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Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Kinder- und Jugendhelfer im Kreis Calw verändert. Einige bedrohte Kinder wurden in den vergangenen Wochen aus den Familien geholt.  Foto: dpa-Archiv 

Die Gefahr lauert in der Familie: Jugendhilfe im Kreis Calw stößt durch Corona an ihre Grenzen

Kreis Calw. Wie funktioniert Jugendhilfe in Zeiten von Corona? Die Antwort: Äußerst anstrengend und kompliziert. Auf diesen Nenner lassen sich die Ausführungen von Georg Pfeiffer, dem Leiter der Jugendhilfe im Landratsamt Calw, vor dem Jugendhilfeausschuss des Kreises bringen. „Wir haben während der Pandemie alle Fälle aus der Schublade geholt und geprüft, wo wir gefährdete Kinder aus den Familien heraus holen mussten und wo nicht.“

Ein „Riesen-Druck“ sei entstanden und man habe sogar teilweise ohne Schutz kurz in Häuser gehen müssen. Wir standen auch vor der schwierigen Entscheidung, wie wir mit Neuaufnahmen in Gruppen umgehen sollten, ohne eben diese Gruppen zu infizieren“, gab Pfeiffer den Kreisräten Einblicke in die knifflige Arbeit seiner Kollegen. Zusammen mit dem Nachbar-Landkreis Freudenstadt habe man dann ein Konzept entwickelt mit einer isolierten Gruppe für neu aufzunehmende Jugendliche in Ebhausen (Kreis Calw), die nach zwei Wochen in Regelgruppen integriert wurden.

Was bundesweit zu beobachten ist, macht auch vor dem Landkreis Calw nicht halt. „Die sexuelle Gewalt an Minderjährigen und die Pädophilie nimmt seit zwei Jahren zu“, berichtete Pfeiffer. Die zeitlich lange Schließung von Kindergärten und Schulen sorge zudem für „gefährliche Situationen“ zuhause, weil die außerhalb vorhandenen Ansprechpartner fehlten. Die Prognose des Amtsleiters: „Wir rechnen bei der Rückkehr in die Bildungseinrichtungen mit Verhaltens-Auffälligkeiten.“ Landrat Helmut Riegger drückte es noch drastischer aus: „Ich kann nur den Kopf schütteln, was in manchen Familien abgeht.“

Pfeiffer gab zudem einen statistischen Rückblick, wobei er darauf hinwies, dass weitere festangestellte, aber auch auf Honorarbasis wirkende Arbeitskräfte in der Jugendhilfe dringend benötigt würden, insbesondere in Bad Wildbad. Bei der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien habe man 2019 mit 141 Personen einen „historischen Höchststand“ erreicht und damit die Zahl 141 von 2014 überboten. Dagegen seien die Fallzahlen in der Tagespflege erstmals seit zehn Jahren wieder gesunken: von 493 auf 393.

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