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"Jahrhundertkraut" nennt Roy Kieferle den Bärlauch, den er gerne in der Küche einsetzt – allerdings immer in Maßen. 

Ein Kraut mit vielen Fans: Bärlauchwanderung mit PZ-Kolumnist Roy Kieferle

Dobel. Frühlingszeit ist Bärlauchzeit – und das nicht nur für Koch und PZ-Kolumnist Roy Kieferle. Nach zweijähriger Corona-Zwangspause war der Kräuterexperte am Mittwoch wieder auf dem Dobel unterwegs, um mit einer großen Schar an Wissbegierigen interessante Details zu diesem universellen Küchenkraut zu vermitteln.

Vom Dorfplatz bis zum Bärlauchparadies ist es nur eine kurze Wegstrecke, die die Wanderer bewältigten. Alle haben Körbe und Taschen dabei, um vor Ort die Pflanze zu sammeln, die Kieferle selbst "Jahrhundertkraut" nennt. "Ich wohne zwar auf dem Dobel, war aber noch nie bei einer seiner Bärlauch-Wanderungen", gesteht Brigitte Grässle, die sichtlich interessiert den Ausführungen des Küchenprofis über die Vitalstoffe des Gewürzkrautes lauscht.

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Ab in die Körbe mit den Pflanzen, die vielfältig verwendet werden können und voller Nährstoffe stecken.

"Der wilde Knoblauch, der im Volksmund Bärlauch genannt wird, gehört wie seine Verwandten Knoblauch, Zwiebeln und Schnittlauch zu den blutreinigenden Küchenkräutern", sagt Kieferle. Bereits im Mittelalter habe Hildegard von Bingen die heilende Wirkung des Wildkrauts als Sud, Umschläge oder als Rohbeigabe im Salat zu nutzen gewusst, um Menschen zu helfen.

Nur in kleinen Mengen genießen

Der unter dem lateinischen Namen "Allium ursinum" bekannte Bärlauch gilt als Therapeutikum, und damit als Heilmittel, das in kleinen Portionen nicht nur als Würze unter die Speisen gemischt werden kann. Dass die prall gefüllten Blätter einen ungewöhnlich hohen Magnesiumgehalt und mehr Eisen, Magnesium, Mangan, Vitamin C und ätherische Öle als Knoblauch enthalten, ist für viele der Anwesenden ein Novum und motiviert, eine möglichst große Menge an Bärlauch zu sammeln.

"Die unglaublich gute Wirkung von Bärlauch sollte jedoch ausschließlich in kleinen Mengen genossen werden" so die Aussage vom Kräuterprofi, der darüber hinaus warnt: "Viel hilft nicht immer viel". Nachdem die Körbe mit Bärlauch gefüllt sind, gibt es Kniffe und Tricks zu erfahren, wie Blüte, Stiel und Blätter des Bärlauchs zu verarbeiten sind.

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Ute Geisler aus Neuenbürg und viele andere Teilnehmer ernten und informieren sich gleichzeitig.

Mit flinken Händen mischt Kieferle einen Aufstrich aus frisch geschnittenem Bärlauch und Ziegenquark, der als Snack auf einem selbstgebackenen Dinkelbaguette allen Anwesenden mundet. Dann beginnt die Frage- und Antwortrunde.

Bärlauch vielseitig verwendbar

Anita Meier aus Höfen ist begeistert, dass Bärlauch problemlos eingefroren werden kann, während das Ehepaar Hauf aus Schömberg die Herstellung von Bärlauch-Essig mit nur drei mittelgroßen Blättern des Krautes fasziniert. Auch Ute Geisler aus Neuenbürg stellt fest:

"Ich habe wieder etwas dazugelernt. Denn ich wusste nicht, dass Blüten in Essig eingelegt werden können."

Gabriele Krautz ist mit ihrer Freundin Brigitte Herr aus Conweiler angereist, um als bekennender Bärlauch-Fan ihr Wissen aufzufrischen. Sie verarbeitet die Entschlackungspflanze am Liebsten als kulinarische Gaumenfreunde mit Pecorino und Pinienkernen zu Pesto.

"Ich kenne Roy Kieferle schon seit seiner ersten Bärlauchwanderung und arbeite mit seinen Rezepten seit 30 Jahren", so ihr Tenor. Und zum Erstaunen aller zog sie die erste Ausgabe der Bärlauch-Fiebel von Buchautor Roy Kieferle aus der Tasche, um sich ihre Lieblingslektüre nach so langer Zeit nun endlich persönlich signieren zu lassen.