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In Kapfenhardt fest verwurzelt ist das Diamanthochzeitspaar Helma und Gerhard Thiel – hier mit Bürgermeister Carsten Lachenauer als Gratulant. Foto: Recklies
In Kapfenhardt fest verwurzelt ist das Diamanthochzeitspaar Helma und Gerhard Thiel – hier mit Bürgermeister Carsten Lachenauer als Gratulant. Foto: Recklies
10.03.2016

Die Liebe begann Tür an Tür: Diamantenhochzeit für Unterreichenbacher Ehepaar

„Meine Frau sagt immer, wir hätten unseren Hochzeitstag erst am 10. März, sagt Gerhard Thiel aus dem Unterreichenbacher Teilort Kapfenhardt schmunzelnd. Für ihn ist es eher der 9. März. Die unterschiedliche Auffassung kommt nicht von ungefähr: Das Ja-Wort gaben sich Helma Thiel, geborene Hauff, und ihr aus Stettin stammender Mann am 9. März 1956 im alten Kapfenhardter Rathaus. Kirchlich und damit feierlicher wurde einen Tag später in der Kapfenhardter Kirche geheiratet.

Und somit wird und wurde bei Familie Thiel an der Rathausstraße auch zwei Tage die diamanten Hochzeit gefeiert. Am Mittwoch gab sich dazu Bürgermeister Carsten Lachenauer die Ehre, am Donnerstag erwartet das Ehepaar den neuen Unterreichenbacher Pfarrer zu Besuch.

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs haben Helma und Gerhard Thiel zusammengebracht. Im Zuge der Flucht und Vertreibung aus Stettin kam der 1933 geborene Gerhard Thiel Ende der 1940er-Jahre auf Umwegen nach Kapfenhardt: über Stralsund, Ostfriesland und das Ruhrgebiet. Kapfenhardt wurde seine neue Heimat nicht zuletzt, weil ein Onkel als Papiermacher in der Dillweißensteiner Papierfabrik arbeitete.

Zunächst hauste er in einem kleinen Zimmer. „Es war eher eine Abstellkammer“, erinnert sich Thiel. Aber er wohnte damit just im Haus gegenüber seiner heutigen Frau – mit besten Möglichkeiten, um die Gunst der 1931 Geborenen zu werben. Dies gelang Gerhard Thiel, obwohl Helma Hauff damals für längere Zeit in ihrer zweiten Heimat, der Schweiz, lebte. Als sie 1954 in den Schwarzwald zurückkehrte, wurde Verlobung gefeiert, zwei Jahre später geheiratet. Die beiden Söhne des Paares wurden 1956 und 1958 geboren. Heute haben die Jubilare vier Enkelkinder und eine Urenkelin. „Nach der Hochzeit haben wir zunächst für ein halbes Jahr im Haus meines Schwiegervaters gelebt“, erzählt Gerhard Thiel, der sich noch gut daran erinnert, wie die erste eigene Wohnung bezogen wurde. 1965 ging es dann ins eigene Haus, in dem das Ehepaar bis heute lebt.

Gerhard Thiel, der von 1951 an bis zu seinem Ruhestand bei der Unterreichenbacher Firma Benzinger gearbeitet hat, war 40 Jahre lang als Kirchenpfleger aktiv, seit der Gründung in den 70er-Jahren singt er im Kapfenhardter Kirchenchor mit. Auch Helma Thiel war über viele Jahre als Sängerin dabei. Bekannt war Helma Thiel im Ort auch als die Frau für die Post. Dort war sie einst als Beamtin auf Zeit beschäftigt und betrieb später im Hause Thiel lange Jahre die Kapfenhardter Postfiliale. Zu ihrer Beschäftigung bei der Post kam sie übrigens durch einen Unglücksfall. Ihr Mann hatte mit dem Motorrad ihre Vorgängerin angefahren. Helma Thiel sprang damals schnell ein. Am Ende wurde für sie daraus eine Lebensaufgabe.