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12.03.2013

Dramatische Steigerung der Verkehrstoten im Landkreis Calw

Calw. War 2011 mit 6 Verkehrstoten im Landkreis Calw der niedrigste Stand der vergangenen Jahrzehnte zu verzeichnen, so stieg die Zahl der Verkehrstoten 2012 auf 17 an. In vielen Fällen spielte überhöhte Geschwindigkeit eine wesentliche Rolle. Der Sicherheitsgurt hätte möglicherweise 5 Menschen das Leben retten können, wenn sie ihn angelegt hätten. Ein tödlich verunglückter Zweiradfahrer trug keinen Helm.

Junge Fahrer sind nach wie vor überproportional häufig an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Eine deutliche Zunahme ist beim fehlerhaften Überholen als Unfallursache zu verzeichnen. Nach wie vor ist die Verletzung der Vorfahrt mit 214 Fällen die häufigste Unfallursache.

Die Polizei registrierte im Landkreis Calw 2.987 Verkehrsunfälle. Neben den 17 getöteten Personen erlitten weitere 604 Personen Verletzungen. Der entstandene Gesamtsachschaden beträgt rund 5,2 Millionen Euro. Erfreulich ist ein leichter Rückgang bei den Motorradunfällen, wenngleich auch 5 getötete Zweiradfahrer zu beklagen waren.

Bei 15 Verkehrsunfällen mit Todesfolge wurden 17 Menschen tödlich verletzt. Betroffen waren 8 Autofahrer, 4 Mitfahrer und 5 Zweiradfahrer. Fußgänger und Fahrradfahrer waren nicht in tödliche Verkehrsunfälle involviert. In den meisten Fällen spielte dabei, wie auch in den vergangenen Jahren, nicht angepasste Geschwindigkeit eine gewichtige Rolle.

So fuhr ein 21-jähriger mit überhöhter Geschwindigkeit von Überberg nach Ettmannsweiler als er ins Schleudern geriet, von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Er selbst und sein 25-jähriger Beifahrer, der aus dem Auto katapultiert wurde, starben noch am Unfallort. Ebenfalls zu schnell unterwegs war ein 82-jähriger BMW-Fahrer von Nagold Richtung Jettingen. Er schleuderte auf nasser Straße auf die Gegenfahrbahn und prallte dort mit einem Linienbus zusammen. Er verstarb in einer Klinik an den Unfallfolgen. Noch an der Unfallstelle erlag ein 21-jähriger Motorradfahrer seinen Verletzungen, als er auf der B294 zwischen der Rehmühle und Simmersfeld zu schnell in eine Linkskurve fuhr. Er kam von der Straße ab und prallte in die Leitplanke.

Bei einer geografischen Betrachtung der Verkehrsunfallverteilung können keine örtlichen Unfallschwerpunkte erkannt werden. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass in der Vergangenheit erkannte Unfallschwerpunkte durch bauliche Maßnahmen entschärft wurden. Ein Beispiel hierfür ist die Einrichtung von Kreisverkehren, welche durch eine praktizierte enge Zusammenarbeit von Straßenverkehrsbehörde, Straßenbaubehörde und Polizei an problematischen Kreuzungen realisiert werden konnten.

Landesweit wurden in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr weniger Menschen im Straßenverkehr getötet und verletzt. Die Zahl der Toten sank gegenüber 2011 um 11 auf 471 (-2,3%) und mit 46.618 Personen wurden 709 weniger (-1,5%) verletzt. Und dies, obwohl die Zahl der registrierten Verkehrsunfälle gegenüber 2011 um 3,4% auf 287.898 angestiegen ist.

Die Gesamtzahl der im Landkreis Calw polizeilich erfassten Verkehrsunfälle weist mit 2987 gegenüber 2791 im Vorjahr einen Anstieg um 7% auf. Während die Anzahl der Schwerverletzten mit 147 (2011: 149) annähernd gleich blieb, gab es bei den Leichtverletzten mit 457 (2011: 419) eine Steigerung um 9,1%.

Die Unfallursache Geschwindigkeit liegt mit 201 Fällen auf dem zweiten Platz. Die Unfallfolgen sind hierbei häufig besonders gravierend. In 114 Fällen entstand Personenschaden. Hierbei wurden 8 Menschen getötet, 44 schwer- und 112 leichtverletzt. Aus diesem Grund werden auch in Zukunft weiterhin verstärkt Geschwindigkeitsmessungen durch die Polizei durchgeführt. Sie sind ein probates Mittel der Unfallverhütung, da konsequente Kontrollen der Abschreckung vor zu schnellem Fahren dienen. Die Polizeidirektion Calw setzt hierzu neben einem Großmessgerät auch Handlasermessgeräte und ein Videomotorrad ein.

Bei einem tödlichen Verkehrsunfall hatte der Verursacher 2,03 Promille Alkohol im Blut. Der 32-jährige BMW-Fahrer fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit, aus Richtung Erzgrube kommend, am Ortseingang von Altensteig in die Beifahrerseite eines auf einen Parkplatz abbiegenden Personenwagens. Eine 18-jährige hinten sitzende Mitfahrerin in dem abbiegenden Pkw erlitt dabei tödliche Verletzungen.

Alkohol im Straßenverkehr ist ein ständiges elementares Problem. Die Zahl der Unfälle, die unter Alkoholeinfluss ab einem Blutalkoholwert von 0,3 Promille verursacht wurden, ist von 66 auf 69 angestiegen. Den höchsten Blutalkoholwert erreichte dabei mit 2,91 Promille eine 43-jährige in Bad Wildbad-Calmbach. Sie wollte auf einem Parkplatz an der Hauptstraße aus einer Parklücke zurückstoßen und prallte mit einem anderen Fahrzeug zusammen.

An 21 Unfällen waren alkoholisierte Fahrer mit einem Blutalkoholwert zwischen 2 und 3 Promille beteiligt. Bei weiteren 37 Fahrzeuglenkern lag dieser zwischen 1,1 und 2 Promille. Insgesamt waren also bei 58 Alkoholunfällen die Fahrzeuglenker mit einem Blutalkoholwert von mehr als 1,09 Promille sogar absolut fahruntüchtig, das heißt, ihnen wäre auch ohne Verursachung eines Verkehrsunfalles die Fahrerlaubnis entzogen worden und sie hätten sich der Trunkenheit im Verkehr strafbar gemacht.

Fünf der bei Verkehrsunfällen Getöteten hatten den Sicherheitsgurt nicht angelegt. Verstöße gegen die Gurtanlegepflicht sind leider ein Dauerthema. Dies ist deshalb völlig unverständlich, da man durch das Anlegen des Sicherheitsgurtes leicht selbst darauf Einfluss nehmen kann, welche Folgen ein Verkehrsunfall, egal ob fremd- oder selbstverschuldet, für die eigene Gesundheit hat. Einer der im vergangenen Jahr tödlich verunglückten Zweiradfahrer hatte keinen Helm getragen. Glücklicherweise sind „Nichthelmträger“ auf den Straßen nur noch relativ selten zu sehen.

Besorgniserregend ist der wiederholte Aufwärtstrend im Bereich der Verkehrsunfallfluchten mit 608 Fällen (2011: 573). Hierbei wurden 35 Personen verletzt, 6 davon schwer. Der insgesamt bei Verkehrsunfallfluchten entstandene Sachschaden wird von der Polizei auf rund 900.000 Euro geschätzt. Wenn die Unfallverursacher nicht zur Verantwortung gezogen werden können, bleiben die geschädigten Fahrzeughalter auf ihren zum Teil beträchtlichen Schäden sitzen.

Naturgemäß ereignen sich im waldreichen Landkreis Calw viele Wildunfälle. Im Jahr 2012 waren es 407. Hierbei wurden 3 Personen leicht verletzt.