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Jede Menge Glückshormone setzte der Faschingsumzug in Dillweißenstein frei. © Ketterl
08.03.2011

Dillweißensteiner Narren lassen es ordentlich krachen

PFORZHEIM. Frühlingshaftes Wetter beim Faschingsumzug in Dillschde. Zehntausende sind da. Belrem-Wetter. Dreieinhalb Stunden dauert es, bis der Zug vom alten Bahnhof Weißenstein auf dem Ludwigsplatz ankommt.

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Überall und fast immer „Dill-Wei-Ho“ und „Hex-hex-kräh“. „Hoppla hinein“, erschallt es bei der Pforzheimer Faschingsgesellschaft (PFG). Und die Karnevalsgesellschaft Hochburg (KG-HO) intoniert „Pforze helau“. Die Kräheneck-Hexen verwuscheln die Haarpracht von Passanten. Schreiende Wuschelköpfe.

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„Ging vor rund 10.000 Jahren Jesus nicht mit langen Haaren? Und Maria liebte ihren Sohn – nur meine Mutter hasst mich“, singt jemand ein Lied aus dem Musical „Hair“. Ist ein älteres Semester. Hat jetzt eine Glatze.

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Aber ansonsten sind lange Haare wieder im Kommen. Wie in den 60ern bei „Flower Power“. Bunt wie der Umzug. Stimmung pur. Glückshormone. Und keinesfalls menschenleer der Stadtteil. Von wegen nichts los und aufgeklappte Bürgersteige in Dillschde.

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„Konfetti marsch“ – macht die Kleider bunt und den Hals kratzig. Bonbon-Regen bei Sonnenschein. Lachen, tanzen, singen, böllern. Die Umzugskanone „Grausame Barbara“ meldet sich lautstark zu Wort. „Wer hat Oropax?“ schreit ein Alien – nicht von dieser Welt – in die lachende Runde auf dem Ludwigsplatz. „Dabei sind Außerirdische gar nicht grün, sondern lila“, antwortet jemand. Wohl auch ein Außerirdischer. Alles da in Dillschde.

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„Pfo fä bu“ – „Pforzheim fährt Bus“, sagt jemand, der sich als Pressesprecher der Verkehrsbetriebe fühlen muss. Oder als Grüner, als ein Befürworter des öffentlichen Personennahverkehrs. Der Umwelt zuliebe. Er zeigt ein Transparent: „Mobil ohne Auto im Nagoldtal“. Familiensonntag, Absperrung der Bundesstraße wie beim Fasnetsumzug. „Müsste klappen“, meint der Grüne im schwarzen Baden-Württemberg. Und Ministerpräsident Stefan Mappus guckt zu. Haut ihn nicht vom Stuhl. Es gibt fast nur Stehplätze im Prominenten-Bereich auf dem Ludwigsplatz.

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Für den Ministerpräsidenten haben sie aber noch ein altes Bierbänkle hingestellt. Für alle Fälle. Mappus steht aber lieber, bleibt standhaft. Auch bei Faschingsfee Ingrid Judt, genannt Fräulein Meier. Das ist die, die bei Faschingsempfängen von Mappus manchmal geküsst wird und sich dann 14 Tage hinterher nicht mehr wäscht. Gestern hat sie dem PZ-Vertreter aber zwei dicke Bussis auf die Wangen gegeben, weil der das immer schreibt.

Multi-Kulti in Dillschde

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Stets sehr schön sind die Goldmasken der PFG. Passt genau zur Goldstadt. Eselsgugga, Zaunreiter, Spätzlesfresser – alles da in Baden. Es gibt Badische und Unsymbadische und Dillsteiner und Weißensteiner und Pforzemer. Multi-Kulti. Sogar die „Bü-Hoi-Krawallos“ aus dem fernen Büchenbronn sind gekommen. Gehen fast Hand in Hand mit den „grünen Witwen vom Schauinsland“ und den „Chear-Leaders“.

Die „Trommeldeifel“ der Lebenshilfe hauen auf die Pauke, geben den Ton an – unüberhörbar. Der Bürgerverein kommt mit einem Bahngepäckwagen. Freie Fahrt für freie Bürger. Diesmal werden sogar die Schienen eingespart. Muss die schwäbische Eisenbahn sein, nicht die badische.

Ein Riesen-Sparschwein hat die PFG gebaut. Weil die Stadt pleite ist. Das arme Schwein ist schon ganz mager. Hat den Gürtel enger geschnallt. Und die Spielvereinigung Dillweißenstein prescht mit dem Masterplan für Pforze vor. Jetzt schon. Dill-Wei-Ho ist seiner Zeit weit voraus. Können sogar rote Oberbürgermeister was davon lernen.

„Winter ade- scheiden tut weh“

Am Schluss wird wie immer der Winter ausgetrieben. Ist Tradition so in Dillschde auf dem Ludwigsplatz. Mappus darf ihn anzünden. „Weil alles heiß wird, was der Ministerpräsident anpackt. Nicht nur Stuttgart 21“, sagt ein Narr und lacht. Der Watte-Schneemann brennt wie Zunder. „Winter ade, scheiden tut weh“. Kein Wunder diese Frühlingsgefühle bei dem tollen Belrem-Wetter mit Sonne im Herzen der Narren. Muss am Zauberspruch liegen: „Hex-hex-kräh“. Und die Musik spielte dazu: „Heut ist so ein schöner Tag – la la la – la “.

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