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Ein Gutachten des Regionalverbandes kommt zu dem Schluss, dass viel Kaufkraft aus dem Enzkreis abfließt. Davon profitieren beispielsweise Einkaufsstandorte in Stuttgart (im Bild ein Kaufhaus an der Königstraße), Karlsruhe oder Bretten. Foto: DPA-Archiv
Ein Gutachten des Regionalverbandes kommt zu dem Schluss, dass viel Kaufkraft aus dem Enzkreis abfließt. Davon profitieren beispielsweise Einkaufsstandorte in Stuttgart (im Bild ein Kaufhaus an der Königstraße), Karlsruhe oder Bretten. Foto: DPA-Archiv
09.12.2015

Die Konkurrenz ist groß: Region hat es gegenüber anderen schwer

Nordschwarzwald. Aus dem Nordschwarzwald fließt zu viel Kaufkraft in andere Regionen ab. Das geht aus einem Einzelhandelskonzept hervor, das von der Aalener imakomm-Akademie im Auftrag des Regionalverbandes erstellt und gestern im regionalen Planungsausschuss in Pfalzgrafenweiler (Kreis Freudenstadt) präsentiert wurde. „Der Süden ist stärker als der Norden“, sagte Matthias Prüller, der die Geschäftsfelder Markt- und Standortanalysen des Unternehmens leitet. Das bedeutet: Aus den Randbereichen im Norden sowie aus dem Osten des Enzkreises schwirren die Konsumenten viel zu oft in die Richtungen Karlsruhe/Bretten oder Stuttgart aus, um wichtige Einkäufe zu tätigen. Der Kreis Freudenstadt im Süden kennt dieses Problem dagegen weniger.

Die Firma imakomm, die statistische Kurzprofile für alle 70 Städte und Gemeinden des Nordschwarzwaldes erstellt und die Kaufkraft ermittelt hat, spricht sich eindeutig dafür aus, so Prüller, „die vorhandenen Ansiedlungspotenziale in den Ortszentren“ auszuschöpfen. Sie hat einen solchen Bedarf an zusätzlichen Einzelhandelsflächen von 55 000 Quadratmetern bis zum Jahr 2025 für die gesamte Region ermittelt. Auch die Leerstände seien „zum Teil sehr hoch.“

Das Gutachten nimmt vor allem das Oberzentrum Pforzheim ins Visier. „Während in Pforzheim im Bereich der Nahversorgung noch Ansiedlungspotenziale bestehen, sind diese in den Mittel- und Unterzentren nur noch vereinzelt vorhanden.“ Mittelzentren sind Mühlacker, Bad Wildbad, Nagold, Freudenstadt und Horb. Berücksichtigt werden müsse auch die zunehmende Bedeutung des Online-Handels, warnte Prüller. Hinzu komme das negative Pendlersaldo für die gesamte Region. Das Thema Online-Bestellungen spielte auch in der kurzen Diskussion eine Rolle, die im Frühjahr 2016 noch intensiviert werden soll. „Wir brauchen Anregungen“, forderte der frühere Nagolder Oberbürgermeister Rainer Prewo (SPD). Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Regionalverband und Mühlacker Stadtrat Günter Bächele ist es wichtig, „dass ein Unternehmen wie Schrammel in Enzberg nicht aushungert. Es braucht Entwicklungsmöglichkeiten.“ Kritik übte Hans Vester (SPD), Kommunalpolitiker aus Straubenhardt, an Pforzheim: „Die Verkehrsanbindungen in Richtung Oberzentrum bleiben außer Acht. Die Parkmöglichkeiten sind schlecht und die Stadt will gar nicht, dass man mit dem Auto dorthin fährt.“