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Sabine Zeitler (Terre des femmes Städtegruppe Pforzheim Enzkreis), Diana Sebastian (Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Enzkreis), Kinga Golomb (Gleichstellungsbeauftragte Enzkreis), Gisela Davis (Bezirksverein für soziale Rechtspflege), Tanja Göldner (Ökumenisches Frauenhaus & Fachstelle häusliche Gewalt Pforzheim/Enzkreis), Sigrid Kleer-Geib (Pro Familia Pforzheim), Antonia Walch (Bürgermeisterin Sternenfels) zeigen stolz die Flagge und setzen damit ein Zeichen.  Foto: Joos, Enzkreis 

Der Enzkreis zeigt Flagge und setzt ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Sternenfels/Enzkreis. „Frei leben ohne Gewalt“: Dieses Motto weht im Enzkreis jedes Jahr von einem Fahnenmast. Dieses Mal in Sternenfels. Der Einsatz gegen Gewalt an Frauen hat aktuell weiter an Bedeutung gewonnen. Hilfestellen verzeichnen nämlich eine Zunahme an häuslicher Gewalt.

Pünktlich zum „Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November hat die Sternenfelser Bürgermeisterin Antonia Walch die „Frei leben ohne Gewalt“-Fahne gehisst, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft keinen Platz hat. Die Fahnenaktion hat im Enzkreis inzwischen eine lange Tradition – sie weht auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten zum Aktionstag seit 2003 jährlich immer in einer anderen Enzkreis-Gemeinde.

Dies geht zurück auf eine Aktion des Vereins „Terre des femmes“, der es sich seit 40 Jahren zur Aufgabe gemacht hat, sich für ein freies Leben ohne Gewalt einzusetzen. „Unsere Fahnen wehen deswegen heute nicht nur im Enzkreis, sondern an vielen Orten in Deutschland und auf der Welt“, erklärt Sabine Zeitler, Koordinatorin der „Terre des femmes“-Städtegruppe Pforzheim Enzkreis.

Ursprünglich sollte die Fahnenaktion in eine Abendveranstaltung samt Vortrag zum Thema „Stalking - Wenn aus Zuneigung eine Straftat wird“ münden, bei der sich auch alle Kooperationspartnerinnen aus dem Hilfe-Netzwerk vorstellen wollten. Der Vortrag soll nun im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt werden.

Ein weiterer Baustein im lokalen Hilfenetz ist auch der Verein für soziale Rechtspflege, der unter anderem „Trainings contra Gewalt“ für Täter und Tatgeneigte anbietet. Die Fachbereichsleiterin für Gewaltprävention des Vereins, Gisela Davis, konnte während der Pandemie beobachten, wie die Anmeldezahlen in den angebotenen Kursen stiegen.

Ähnliche Beobachtungen von vermehrten Gewaltvorfällen machte auch die Leiterin der Fachstelle Häusliche Gewalt des Ökumenischen Frauenhauses Pforzheim Enzkreis, Tanja Göldner: „Die Gewalttaten sind gestiegen, aber die Frauen kamen lange nicht bei uns in der Beratung an. Viel zu groß war die Kontrolle von Partnern in den Lockdown-Monaten“. Das berichtet auch Sigrid Kleer-Geib von der Pro familia. „In unserer Beratungsarbeit mit Schwangeren, Müttern und Familien sind wir immer wieder mit Betroffenen und diesem Thema konfrontiert“ erklärt sie. „Wir müssen zeigen, dass es Hilfs- und Beratungsstellen gibt, und vor allem müssen wir klarmachen, dass nichts und niemand das Recht hat, gegenüber einem anderen Menschen gewalttätig zu werden“, sind sich alle Beteiligten einig.