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18.01.2016

Dritter Verhandlungstag: Autoknacker durch Telefonüberwachung überführt

Am dritten Prozesstag gegen eine Autoknackerbande, die zahlreiche schwere Bandendiebstähle begangen hat (einige Tatbeteiligte räumten ihre Vergehen bereits ein), wurden am Montag weitere Details bekannt. Die Täter, die teilweise aus Pforzheim und dem Enzkreis stammen, müssen sich seit vergangener Woche für Taten im Zeitraum von Dezember 2014 bis Juli 2015 verantworten (PZ berichtete). Sie stahlen vorzugsweise Lenkräder mit Airbags und andere Autoteile aus hochwertigen Mercedes- und BMW-Limousinen.

Der Pforzheimer Kriminalbeamte und zuständige Hauptsachbearbeiter für den Fall sagte nun vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim aus. Bei einer Polizeikontrolle im März vergangenen Jahres in der Nähe des AHG Autohauses in Pforzheim zog die Polizei den Golf, mit dem zwei der Angeklagten unterwegs waren, aus dem Verkehr. Bei der routinemäßigen Kontrolle fanden die Beamten im Wagen einen gestohlenen Airbag, der aufgrund der Nummerierung einer Straftat in Neuhausen auf den Fildern zuzuordnen war. Diese Verbindung zwischen Diebesgut und Verdächtigen war den Ermittlern allerdings nicht genug, um die Männer festzunehmen. Eine Überwachung der Telekommunikation sollte das gesamte Bandennetzwerk aufdecken und die Verbindung zu anderen Straftaten überprüfen. Und tatsächlich: Die Telefondaten des Hauptangeklagten verrieten, dass er sich unter anderem bei einem Fahrzeugdelikt in Enzberg zum Tatzeitpunkt am Tatort befand. Die Telefonüberwachung stellte außerdem eine Verbindung zwischen einem Mitarbeiter des mehrmals geschädigten Gebrauchtteilezentrums in Neuhausen auf den Fildern und einer Firma in Ludwigshafen her. Während der Überwachung kam es erneut zu Diebstählen unter anderem in Neuhausen auf den Fildern, Kirchheim unter Teck und in Ebersbach an der Fils. Immer größere Teile des Bandennetzwerks wurden von den Kriminalbeamten anhand von SMS-Nachrichten und Telefongesprächen aufgedeckt. So wurden geklaute Autoteile beispielsweise bei der Bekannten einer Ex-Freundin des Täters verwahrt. Durch die Chats und Telefonate der Bandenmitglieder konnte auch weitergehend festgestellt werden, welcher Täter bei welcher Straftat involviert war. Die meisten der gestohlenen Lenkräder wurden von den Tätern über ebay-Accounts verkauft. Hier fand sich auch die brisante Aufforderung an Kunden, ihre Wünsche für ein ausgefallenes Lenkrad zu äußern, dass dann innerhalb von wenigen Tagen besorgt werden könne. Gestohlene Autoteile auf Bestellung. Telefongespräche des Hauptangeklagten, die von der Polizei mitgehört wurden, sowie Videomaterial von Überwachungskameras enthüllten weitere geplante Diebstähle und Mittäter der Autoknackerbande.

„Ich bin am nächsten Tag nochmals hin und habe mit meinem Kumpel alles leergeräumt“, schrieb einer der Täter seinem Komplizen nach einem Überfall in Neuhausen auf den Fildern. Obwohl sich die Hinweise immer mehr verdichteten und ein klarer Tatverdacht gegen die Angeklagten herrschte, einigten sich Polizei und Staatsanwaltschaft darauf, die Festnahme der Bande hinauszuzögern. So wollten sie noch mehr Beweise sammeln, um alle Beteiligten überführen zu können.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Andreas Heidrich, kritisierte dieses Verhalten in Anbetracht der weiteren schweren Diebstähle, die auf das Zögern der Beamten folgten. Geklärt werden muss, ob der Händler für Lenkräder aus Ludwigshafen tatsächlich nichts von der Herkunft der von ihm verkauften Ware wusste.

Der nächste Prozesstag findet am Freitag, 22. Januar, ab 9.30 Uhr im Landgericht Pforzheim statt.