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26.05.2009

Diskussion im „absurd“ dreht sich auch um die Finanzen

KÖNIGSBACH-STEIN. „Wie funktioniert der Kreistag? Was macht der Jugendhilfeausschuss, was der Jugendring Enzkreis? Und nicht zuletzt: Wer vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger des Enzkreises im Kreistag?

Um diese und etliche weitere Fragen ging es bei der Diskussion im Jugendcafé „absurd“ in Königsbach, zu der das Dekanatsteam Pforzheim der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) eingeladen hatte. Zum Dekanatsteam gehören außerdem Ersingen, Neulingen und die Gesamtpfarrei Bilfingen. Rund 30 junge Leute, überwiegend Mitglieder und Aktive der KjG, nahmen die Gelegenheit wahr, sich zu informieren und informieren zu lassen.

Geld für Jugendveranstaltungen

Cornelius Wasmund, Finanzreferent des Jugendrings Enzkreis, erklärte zunächst anhand einer Power-Point-Präsentation den Aufbau des Bundes, der Länder, Kreise und Gemeinden, samt deren Verantwortlichkeiten. Informierte wurde über 28 Gemeinden und insgesamt gut 195 000 Einwohner des Enzkreises, die Zuständigkeiten der Kreisverwaltung, die Sitzverteilung und die Funktionen der Kreisräte, die Aufgaben der Ausschüsse.

Er wies darauf hin, dass der Jugendring Enzkreis Jugendveranstaltungen bezuschusst und forderte dazu auf , Anträge zu stellen. „Wir haben noch Geld übrig“, erklärte Wasmund zur Überraschung aller.
Anschließend überwachte Moderator Felix Neumann, Leiter des KjG Diözesanverbands Freiburg, die Redezeiten der Gäste, die sich in verschiedenen Gesprächsrunden vorstellten und erklärten, weshalb sie für den Kreistag kandidieren und was sie und ihre Parteien dort bewirken wollen.

Norbert Holme (FDP), Bürgermeister von Ölbronn-Dürrn, bewirbt sich erstmals. Er will sich dafür einsetzen, dass die Grundschulen im Ort bleiben „nach dem Motto: Kurze Beine, kurze Wege“. Claus Bergler (Bündnis '90/Die Grünen) meint: „Bürgermeister sehen den Kreistag als ihre Beute an. Wenn ich jetzt rausgehe ist mein größter Wunsch, dass für mich kein Bürgermeister, sondern jemand Junges reinkommt.“ Für den langjährigen Kreisrat Udo Mack (CDU )aus Königsbach-Stein ist die Arbeit im Jugendhilfe-Ausschuss „weitsichtiger und vielseitiger als in anderen Ausschüssen“.

Ein-Euro-Essen umstritten

Hans Vester (SPD) aus Straubenhardt macht sich für das „Ein-Euro-Essen“ stark, „damit jedes Kind zu einem warmen Essen am Tag kommt“. Dazu meint Bruno Klopfer (FWV) aus Kämpfelbach. „Hinter allem, was gut klingt, muss man auch wissen: wer zahlt's?“ Klopfer hält nichts vom „Gießkannenprinzip.“ Er ist dafür, dass sozial Schwache gezielt unterstützt werden und Schulen und Gemeinden entsprechende Modelle entwickeln müssen. Das gelte etwa auch für Schullandheim-Aufenthalte oder Kindergartenbeiträge. „Viele haben nicht den Mut, Unterstützung zu beantragen.“ Das Stichwort Zuschüsse gab die Grundlage für längere, kontroverse Diskussionen, befanden sich doch unter den Anwesenden zahlreiche Organisatoren und Betreuer von Freizeiten der KjG. Dabei ging es speziell auch um die Zuschüsse des Enzkreises für Freizeiten pro Tag und Teilnehmer. „Alles, was durch dieses Gießkannenprinzip kommt, kann ich zur Kalkulation verwenden. Damit kann ich planen“, gab etwa Susi Elsässer zu bedenken. Nur so könnten Freizeitangebote bezahlbar bleiben.

Am Ende der Veranstaltung forderten die Redner das Publikum auf, sich zu engagieren und in die Politik einzumischen. Denkanstöße hatten sie hinlänglich gegeben. „Ich fand das interessant“, fasste der 19-jährige Alexander zusammen. „Das hatte mehr mit uns zu tun als die Diskussion über Europa in der Schule.“