Häussermann in Diefenbach. Bei ihm beginnt die Lese am kommenden Montag mit Acolon, Müller-Thurgau und Portugieser. Grundsätzlich würde Häussermann die Trauben sogar noch etwas länger hängen lassen: „Dazu müsste es nachts aber doch ein bisschen kühler sein.“ Die Winzer wissen, dass die aktuelle Wetterlage nur zu schnell dazu führen kann, dass die reifen Trauben anfangen zu faulen.

Eine Ortschaft weiter erntete Sebastian Zaiß gestern Frühburgunder mit 96 Grad Oechsle. Auch er würde die Lese gerne noch ein wenig hinauszögern, ordnet den Wunsch aber wie seine Kollegen wegen des Wetters als „ein bisschen problematisch“ ein. So wird die Lese wohl auch bei Zaiß ihren Lauf nehmen und Mitte Oktober mit Lemberger oder der Neuzüchtung Cabernet Cubin beendet werden. Und bis dahin wird sich Zaiß auch überlegen, ob er es riskiert, Trauben weiter reifen zu lassen für eine edelsüße Spezialität. Vergangenes Jahr hat ihm da übrigens nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht – sondern die Wildschweine: „Die haben die zuckersüßen Trauben einfach weggefressen.“