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Die Kühe im Laufhof: Auf die Weide können die Tiere auf dem Lärchenhof nicht. Dafür fehlt es auch an Flächen.  Foto: Enzkreis/Hans Hörl 
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Familienglück auf dem Lärchenhof: Landwirtschaftsmeister Heiko Schwaab und seine Frau Sarah im Stall des Betriebs in Niefern-Öschelbronn.  Foto: Enzkreis/Hans Hörl 
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Auch junge Kälbchen gibt es auf dem Hof. 180 weibliche Jungrinder sind dort zudem als Nachzucht für die Milchviehherde zu Hause.  Foto: Enzkreis/Hans Hörl 

Die Mühe mit der Milch: Familie aus Niefern-Öschelbronn versorgt fast 300 Kühe

Niefern-Öschelbronn. „Reiten, Kutsche fahren und Pferdezucht sind meine Hobbys“, sagt Landwirtschaftsmeister Heiko Schwaab. Mit seiner Lebensgefährtin Sarah hält der 28-Jährige sechs Pferde. Er sei zufrieden mit seinem Leben, so machten auch die „paar Stunden mehr“ nichts aus. Schwaab bringt es auf mehr als 3800 Arbeitsstunden im Jahr. Sein Leben, das ist der landwirtschaftliche Betrieb in Niefern-Öschelbronn mit 285 Milchkühen und 240 Hektar – ein Drittel Grünland, zwei Drittel Ackerbau. Diesen bewirtschaftet er mit seinen Eltern Christian und Franziska (beide 62). Immerhin sei ab und zu eine Auszeit drin, wenn auch nur für ein paar Stunden oder wenige Tage. „Im Kuhstall ist eine Videokamera installiert, und da schaue ich selbst aus der Ferne mal rein, ob alles in Ordnung ist.“

Außerdem sind zwei Personen in Vollzeit beschäftigt, seine Cousine und ein ehemaliger Azubi. „Arbeitskräfte zu bekommen, ist schwierig. Das gilt besonders für ausgebildetes Personal. Es darf nichts dazwischenkommen. Bei Urlaub oder im Krankheitsfall muss die Arbeit immer von den wenigen anderen Schultern getragen werden“, sagt Schwaab. Um Saison-Arbeitskräfte einzusetzen, fehle der nötige Wohnraum. Die Nähe von Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart mit einem hohen Angebot an Arbeitsplätzen erschwere die Suche nach geeigneten Mitarbeitern zusätzlich. „Arbeiten in der Landwirtschaft kann nicht jeder verrichten. Man braucht ein hohes Verantwortungsgefühl und auch mal die Bereitschaft, mehr Zeit zu investieren, wenn ein Tier oder das Wetter es fordern“, so Schwaab.

Seine Lebensgefährtin ist Groß- und Außenhandelskauffrau. „Ich gehe im landwirtschaftlichen Unternehmen auf, deshalb kehre ich meinem alten Beruf den Rücken“, sagt sie. Die Arbeit auf dem Hof habe sie nicht abgeschreckt. Ihre Eltern betreiben in Ulm einen kleinen Pferdehof und die Tiere liegen ihr am Herzen.

Gemolken wird morgens und abends jeweils ab halb fünf Uhr. Feierabend ist meist gegen 19.30 Uhr. Die Stallarbeit allein umfasst laut Schwaab fast 24 Stunden am Tag, die sich auf mehrere Arbeitskräfte verteilen. Und das, obwohl im modernen Melkstand 32 Kühe gleichzeitig gemolken werden können und ein Futtermischwagen die Arbeit erleichtert. Gehalten wird überwiegend die schwarz-bunte Rasse Holstein-Friesian, die auf Milchleistung gezüchtet ist. Neben den Milchkühen halten die Schwaabs 180 weibliche Jungrinder, die als Nachzucht für die Milchviehherde dienen. Etwa 70 Prozent der Kühe werden mit fleischbetonten Rassen künstlich befruchtet. Für ihre Kälber lässt sich dann ein höherer Preis erzielen. Für die 30 Prozent besten Kühe wird weiblich gesextes Sperma eingesetzt, sodass fast ausnahmslos weibliche Kälber geboren werden. Sie werden Milchkühe bei Schwaabs. Für Jungrinder wird ein Deckbulle eingesetzt.

Die Kühe sind zum Teil hornlos gezüchtet, zum Teil enthornt, um die Verletzungsgefahr bei Rangkämpfen untereinander und für das Personal zu vermeiden. Auf die Weide gehen die Kühe nicht. Das sei bei der großen Zahl arbeitswirtschaftlich nicht zu bewältigen. Außerdem fehle es hierfür an Weideflächen. Die Kühe sind jedoch nicht angebunden; es steht ihnen ein Laufhof mit 500 Quadratmetern zur Verfügung, auf dem sie sich bewegen können.

Das Futter der Tiere besteht aus Heu, Luzerne-, Gras- und Maissilage sowie Kraft- und Mineralfutter. Kraftfutter, das im Wesentlichen aus Getreide besteht, wird möglichst geringgehalten. Das sei besser für die Gesundheit der Kühe und den Geldbeutel des Landwirts. „Den Tierarzt brauchen wir zum Glück kaum“, freut sich Schwaab.

Die erzeugte Milch, fast drei Millionen Kilo jährlich, holt die Pforzheimer „Milchwirtschaftliche Vereinigung“ ab, an der die Schwaabs beteiligt sind. Von dort gelangt sie an das niederländische Unternehmen Campina. Die Milch wird im Werk in Heilbronn vorwiegend zu Trinkmilch, Joghurt und Sahne verarbeitet. „Der Milchpreis ist in letzter Zeit deutlich gestiegen“, sagt Schwaab. „Die ebenfalls gestiegenen Produktionskosten werden durch den höheren Auszahlungspreis jedoch leider nicht ausgeglichen.“

Einige Bedingungen machen dem Landwirt zu schaffen. Er nennt die allgemeine Diskussion über Umweltschutz sowie die Tierhaltung. Im Zuge des Ukrainekriegs erhofft er sich eine größere Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft. Spaziergänger rümpften schon mal die Nase, wenn sie einem Güllefass begegneten. Deshalb werde Gülle gezielt werktags direkt auf den Boden ausgebracht. Dadurch werde die Geruchsbelästigung verringert und der Nutzen des organischen Düngers erhöht. Angesichts explodierender Preise für Mineraldünger bei gleichzeitig mangelhafter Verfügbarkeit sei Gülle heute mehr wert denn je.

Eine Herausforderung für den Betrieb stelle auch der schnelle Wandel dar, weshalb man ständig am Ball bleiben und sich fortbilden müsse. Was die Landwirtschaft belaste, seien die sich ständig ändernden politischen Rahmenbedingungen. Hier wünscht er sich mehr Verlässlichkeit.