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Foto: Symbolbild © dpa
30.03.2015

Drei Menschen im Enzkreis an Masern erkrankt - Hochgradig ansteckend

Im Raum Mönsheim-Friolzheim sind drei Fälle von Masern aufgetreten. Wie die Ansteckung ursprünglich erfolgte, ist nicht bekannt – das Gesundheitsamt geht jedoch davon aus, dass alle drei Fälle zusammenhängen.

„Masern gehören zu den hochgradig ansteckenden Viruserkrankungen, gegen die es keine ursächliche Behandlung gibt“, sagt dazu Angelika Edwards, Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Leiterin des Sachgebiets Infektionsschutz im Gesundheitsamt. „Sicheren Schutz bietet allein die Impfung.“ Die Impfung sei gut verträglich und werde von der Ständigen Impfkommission für Deutschland (STIKO) für alle Kinder empfohlen. Geimpft werden soll gegen Ende des ersten und nochmals gegen Ende des zweiten Lebensjahres.

„Die zweite Impfung ist nötig, weil mütterliche Antikörper die Wirkung der ersten Impfung aufheben können“, erklärt Edwards. Falls ein Kind oder ein Jugendlicher noch nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurde, sollte dies umgehend geschehen – „egal, wie alt die Kinder sind“, so die Expertin. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung seien Masern keine harmlose Kinderkrankheit; Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen- oder gar Gehirnentzündungen seien möglich.

Masernviren werden nur von Mensch zu Mensch durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen, also zum Beispiel durch Anhusten oder Niesen. Infizierte geben die Viren weiter, lange bevor der typische Hautausschlag auftritt: Bis zu fünf Tage davor und bis zu vier Tage nach dem Beginn des Ausschlags. Von der Ansteckung bis zum Auftreten der Hautrötungen vergehen zwischen 7 und 18 Tage, im Mittel 14 Tage.

Die Gefahr: „Man weiß unter Umständen fünf Tage lang gar nicht, dass man Masern hat und selbst sehr ansteckend ist“, sagt die Ärztin. Die Erkrankung beginnt meist mit anderen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung oder mit einer Rötung der Mundschleimhaut und kalkspritzerartigen Flecken auf der Wangenschleimhaut. „Erst wenn der rote Ausschlag kommt, können die Masern sicher diagnostiziert werden“, beschreibt Edwards das Problem: „Aber dann hat man die Viren schon einige Tage weiter verbreitet.“

„Eltern sollten beim Impfschutz unbedingt auch an sich selbst und ihre älteren Kinder denken“, sagt Edwards, denn: „Es ist die junge Elterngeneration, die oft keinen ausreichenden Impfschutz hat, selbst schwer erkranken kann – und das Virus an die ganz Kleinen weitergibt.“ Etwa die Hälfte der gemeldeten Masernfälle betreffe heute Jugendliche und junge Erwachsene. Allein die Impfung biete sicheren Schutz – sonst bestehe für Säuglinge und Krabbelkinder, die noch keinen ausreichenden Schutz haben, eine sehr große Ansteckungsgefahr.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen nach 1970 geborenen Erwachsenen eine Masernimpfung, wenn noch kein ausreichender Immunschutz vorliegt. Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern mit den niedrigsten Impfquoten. Zwar seien die Quoten bei den Schulanfängern in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, sagt Edwards. Jedoch stagniere dieser Anstieg nun unter anderem bei den Impfungen gegen Masern und Poliomyelitis: „Zu viele Kinder sind in Baden-Württemberg nicht gegen Krankheiten wie Masern, Röteln oder Kinderlähmung geschützt, und viel zu häufig fehlt auch die zweite Masernimpfung, gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“

Für eine dauerhafte Ausrottung der Masern müssen landesweit mehr als 95 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mindestens zwei Masernimpfungen erhalten. „Die Impfung jedes Menschen ist deshalb entscheidend für die Verhütung von Infektionskrankheiten und den Schutz von Menschenleben“, appelliert Edwards: Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung seien Masern keine harmlose Kinderkrankheit; schwerwiegende Komplikationen seien auch Jahre später noch möglich.

Die Risiken und Nebenwirkungen einer Impfung hält Edwards dagegen für sehr gering: Weder enthalte der Impfstoff Quecksilber oder Aluminiumhydroxid, wie gelegentlich behauptet werde, noch gebe es einen Zusammenhang zu komplexen Krankheiten wie Diabetes oder Autismus.

Das Gesundheitsamt in der Bahnhofstraße in Pforzheim bietet an, die Impfbücher durchzusehen. Weitere Informationen dazu und zu den Sprechzeiten gibt es bei Claudia Kehrwecker unter Tel. 07231 308-9744 oder per E-Mail an Gesundheitsamt@enzkreis.de.