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Ärzte in Mühlacker sprechen sich mit Kollegen in einem anderen Krankenhaus ab: Die Telemedizin ist im Enzkreis als Quelle für Expertenwissen bereits Alltag. Doch das ist nur der Anfang für medizinische Umbrüche durch Computertechnik. Foto: PZ-Archiv/Schrader
Ärzte in Mühlacker sprechen sich mit Kollegen in einem anderen Krankenhaus ab: Die Telemedizin ist im Enzkreis als Quelle für Expertenwissen bereits Alltag. Doch das ist nur der Anfang für medizinische Umbrüche durch Computertechnik. Foto: PZ-Archiv/Schrader
17.07.2017

Digitale Revolution in den Enzkreis-Kliniken und geringeres Defizit

Mühlacker/Neuenbürg/Enzkreis. Raus aus den roten Zahlen sind die Enzkreis-Kliniken unter dem Dach der Regionalen Kliniken Holding (RKH) noch nicht. Doch im Jahr nach den tiefgreifenden Strukturveränderungen in Mühlacker und Neuenbürg ist das Defizit von rund 5,9 Millionen Euro auf rund 4,3 Millionen gesunken. Die Kreistagsfraktionen machten am Montag dennoch schnell einen Haken dahinter. Denn medizinisch, das strichen etwa Frank Schneider (FDP), Rolf Leo (Freie Wähler) und Günter Bächle (CDU) heraus, stehen die Krankenhäuser leistungsfähiger da denn je.

Die nächsten Umbrüche stehen für Kliniken ganz generell aber schon am Horizont. In Mühlacker und Neuenbürg setzt man bereits auf Telemedizin, um Expertenwissen auch aus anderen Krankenhäusern nutzen zu können. Doch das ist erst der Anfang einer digitalen Medizin.

Warum sind die Zahlen nicht besser?

Zum einen bleiben kleine Krankenhäuser wie in Mühlacker und Neuenbürg gegenüber größeren benachteiligt. Damit erklärt Landrat Karl Röckinger den Unterschied zu den wirtschaftlich besser gestellten RKH-Kliniken im Kreis Karlsruhe. Zum anderen greift ein Mechanismus, der junge Erfolge schmälert. Und die gibt es im Enzkreis. Mit den medizinischen Leistungen ging es 2016 sowohl in Mühlacker – beispielsweise durch die neu aufgestellte Kardiologie – als auch in Neuenbürg mit dem Gelenkzentrum Schwarzwald nach oben. Durch eine gesetzliche Regelung werden von solchen gesteigerten Einnahmen drei Jahre lang rund 35 Prozent abgeschöpft. Auf RKH-Ebene verhinderte eine Umsatzsteuerrückzahlung von rund 639.0 Euro den sonst erzielten Gewinn.

Was ändert sich im Krankenhaus Mühlacker?

Medizinisch und bei der ärztlichen Leitung sind beide EnzkreisKliniken in den vergangenen beiden Jahren neu aufgestellt worden. In Mühlacker soll nun im Herbst die geriatrische Reha für ältere Patienten auf 50 Betten erweitert werden. Auch die Alterschirurgie rückt in den Fokus. Behandlungen von Erkrankungen im Bauchraum sollen in einem Zentrum zusammengefasst werden. In Kliniknähe soll zusammen mit niedergelassenen Medizinern ein Ärztehaus verwirklicht werden – RKH-Geschäftsführer Professor Dr. Jörg Martin hält Einzelpraxen ohnehin für Auslaufmodelle. Und es soll eine Station aufgebaut werden, die es möglich macht die Flut von Behandlungen, die regelmäßig besonders im ersten Quartal eines Jahres anfallen, zu bewältigen. Dieses Jahr war man in der RKH durch eine Grippewelle stark getroffen worden.

Was ändert sich im Krankenhaus Neuenbürg?

Das Gelenkzentrum Schwarzwald hat noch immer lange Wartelisten. Derzeit läuft die Vorbereitung, dass in zwei Sälen parallel operiert werden kann. Die Präventionsprogramme von Zentrumsleiter Professor Dr. Stefan Sell sollen zusammen mit den Krankenkassen feste Angebote werden. Das Gelenkzentrum soll im leeren 3. tock der Neuenbürger Klinik wachsen können. Weichen sollen der Krankenhaus-Altbau und die Belegbetten der Gynäkologie.

Was bedeutet Computertechnik für die Medizin?

Die RKH will ab 2018 mehr Geld für die Digitalisierung einsetzen. Über die Telemedizin hinaus. Aktuell arbeitet man mit dem KIT in Karlsruhe zusammen – wenn junge Start-Up-Firmen neue medizinische Apps entwickeln, will die RKH dabei sein. Das Smartphone wird längst als ein medizinisches Instrument der Zukunft gehandelt. Ein Fernziel ist deshalb auch eine eigene RKH-Patienten-App. Computer, die riesige Datenmengen verarbeiten können, sollen Ärzte etwa in der Krebsbekämpfung unterstützen. Und sie soll die Gesundheitsinformationen für Patienten besser verfügbar machen. Der Haken dabei sind Gefahren durch Hacker.

Was macht der Kampf um Mitarbeiter?

Er wird immer härter, so Professor Martin. Die RKH setzen auf Heimarbeitsplätze, auf digitalisierte Fortbildungen, langfristig aber auch auf Lebensarbeitszeitkonten, Mitarbeitern mehr Freiheiten in der Lebensplanung geben, oder eine geförderte private Krankenversicherung.