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Zauberhafte Feier in der Turn- und Festhalle: Hier sorgt der Bad Wildbader Zauberkünstler Patrick „Magic Paddy“ Breil für Stimmung unter den Gästen der Jubiläumsfeier des 1. FC Unterreichenbach. Foto: Hegel

Ein Hoch auf die „Höfleswetzer“: Der FC Unterreichenbach läutet sein Jubiläum ein

Unterreichenbach. Aller Anfang ist schwer. 1919 entschlossen sich sieben junge Männer, den 1. FC Unterreichenbach zu gründen. Von den Einheimischen wurden die Hobby-Fußballer scherzhaft „Höfleswetzer“ genannt. Für viele Kriegsgebeutelte war der aus England importierte Ballsport damals reine Zeit- und Geldverschwendung.

Ein Irrtum, wie sich zeigte: 100 Jahre später läutete der 340 Mitglieder starke Verein am Samstagabend sein Jubiläumsjahr mit einer Feier in der Turn- und Festhalle ein – und hat für die 200 Gäste mit einem elf-jährigen Gesangstalent einen ganz besonderen Showact organisiert, der schon vor Dieter Bohlen auf der Bühne stand.

Um 19 Uhr schallen die ersten „Zugabe“-Rufe durch die Halle. Dass das Publikum schon zu so früher Stunde aufgeheizt ist, liegt wohl daran: Auf der Bühne wird Helene Fischers Hit „Atemlos“ dargeboten – aus voller Kehle gesungen vom 11-jährigen Miguel Gaspar aus Unterhaugstett. Der kleine Schlagersänger trat 2018 in der RTL-Show „Das Supertalent“ auf – und rührte Jurorin Sylvie Meis zu Tränen. „Dieter Bohlen hat sich total geändert“, erinnert sich Miguel an seinen Auftritt damals, „der ist gar nicht mehr so streng.“ Der Zauberkünstler Patrick „Magic Paddy“ Breil aus Bad Wildbad ließ anschließend Eheringe auf der Bühne verschwinden und brachte einen Tisch zum Schweben.

Ganz so gelassen wie an diesem Abend ging es nicht immer zu in der Geschichte des FCU. Wirtschaftskrise, Weltkrieg und das Hochwasser im Juli 1999, bei dem das Vereinsheim umspült wurde, gefährdeten mehrmals die Existenz des Vereins. Auf der anderen Seite steht der Erfolg. 1989 spielte die erste Mannschaft in der Landesliga. Manch Spieler des Gast-Teams fragte sich: „Ei, wo isch denn’s Stadion“, als er damals am Sportplatz in Unterreichenbach ausstieg, erinnert sich Vorstand Steffen Rothfuß.

Eine besondere Verbindung zum Verein hat auch Bürgermeister Carsten Lachenauer, für den der Fußballclub 1992 als Zugezogener erste Anlaufstelle im Ort war. Regelmäßig ging er nicht nur beim FCU seiner Leidenschaft zum Fußball nach, sondern steht seit elf Jahren auch für die Deutsche Nationalmannschaft der Bürgermeister auf dem Feld.

Auch wenn es immer mehr zu einer „Sisyphos-Aufgabe“ wird, ehrenamtliche Helfer zu finden, blickt Rothfuß optimistisch in die Zukunft. Durch die seit 2011 bestehende Spielgemeinschaft mit Schwarzenberg sind bis auf die D-Jugend alle Mannschaften besetzt. Damit steht den nächsten 100 Jahren nichts entgegen.