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Viel Spaß haben die Jugendlichen seit Jahrzehnten beim traditionellen Zeltlager des Förderkreises Jugendhaus Bad Wildbad in Aichelberg (hier ein Foto aus dem Jahr 2018). In diesem Jahr kann die Veranstaltung nicht stattfinden. Doch der Kreis macht mehr Geld für Tagesfreizeiten locker. Foto: Biesinger/Archiv 

Die Jugend soll aufatmen: Landkreis Calw erhöht kurzfristig Zuschüsse für Freizeiten

Kreis Calw. „Bei der Förderung von Ferienfreizeiten ist der Landkreis Calw in ganz Baden-Württemberg weit vorne“, sagt Wolfgang Borkenstein. Er muss es wissen. Schließlich ist er nicht nur Kreisjugendreferent, sondern auch Vorsitzender des Landesjugendrings. Doch es kommt noch besser: Der Kreis will kurzfristig und corona-bedingt seine Zuschüsse für Tagesfreizeiten sogar erhöhen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Landratsamt bekannt. Auch was die Bürokratie angeht, macht es der Landkreis Calw kirchlichen Einrichtungen, Jugendfeuerwehren, Sportvereinen, Jugendhäusern sowie anderen Verbänden und Vereinen recht einfach, um den Geldhahn aufzudrehen. „Die Maßnahmen müssen nicht zuvor beantragt und genehmigt werden, anders als es der Landesjugendring vorsieht, sondern können hinterher abgerechnet werden,“ erläuterte Borkenstein. Der Fördertopf ist jedenfalls prall gefüllt mit jährlich 110 000 Euro. Noch nicht einmal alles Geld wurde abgerufen. So wurden 2017 exakt 99.500 Euro bewilligt, in den beiden Folgejahren wurden 104.500 und 96.500 Euro überwiesen.

Für Freizeiten und Zeltlager macht der Kreis Calw pro Teilnehmer und Tag 2,50 Euro und für jeden Betreuer pro Tag acht Euro locker. Für Schulungen gibt es acht Euro je Person und Tag, wenn das Programm mindestens fünf Stunden dauert. Ferner werden Stadtranderholungen mit einem Euro pro Teilnehmer und Tag und vier Euro für jeden Betreuer unterstützt.

Weil laut Borkenstein „Ostern und Pfingsten ausgefallen sind, der Sommer aber stattfinden soll, nachdem Freizeiten bis zu 100 Personen unter Auflagen wieder möglich sind“, ist vorgesehen, die Sätze nach oben anzupassen und die Vorgaben zu erleichtern.

Roland Roller wies als Vertreter der Offenen Jugendarbeit in Bad Wildbad darauf hin, dass das traditionelle Zeltlager im Stadtteil Aichelberg wegen der langen Vorlaufzeit leider ausfallen müsse (die PZ hat berichtet). Dafür solle es dann möglichst mehr Geld für Tagesfreizeiten und Schulungen geben.

Landrat Helmut Riegger fackelte nicht lange und versprach: „Da finden wir eine Lösung. Wir sind flexibel. Wir werden nächste Woche eine coronabedingte Sonderregelung erlassen.“ Denn für den Kreischef steht fest: „Solche Freizeiten zu unterstützen ist die beste Jugendförderung.“ Und Wolfgang Borkenstein ist überzeugt: „In den nächsten Jahren wird eine Steigerung bei den Anträgen für Schulungsmaßnahmen zu verzeichnen sein.“

Klausurtagung geplant

Eine Klausurtagung des Jugendhilfeausschuss (JHA) im Calwer Kreistag soll die Jugendarbeit voranbringen. Ein entsprechender Antrag der Freien Wählervereinigung (FWV) fand allseits Zustimmung, ohne dass darüber förmlich abgestimmt wurde. Dabei geht es, laut Kreisrätin Rita Locher (Bad Wildbad) darum, dass die Mitglieder des Ausschusses nicht nur „möglichst schnell einen Überblick über die bisherige Arbeit und Arbeitsweise des JHA“ erhalten, sondern vor allem auch um die Aufforderung an die Kreisverwaltung, „Maßnahmen aufzuzeigen, die vom Landratsamt beziehungsweise den Kommunen umgesetzt werden.“ Die zukünftige Ausrichtung der Arbeit müsse sich zudem an aktuellen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Fragen orientieren. Locher gab der Verwaltung einige Hausaufgaben mit auf den Weg, unter anderem den Wunsch nach einer Info-Mappe.

Jochen Borg (CDU, Bad Wildbad), unterstützte genauso den Antrag wie Lothar Kante (SPD) aus Althengstett und Erich Grießhaber (Grüne) aus Bad Liebenzell. Dabei sattelten Kante und Grießhaber noch einiges drauf. Kante: „Wir als Ausschuss haben auch einen Gestaltungsauftrag und sollten uns auch stärker als bisher planerisch einbringen.“ Grießhaber: „Wir müssen noch mehr präventiv arbeiten.“ Landrat Helmut Riegger kündigte an, dass die Klausurtagung an einem Montagnachmittag vier bis fünf Stunden lang außerhalb des Landratsamtes stattfinden solle.

Der Landrat ging von sich aus außerdem auf einen bereits behandelten und angenommenen SPD-Antrag ein, der eine Stärkung der Jugendarbeit im Kreis bewirken soll und eine dritte JHA-Sitzung innerhalb eines Jahres vorsieht. Diese wird jeweils in einer Einrichtung der Jugendarbeit stattfinden.