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17.06.2009

Drei neue Schweinegrippe-Verdachtsfälle geprüft

ENZKREIS/PFORZHEIM. Der Kampf gegen die Ausbreitung der Schweinegrippe hält Mediziner und Bevölkerung in Atem. Das Gesundheitsamt Enzkreis prüft drei neue Verdachtsfälle – rechnet aber mit einer Entwarnung.

Nur zwei Tage nach der ersten Bestätigung für eine Schweinegrippe-Erkrankung im Enzkreis hat das Gesundheitsamt sich schon wieder darauf vorbereitet zu handeln. Ein anderer Mann aus dem Enzkreis, der sich in den USA aufgehalten hatte, hatte ebenfalls wegen Grippe-Symptomen einen Arzt kontaktiert. In diesem Fall rechnet das Gesundheitsamt nach den bisherigen Untersuchungen aber damit, dass sich der Verdacht auf Schweinegrippe nicht bestätigt. Klarheit gibt es erst heute, wenn der Test ausgewertet ist. Trotzdem ist schon nachgeforscht worden, zu wem der Mann Kontakt hatte. Im Fall von zwei Pforzheimern, die eine Ansteckung befürchtet haben, sieht die Behörde noch weniger Verdachtsmomente für die neue Form der Grippe.

Einen Bezug zu dem 46-Jährigen aus dem östlichen Enzkreis, der am Wochenende durch das neue Virus erkrankt war, gibt es nicht. Dr. Roswitha Kull, Leiterin des Gesundheitsamts für den Enzkreis und für Pforzheim, geht davon aus, dass sich die über 40 Menschen, die nach Kontakten zum Erkrankten vorsorglich isoliert worden waren, nicht angesteckt haben. Dafür gebe es noch immer keine Anzeichen. Und die müsste es mittlerweile eigentlich geben.

Aber selbst bei einem weiteren bestätigten Fall von Schweinegrippe wird es zu keiner Verschärfung der Maßnahmen kommen. Das Sozialministerium Baden-Württemberg und das Gesundheitsamt Enzkreis sehen beide keinen Anlass, das bisherige Vorgehen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zu ändern. Das bedeutet: Jeder Einzelfall wird überprüft. Das gilt auch für so genannte Kontaktpersonen, die unter Umständen tagelang zu Hause bleiben müssen, obwohl sie letztlich gesund sind. Auch bei ihnen wird nachgeschaut, wie eng der Kontakt zu einem Infizierten wirklich war. Szenarien für Massenisolierungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Der Aufwand ist freilich enorm. „Noch schaffen wir es, jedem Fall hinterher zu laufen“, sagt Roswitha Kull, „aber die Labore und die Gesundheitsämter arbeiten schon hart an der Grenze.“ Aus Sorge vor der neuen Grippe würden sich oft Menschen melden, bei denen ein Verdacht auf eine Infektion mit den neuen Viren äußerst unwahrscheinlich ist. Die Reaktionen vieler Bürger, mit denen das Gesundheitsamt Kontakt hätte würden von Panik bis zur Nachlässigkeit reichen, so Kull. Beide Extreme seien aber unangebracht.

Die ersten Isolierungen seien ohne große Konflikte abgelaufen, so die Gesundheitsamtsleiterin. Sollte sich ein Mensch, der mit dem neuen Virus angesteckt sein könnte, gegen die Einschränkungen sperren, könnte das Gesundheitsamt im Ernstfall die Ortspolizeibehörde einschalten. Und die könnte den Betroffenen mit einer Verfügung zwingen, zu Hause zu bleiben. „Das wollen wir aber nicht“, sagt Kull, „wir hoffen, dass wir das ohne Zwang regeln können.“ Beschwerden über die Vorsichtsmaßnahmen sind beim Sozialministerium bisher noch nicht laut geworden, sagt eine Sprecherin. „Es melden sich eher Leute, die nach einer Infektion befürchten stigmatisiert zu werden“, so die Sprecherin. Deshalb nehme man die Anonymisierung der Fälle sehr ernst.
Solche Stigmatisierungen wären blanke Hysterie. Die Ministeriumssprecherin verweist dabei auf die bisher sehr glimpflichen Erkrankungen. Die Vorsicht der Behörden hat vor allem mit einem zu tun: Es soll verhindert werden, dass das neue Virus sich mit anderen Stämmen wie Vogelgrippe oder der normalen saisonalen Grippe vermischt und zu etwas Gefährlichem mutiert.