nach oben
14.02.2016

Der Zerstörung entkommene Unterlagen bereichern Heimsheims Geschichte

HEIMSHEIM/ENZKREIS. Heimsheims Bürgermeister Jürgen Troll staunte, als ihm Bernhard Fuchs historische Dokumente aus den Jahren 1633 bis 1833 in die Hand drückte. Der Heimsheimer Bürger hatte die Stücke aus dem Nachlass seiner Tante Helene Völmle erhalten. Die Dokumente sind für das kriegsgebeutelte Stadtarchiv eine wertvolle Ergänzung.

Streit mit Nachbargemeinden

Bei der Zerstörung der Stadt 1945 war das alte Rathaus und mit ihm der Großteil der Akten in Flammen aufgegangen. Der 2004 vom Kreisarchiv geordnete Bestand umfasst zwar einige Dokumente, die aus der Zeit vor 1945 stammen, doch nichts vor dem Jahr 1831. Das älteste der „neuen alten“ Dokumente ist ein Taufschein für Dorothea Götz aus Kollbrunn bei Winterthur, die als Wirtschaftsflüchtling nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Württemberg kam. Sie heiratete 1665 den Heimsheimer Michel Rieder – im Ehebuch ist ihr Geburtsort als „Gollbronn“ eingetragen, wie Kreisarchivar Konstantin Huber berichtet; ihm hatte die Stadt die Papiere zur Begutachtung übergeben.

Gleich mehrere Schriftstücke betreffen Streitigkeiten Heimsheims mit den Nachbargemeinden Hausen, Mühlhausen und Tiefenbronn über Steinbrüche oder den Einzug von Steuern und Wegegeld. Dazu gehören zwei Verträge von 1683 und von 1744. Ein Schiedsspruch der aus dem Haus Thurn und Taxis gebürtigen Herzogin-Witwe Maria Augusta von Württemberg entschied 1744 über Streitpunkte mit der noch jungen Waldensersiedlung Perouse.

Warum sind die Stücke erhalten geblieben? Helene Völmle war eine Tochter des Heimsheimer Stadtschultheißen Otto Völmle. Der Amtsvorvorgänger von Jürgen Troll amtierte fast vierzig Jahre in der Schleglerstadt, von 1904 bis 1941. „Völmle beschäftigte sich intensiv mit Heimatkunde“, weiß Kreisarchivar Huber. Unter anderem stammt die gedruckte Aufsatzsammlung „Chronik der Gemeinde Heimsheim“ von ihm. Völmle müsse die Dokumente wohl den städtischen Archivbeständen entnommen und dann nicht wieder integriert haben, vermutet Huber. enz