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Matthias Wurdig startet einen Multikopter bei Maulbronn. Spaß und Verantwortung beim Umgang mit der Drohnen-Technik ist ihm und den anderen „Dronecast“-Machern gleichermaßen wichtig. Foto: Privat
Matthias Wurdig startet einen Multikopter bei Maulbronn. Spaß und Verantwortung beim Umgang mit der Drohnen-Technik ist ihm und den anderen „Dronecast“-Machern gleichermaßen wichtig. Foto: Privat
03.01.2016

Drohnenflieger in der Region diskutieren über sinnvolle Regeln

Es ging nicht um Sekunden bei dem Skirennen im Dezember in Madonna di Campiglio – es ging um Bruchteile von Sekunden. Um einen Wimpernschlag, der eine abstürzende Kameradrohne den Skistar Marcel Hirscher verfehlen ließ. Sie seien „fast vom Stuhl gekippt“, sagen Matthias, Thomas und Frank Wurdig in ihrem jüngsten Drohnen-Podcast. In den Beiträgen diskutieren die Wurdigs über die immer weiter verbreiteten Fluggeräte, über ihre Chancen und Risiken. So ist der Absturz beim Skiweltcup in Italien auch in der Region gründlich unter die Lupe genommen worden. Auch weil die Bundesregierung derzeit über Möglichkeiten nachdenkt, wie das Fliegen mit Drohnen reguliert werden kann.

Die Wurdigs stammen aus dem östlichen Enzkreis. Wenn sie ihre eigenen Multikopter aufsteigen lassen, tun sie das oft auf einer Wiese bei Maulbronn. Und bei allem Spaß an der Technik haben sie die Sicherheit beim Flug von Anfang an mit diskutiert. Weil die Drohnen-Technik immer billiger und leichter zu handhaben ist, gibt es immer mehr Piloten und immer mehr Kopter, die von mehreren Rotoren in der Luft gehalten werden – viele von ihnen bestückt mit Kameras für spektakuläre Luftaufnahmen. Mit der Zahl der Flieger steigen die Risiken. „Irgendeinen gibt es immer, der riskante Dinge treibt“, meint der Pforzheimer Matthias Wurdig.

Ihr Podcast-Kanal „The Dronecast“ spiegelt das von Anfang an wider. Technische Entwicklungen werden darin genauso besprochen wie verantwortungslose Flugmanöver mancher Piloten, deren Drohnen Flugzeugen zu nahe kamen, für eine Provokation bei einem Fußball-Länderspiel sorgten oder beim Präsidentensitz in Washington abstürzten. Im jüngsten „Dronecast“ geht es nun um den Hirscher-Schock und vor diesem Hintergrund um Sinn und Unsinn der Regulierungspläne von Bundesminister Alexander Dobrindt.

Dobrindts Überlegungen: Über bewohntem Gebiet sollen man nur mit Genehmigung fliegen. Gewerbliche Piloten sollen eine Art Führerschein ablegen. In der Nähe mancher Einrichtungen sollen Drohnen gar nicht mehr fliegen. Drohnen mit einem Gewicht über 500 Gramm brauchen Kennzeichnungen – um den Besitzer nach einem Unfall zuordnen zu können. Flughöhen von Drohnen sollen auf 100 Meter begrenzt werden.

Schon jetzt strenge Vorschriften

Sind das praktikable Lösungen? Obwohl die Podcaster aus der Region, die alle auch beruflich mit komplexen Computersystemen zu tun haben, Anhänger klarer Regeln sind, sehen sie einiges kritisch. Die Höhenbegrenzung zum Beispiel: Schon heute gelte für den Modellflug, zu dem die Multikopter gerechnet werden, eine eher strengere Regel, sagt Matthias Wurdig. Piloten dürfen ihre ferngesteuerten Geräte nur dorthin fliegen, wo sie noch Sichtkontakt haben. Da sei schon unterhalb von 100 Metern Flughöhe Schluss.

Und ein Führerschein, so Matthias Wurdigs Überzeugung, ist noch keine Garantie gegen Unfälle. Der Pilot der Kameradrohne beim Ski-Weltcup sei schließlich auch professionell geflogen. Im „Dronecast“ diskutieren die Wurdigs darüber, ob nicht bessere Sicherheitssysteme wichtiger wären. In der Personenluftfahrt gelte das Prinzip, dass alle Systeme mindestens doppelt vorhanden sein müssten. Bei einem Defekt kann der Ersatz übernehmen. So etwas müsse grundsätzlich auch für Drohnen möglich sein. Kleine Fallschirme könnten Abstürze weniger dramatisch machen.

Die Drohnendebatten der Wurdigs im Internet unter www.thedronecast.de