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Manipulierte Automaten:  Ermittler Fred Krause zeigt die Stellen, an denen auch in der Region oft Daten gestohlen werden. Vor dem Karteneinzug kann ein Aufsatz sitzen, der den Magnetstreifen ausliest, über dem Bildschirm eine Kamera, die die Geheimzahl filmt.
Manipulierte Automaten: Ermittler Fred Krause zeigt die Stellen, an denen auch in der Region oft Daten gestohlen werden. Vor dem Karteneinzug kann ein Aufsatz sitzen, der den Magnetstreifen ausliest, über dem Bildschirm eine Kamera, die die Geheimzahl filmt. © Ketterl/Polizei(4)
...und die aufgeklebte gefälschte.  Sie zeichnet auf, was getippt wird.
...und die aufgeklebte gefälschte. Sie zeichnet auf, was getippt wird.
Echte Tastatur am Automaten...
Echte Tastatur am Automaten...
Kartenlesegerät an der Ladenkasse:  Auch hier wird manipuliert.
Kartenlesegerät an der Ladenkasse: Auch hier wird manipuliert.
Eigenbau:  Ein Handy hat eine Bande als Spionagekamera eingesetzt.
Eigenbau: Ein Handy hat eine Bande als Spionagekamera eingesetzt.
13.06.2008

EC-Karten ausgespäht, Konten abgeschöpft: Der Kampf mit den Karten-Kopierern

Ein paar Tage lang hat die junge Pforzheimerin nicht auf ihr Konto geschaut. Als ihre Bank ihr die EC-Karte sperrt, ist sie wie vom Donner gerührt. Die Bank war wegen verdächtiger Abbuchungen aus Rumänien alarmiert worden. Doch da fehlten der Pforzheimerin schon rund 1500 Euro. „Das Geld ist übers Wochenende abgehoben worden“, sagt sie. Am Bankautomaten hatte man ihr unbemerkt erst die Kartendaten gestohlen und kurze Zeit darauf ihr Geld. Ihr Konto ist von einer Bande abgeschöpft worden.

„Skimming“ ist das englische Wort für abschöpfen. Es bezeichnet eine Art modernen Bankraub. Im Enzkreis hat vor rund vier Wochen eine Attacke auf eine Bank in Mühlacker für Schlagzeilen gesorgt. Der Türöffner wurde manipuliert, um die Magnetstreifen der Bankkarten auslesen. Eine Kamera filmte, welche Geheimzahl der Besitzer der Karte eintippte. Solche Daten sollen im April auch zwei Rumänen in einer anderen Bank im Enzkreis gesammelt haben, die der Polizei bei einer Personenkontrolle ins Netz gingen. Staatsanwalt Christian Lorenz bestätigt die Festnahme der Männer, denen die Skimming-Attacke nachgewiesen werden soll.

Immer neue technische Kniffe

Kriminalhauptkommissar Fred Krause hat bei der Polizeidirektion Pforzheim immer öfter mit solchen Fällen zu tun. Und er sieht dabei immer neue technische Kniffe, mit denen Bankautomaten zur Falle gemacht werden. Täuschend echte Aufsätze auf Türöffnern, in die Kunden die Karten schieben, oder Skimmer, die wie echt auf dem Kartenschacht sitzen. Winzige Kameras in der Leiste über den Bildschirmen oder seitlich in Prospekthaltern. Tastaturen, die über die echten geklebt werden. Kleine Chips, die Daten nach draußen senden. Das Problem für die Kunden ist, dass sie den Betrug nicht merken. Denn der Automat funktioniert bei dem Datenklau ganz normal.

Wie schnell Täter die Aufsätze anbringen, wissen die Ermittler durch Bilder der Überwachungskameras. „Ein bis zwei Minuten, und die sind wieder draußen aus der Bank“, sagt Krause. Der spätere Abbau funktioniert genauso schnell. Viel Mühe, sich zu verbergen, geben sich die Täter auch nicht. Sie sind ständig unterwegs. Und sie gehören zu Banden, die sich die Arbeit aufteilen. Ein Team tüftelt die Technik aus. Ein anderes manipuliert damit Automaten und stiehlt Daten. Wieder andere Täter machen sogenannte „White Plastics“, Karten-Klone mit den geklauten Daten. Die Geheimzahl wird einfach draufgeschrieben, damit es zu keinen Verwechslungen kommt. Das Abheben übernimmt eine weitere Gruppe. Das passiert wie in dem aktuellen Fall der Pforzheimerin vom Ausland aus. Fred Krause verweist auf den sogenannten MM-Code, der in Deutschland als zusätzlicher Schutz in Bankautomaten eingebaut ist. Nach Angaben der Euro Kartensysteme GmbH, einer Gesellschaft, die von den Hauptverbänden der deutschen Kreditwirtschaft gemeinsam betrieben wird, erkennt dieses System gefälschte Karten. In Deutschland seien keine Fälle erfolgreicher Abhebungen mit Karten-Kopien bekannt. Im Ausland gibt es diesen Schutz aber nicht.

Hoffen auf Verschlüsselungen

Banken versuchen sich mit technischen Kniffen zu schützen. Vorbauten an Automaten, die verhindern sollen, dass Skimmer darüber angebracht werden, Einzüge, die Karten so schnell in den Automaten holen, dass der Skimmer nicht mitkommt. Doch die Banden tüfteln ebenfalls immer weiter. „Im Moment ist ihr einziges technisches Problem, dass sie die Magnetstreifendaten mit der ausgespähten Geheimzahl in Zusammenhang bringen müssen“, sagt Krause.

Hoffnungen setzt die Kreditwirtschaft in einen Systemwechsel. Kartendaten sollen künftig auf Chips statt auf den Magnetstreifen gespeichert werden. Dann wäre eine Verschlüsselung als zusätzlicher Schutz möglich. Nach Angaben von Tanja Beller, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken, sind von bundesweit rund 93 Millionen Bankkunden-Karten mehr als 70 Prozent bereits mit dem Chip ausgestattet. Die rund 54 000 Automaten seien zu 60 Prozent umgestellt.

Was aber passiert mit den fehlenden 1800 Euro der Pforzheimerin? Laut Tanja Beller werden Skimming-Schäden von den Banken ersetzt: „Außer man hat gegen die Sorgfaltspflicht im Umgang mit seinen Daten verstoßen.“ Das wäre der Fall, wenn man zum Beispiel die Geheimzahl jemandem verraten hätte. Die Skimming-Täter zu schnappen, ist für die Fahnder harte Arbeit. Die Polizei geht davon aus, dass sich Banden auf bestimmte Banken und Automatentypen spezialisieren. Entsprechend schnell schlagen sie zu und sind gleich wieder weg. Es sei denn, sie benehmen sich bei einer Polizeikontrolle verdächtig – wie die beiden verhafteten Männer von Ende April.