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Die Huchenfelder Keibelhexen haben Ortsvorsteherin Sabine Wagner vor dem Rathaus entmachtet.

Die Narren sind wieder los: Rathausstürme in Pforzheim und der Region

Pforzheim/Enzkreis/Nordschwarzwald. Ab sofort regiert der Spaß: Prinzenpaare, Kinder und andere Narren haben am Donnerstag bei Stürmen auf Rathäuser und Schulen die Zepter übernommen. Die gewohnte Ordnung tritt nun bis zum Ende der fünften Jahreszeit außer Kraft. Die PZ zeigt, wo es hoch herging.

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Narrensturm der Huchenfelder Keibelhexen

Huchenfeld

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Narrensturm in Büchenbronn

2E9J1780 Klemmer Rathaussturm
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Narren an der Macht: Klemmerland in Gräfenhausen ausgerufen

Die Huchenfelder Keibelhexen haben am Donnerstagabend traditionell Ortsvorsteherin Sabine Wagner nach allen Regeln der närrischen Kunst vor dem Rathaus entmachtet. Unter viel Musik und Lärm gab sie den Schlüssel an Oberhexe Manuel Rudorfer ab. Rund 100 Huchenfelder waren zur Zeremonie gekommen, bei der auch zwei neue Hexen getauft worden sind. 

2E9J1628Narrenbaum Stammtischstrategen
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Der Narrenbaum in Dennach steht!

Büchenbronn

Büchenbronns Ortsvorsteher Bernhard Schuler hat gegen die Übermacht der Narren der „Kohlrabiner“ im Ratssaal keine Chance und räumt bis Aschermittwoch seinen Schreibtisch. Er hat unter dem Gelächter der Gäste statt des Rathausschlüssels eine verspätet angelieferte Neujahrsbrezel an Britta Kaufmann und Lisa Alznauer (von links) übergeben. 

Enzkreis

Ersingen: Kinderprinzenpaar an der Macht

Der „schmotzige Dunnerschdich“ ist für die Ersinger Hexen ein großer Tag. Fleckenhexen und Rainwaldhexen vereinen sich im Ort, um den Kirchberg zu erstürmen und die Kinder von der Schule zu erlösen. Doch bevor es richtig losging, vereinigten sich die Hexen mit den Fastnachtern der Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“, die mit André II. und Maren I. an der Spitze zum Schauplatz gekommen waren. Der Höhepunkt war, als die Hexen zum Sturm auf das Schulgebäude bliesen, mit der Jagd auf die Lehrer begannen und schließlich alle auf den Schulhof schleppten. Jetzt war die Stunde des Kinderprinzenpaares Adrian II. und Elisa I. gekommen, endlich die Macht auf dem Kirchberg bis Aschermittwoch zu übernehmen. Rektorin Liane Schürfeld (links) konnte nur durch die Übergabe des Schulschlüssels die Freilassung ihrer Kolleginnen erreichen. 

Remchingen: Im Imker-Anzug gegen das Tribunal

Zum dritten Mal läutete Markus Gartner (links) am Donnerstagabend das Remchinger Narrentribunal zur Beratung über Unsinniges und Eigensinniges in der Kulturhalle zusammen. Als Vorwurf-Erheber: Prinzenpaar Amelie-Sophie I. und Alexander III. Müller sowie Kinderprinzenpaar Anneke I. Roser und Phil I. Preiß, die mit Brückensanierung, Bürgerbus-Haltestellen und dem Thema „Pestizidfreie Kommune“ für Zündstoff sorgten. Als Richter: Töpfleshexe Monika Foemer, Keltereck-Esel Hans-Peter Gutjahr, Bäredaifel Sara Müller, Spaßvogel Wilfried Mußgnug, Pfinztroll Fabian Müller sowie Sarah Sebastian. Auf der Anklagebank: Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (rechts) – im Imkeranzug. Wenn das mal nicht an seinen Amtsvorgänger Wolfgang Oechsle erinnerte. Die Wiedergutmachung erbrachte der seiner Schuld geständige Prayon mit dem Rathausschlüssel. 

Gräfenhausen: Klemmerland ausgerufen

Das lange Warten hat ein Ende. In Gräfenhausen sind die Narren wieder an der Macht. Pünktlich um 18.31 Uhr eroberten die Klemmer das Rathaus. Zuvor setzte sich der Faschingstross vom Bären in Bewegung und machte mit Hilfe der Auerbacher Russegugge lautstark auf sich aufmerksam. Bürgermeister Martin Steiner (rechts) erwies sich als zittrige Gestalt und ließ die Narren ohne Gegenwehr gewähren. „Em Schultes sei Zeit isch vorbei“, resignierte Steiner. „Was mit mir wird, isch euch egal“, legte er in trauriger Stimme nach. „Die Macht jetzt isch in Narrenhand“, tönte Klemmer-Präsident Harald Pfisterer und hielt seine Klageschrift gegen die Politik bereit. An Merkels „Wir schaffen das“ und anderen politischen Scharmützeln ließ er kein gutes Haar. Prinzessin Antonia I. (links) rief das Klemmerland aus und nahm den Bürgermeister gekonnt den Schlüssel ab. 

Ittersbach: Erfolgreiche Entmachtung der Obrigkeit

„Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt reden die immer von sparsamer Haushaltswirtschaft und in der Gemeindekasse sind gerade noch eine Handvoll Schokoladetaler für die Kinder, ansonsten absolute Ebbe“, schallte es über den Ittersbacher Rathausplatz. Als Strafe mussten Bürgermeister Jens Timm (rechts) und Ortsvorsteherin Heike Christmann nach Abgabe des Rathausschlüssels in den Narrenkäfig, wo sie bis Aschermittwoch bei Wasser und Brot für die Gemeindesünden büßen müssen. Mit geballter Kraft hatten in diesem Jahr die „Ittersbacher Hexen“; „Jaköblen“ und „Stöckmädlen“ zum Rathaussturm angesetzt. Die erfolgreiche Entmachtung der Obrigkeit wurde anschließend mit dem Hexentanz um ein großes Feuer unter den Klängen der „Guggugs-Gugga“ gebührend gefeiert. Danach zogen die Zunftmitglieder durch die örtliche Gastronomie. 

Dennach: Baum aufgestellt statt Sturm betrieben

„Nario Naro – der schmutzige Donnerstich is endlich do, de Narrenbom uf den mir hen so lang scho warten müsse, wollemer in d’Zukunft au nemmer misse“, verkündet der Dennacher Büttl Uwe Keller vor einer halben Hundertschaft bunt gekleideter Narren. Der Narrenbaum wurde durch die Macher des Kinderfaschingsumzugs, den Stammtischstrategen, erst zum zweiten Mal aufgestellt und ersetzt den ehemaligen Rathaussturm. Unter dem Motto: „Worum plogen“ wurde der sieben Meter hohe Kiefernstamm aufgestellt. Er ist mit Lumpen und einer auf der Spitze thronenden Hexe geschmückt. Zur Freude über die erfolgreiche Aufstellung hat Ortsvorsteher Alexander Pfeiffer mit dem errungenen Hexenbesen gleich eine Ehrenrunde um den Narrenbaum absolviert.  

Neuhausen: 200 Feierwütige unterstützen Hau-Hu

Selbst zur Faschingszeit konnte Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz (links) nicht anders, als an die Umweltsünder zu appellieren, ihren Unrat nicht in Wald und Flur zu entsorgen. Dann flogen die Hundekotbeutel und die traditionelle Schlüsselübergabe war vollbracht. Noch bis zum Aschermittwoch sind Mitglieder des örtlichen Faschingsvereins Hau-Hu die Herren im Rathaus, sogar die Öffnungszeiten wurden zugunsten der Narren vorübergehend geändert. Korz selbst war nicht in der gelben Weste, sondern in der orangefarbenen Bauarbeiterkluft erschienen. Rund 200 Feierwütige stürmten am Donnerstag den Rathausplatz, das „Herzbeben“ von Helene Fischer verursachte durchaus ein Partybeben in der Ortsmitte. Auf ein dreifaches „Hu-Hau“ folgte eine nicht minder schmetterndes „Schell-Auf“ des Narrenbundes aus Schellbronn. 

Nordschwarzwald

Bad Wildbad

Frauen an die Macht: Seit Donnerstag haben im Bad Wildbader Rathaus wieder die Weiber das Sagen. Pünktlich um 11.11 Uhr stürmten die närrischen Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung als Putzfrauen verkleidet das Dienstzimmer von Bürgermeister Klaus Mack und ließen die Herren der Schöpfung erst mal niederknien.

Die Männer ertrugen die Schmach tapfer und machten gute Miene zum bösen Spiel. Schnippschnapp – und ab waren die Krawatten. Zumindest für ein paar Stunden führten die Frauen die Rathausgeschäfte bei Faschingskrapfen, Waldmeisterbrause und Sekt.

Die Bad Wildbader Rathaus-Männer mussten ganz schön Federn lassen: (von links) Alexander Rabsteyn, Martin Reimer, Erik Beckmann, Klaus Mack, Volkhard Leetz und Jochen Borg. In Kittelschürze und mit Kopftuch schwangen die Rathaus-Weiber die „eiserne Klobürste“. Foto: Biesinger

Verleihung der Goldenen Bürste

„Putzen Sie mal ordentlich durch hier“, traute sich der Rathauschef tatsächlich zu fordern. Wen wundert es, dass dieser fromme Wunsch bei den Damen auf wenig Gegenliebe stieß. Zwar ausgestattet mit Klobürsten, Gummihandschuhen und Staubwedel, hatte das vermeintlich schwache Geschlecht am „Schmotzige Donnerschdag“ ganz andere Pläne, als das Dienstzimmer des Schultes zu kehren.

So durften Hauptamtsleiter Alexander Rabsteyn, Stadtkassen-Leiter Martin Reimer, der stellvertretende Leiter der Baurechtsabteilung Erik Beckmann, Stadtbaumeister Volkhard Leetz und Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg zu Schunkelmusik und Stimmungsliedern Luftballons aufblasen und Montagsmaler spielen. Als Belohnung wurde die „Goldene Klobürste“ verliehen und Sekt gab es am Ende natürlich auch für alle.

Schömberg

„Egal ob’s draußen stürmt oder schneit, ob Sonnenschein, ob Regen fäll, gefangen wird der Rathausheld! Beraubt wird er um Gunst und Macht, die Narrenschar darüber wacht“, las gestern Nachmittag pünktlich um 17.11 Uhr der Zunftmeister der Schömberger Narren, Helmut Lülf, dem Rathauschef Matthias Leyn die Leviten. Der stand seinerseits in Ketten gelegt aber sichtlich gut gelaunt neben dem Zunftmeister, dessen Eulenloch-Hexen-Kameraden den eigens angefertigten überdimensionalen Rathausschlüssel gut verwarten.

In Schömberg hatten die Eulenloch-Hexen ihren Spaß: Sie übernahmen pünktlich um 17.11 Uhr den eigens angefertigten überdimensionalen Rathausschlüssel. Foto: Dast-Kunadt

Lautstarke Forderungen

Zuvor hatten die „Kräheneck Hexen“ aus Pforzheim –Dillweißenstein im Rathausfoyer musikalisch kräftig eingeheizt und auch die Böselsberger G’schdalda‘ aus dem Schömberger Teilort Bieselsberg mischten beim Rathaussturm gehörig mit. Nachdem alle Krawatten gekürzt und die volle Gemeindekasse zur Freude der Narren übergeben war, rechnete Lülf begleitet von lautstarken „Eulaloch-Hexaloch“-Rufen mit der Kommunalpolitik des vergangenen Jahres ab. Da wurden die Windparkparkpläne angeprangert. „Das Rathaus muss dagegen kämpfen, um den Schaden einzudämpfen“, forderte der Zunftmeister lautstark. Tempo 40 im Schömberger Ortskern hingegen wurde willkommen geheißen. Kritischer fiel der Blick auf den geplanten Aussichtsturm aus. Nichtsdestotrotz befand der Zunftmeister schließlich: „Die neue Aussicht lebe hoch!“, was erneut mit einem lautstarken „Eulaloch-Hexaloch“ quittiert wurde. Und so arbeitete sich Lülf an weiteren brisanten Themen wie dem geplanten Flying Fox oder dem Bau einer neuen Sporthalle ab. Abschließend wurde das wieder auferstandene Hansele in den Reihen der Narren willkommen geheißen. „Das Häs ist mit Schömbergs Motiven voll, die Narren finden’s richtig toll!“