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Der Wildtierbeauftragte Bernhard Brenneis (links) hält seinen Wolf-Vortrag auf Einladung von und Karl-Heinz Ruff (rechts) vom Sportfreunde-Forum. Foto: Zoller
Der Wildtierbeauftragte Bernhard Brenneis (links) hält seinen Wolf-Vortrag auf Einladung von und Karl-Heinz Ruff (rechts) vom Sportfreunde-Forum. Foto: Zoller
14.02.2019

Der Wolf bleibt brisantes Thema

Dobel. Für das Sportfreunde-Forum in Dobel hat Karl-Heinz Ruff am Donnerstag Bernhard Brenneis begrüßt. Der aktive Revierleiter von Dobel-Eschbach und Wildtierbeauftragter des Enzkreises kam als Referent zum Thema „Wolf im Nordschwarzwald“.

Dass dieses Thema Gemüter bewegt, beweist Ruff durch einen dicken Stapel an Medienberichten. Um die „Dinge ins richtige Maß zu setzen“, sei eine hohe Sensibilität gefragt und eine „verbale Abrüstung“ von Nöten.

Brenneis informierte in einem knapp zweistündigen Vortrag sachlich und fokussiert. Er erläuterte rechtliche Grundlagen, aktuelle Populationen, wissenschaftliches Monitoring und den Umgang mit einem Wildtier, das keinem Jagdrecht unterliegt. Denn nach nationalem und internationalem Recht handelt es sich beim Wolf um eine streng geschützte Art.

Die Rückkehr des Wolfes bedroht Weidetiere, weil sich das Raubtier angepasst hat. Brenneis berichtet zudem, dass sich Wanderer Sorgen machen vom Sommerberg zur Grünhütte zu laufen, und auch eine Frau aus Dobel fühle sich wohler, wenn sie beim Joggen von einer zweiten Person begleitet wird.

Das Thema ist komplex. Es betrifft Politik, Jagd und Landwirtschaft ebenso sowie Naturschutz und Tourismus. Für einen Spaziergang im Naherholungsgebiet Dobel hat Alt-Bürgermeister Gerhard Westenberger keinerlei Bedenken, da der Wolf „im Grunde kein Freund von Menschen“ sei. Doch eine eindeutige Lösung für den Umgang mit dem Wildtier gibt es bislang nicht.

Auch wenn im vergangenen Jahr nur zwei sicher bestätige Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet wurden – der Wolf werde sich vermehren. „Das liegt in der Dynamik der Natur“, so Brenneis, der die Population mit einem überlaufenden Fass vergleicht. Weil der Wolf in Mitteleuropa nicht mehr gejagt werde, suchen sich Jungtiere neue Reviere. Aus Estland, Polen, den Abruzzen und der Schweiz kommend bewältigen sie große Strecken. Untersuchungen belegten, dass es etwa zwei Jahre dauere, bis mit einer Rudelbildung zu rechnen sei.

Noch ist die Zahl der Wölfe in der Region gering, und der Schaden hält sich in Grenzen. Reh, Rotwild, Damwild und Wildschwein bieten ein reichhaltiges Angebot – wobei der Wolf den Wald „nicht leer frisst“, wie Brenneis erläutert. Jährlich würden mehr Rehe überfahren als vom Wolf gerissen. Allerdings sei die Anpassungsfähigkeit des Wolfes zu berücksichtigen. Der Sommer 2018 habe gezeigt, dass der Nahrungsopportunist Schafe als leichte Beute ausgemacht hat. Schafe und Ziegen beweiden die Kulturlandschaften des Nordschwarzwalds. Explizit dort bedroht der Wolf die Weidetiere, die für den Naturschutz wichtigen Flächen zur Offenhaltung begrasen. Um die Tiere zu schützen müssen seit 1. Mai die Zäune für die Herden nicht nur aus- sondern einbruchssicher sein.

Um Wildriss zu vermeiden, machte ein Zuhörer den Vorschlag, Wölfe anzufüttern. Das wurde von Brenneis als schlechte Lösung abgetan: „Wer Wölfe anfüttert, gewöhnt das Tier an den Menschen – und das birgt neue Gefahren.“ In der Regel mieden Wölfe den Menschen. Gefahr besteht dann, wenn sich das Tier in die Enge gedrängt fühle.

Dass sich der Wolf vermehrt, erfordert laut Brenneis ein zielführendes Handeln und länderübergreifendes Konzept, um in Zukunft dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und der Landwirtschaft Rechnung zu tragen.