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Nach Einbrüchen sind die Sachschäden oft hoch, doch die psychischen Folgen für die Einbruchsopfer wiegen oft schwerer.
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Polizisten stellen für eine Beratung nach, wie Einbrecher Türen und Fenster knacken. Opfern macht oft lange die Vorstellung zu schaffen, dass ein Fremder in ihr privatestes Umfeld eingedrungen ist. Foto: Rumpenhorst/dpa-archiv
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Spuren des Einbruchs an der Balkontür der Königsbacher Familie. Foto: Privat
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Materielle Schäden sind für sie leichter zu verdauen als die Verunsicherung. Foto: Privat

Ein Opfer berichtet: Einbrecher spukt noch lange durch die Köpfe

Einbrüche hinterlassen bei Betroffenen Gefühle tiefer Unsicherheit. Eine Familie aus Königsbach-Stein erzählt, was sie empfindet.

Nachts ist es besonders schlimm. Ist eine der Katzen der jungen Königsbacher Familie im Haus unterwegs und es rumpelt, ist der Hausherr sofort hellwach. „Ich werfe mir was über, gehe aus dem Schlafzimmer und suche, ob nicht ein Einbrecher im Haus ist.“ Praktisch jede Nacht sei das so, erzählt der Königsbacher. Und das noch zweieinhalb Monate nach dem Tag, an dem die Familie nach der Rückkehr aus dem Urlaub vor dem Chaos eines Einbruchs in ihrem Haus stand.

Es ist ein Fall, für den die Polizei einen Verdächtigen schnell ermittelt hat. Keinen Profi von weit her, sondern jemand aus dem Dorf. Man sieht sich, solange es noch nicht zum Prozess kommt. Die Erinnerung bleibt allzu lebendig, sagen die Einbruchsopfer. Der Schaden durch die kaputte Tür, durch die sich der Einbrecher Zutritt verschafft hatte, der Wert dessen, was er mitgehen ließ, ist für die Betroffenen dabei die geringste Belastung. Was nachwirkt, sind Emotionen: Ängste. Wut, Verunsicherung.

„Ich habe erst mal alles durchgewaschen“, erzählt die Ehefrau: „Bettwäsche, auf der er herumgelaufen ist, um hinter ein Bild im Schlafzimmer zu schauen, Kleidung, die er durchwühlt hat – ich hatte das Gefühl, der war überall mit seinen Fingern drin.“ Von der Beute – einzelne Stücke davon hatte die Polizei bei einer Durchsuchung beim Verdächtigen gefunden – schmerze sie vor allem, dass Schmuck abhanden gekommen sei, den sie von der Großmutter geerbt habe. „Das ersetzt einem kein Geld“, sagt sie. Und obwohl die Versicherung sich menschlich gezeigt habe, sei es schlimm gewesen, nachweisen zu müssen, was von ihrem Besitz alles verschwunden sei.

Vor allem aber ist es der „Film im Kopf“, den sie nicht mehr loswerden. Die Gedanken daran, wo der Einbrecher überall im Haus gewesen ist, der sich viel Zeit genommen haben müsse. Das Schlafen in Etappen, das sich die Ehepartner angewöhnt haben. Die gegenseitigen Ermahnungen, wenn man auch nur das jüngste Kind bei offener Balkontür wickeln geht. Die quälenden Grübeleien in den ersten Tagen nach der Tat, als sie sich die Köpfe zermartert hätten, wem im Dorf sie was über ihren Urlaub erzählt hätten.

Immerhin der Grübelei hat der schnelle Ermittlungserfolg der Polizei ein Ende bereitet. Doch jetzt wartet die Familie auf den Prozess. Wie auf Kohlen. Und auch die Einbruchsberichte aus dem Enzkreis nehmen sie ganz anders wahr als früher. „Es wird lange dauern, bis sich alles wieder normalisiert“, sagen die Königsbacher. Doch so sehr die Nähe zum Verdächtigen eine Belastung ist – das Dorf hilft der Familie auch. Es seien viele, die nachfragten, wie es ihnen geht. Ein gutes Gefühl.