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Ein Tag nach dem Brand in der Tiefenbronner Kirche © Keller
25.03.2013

Ein Tag nach dem Brand in der Tiefenbronner Kirche

Tiefenbronn. Nach dem Brand im Vorraum der Sakristei der Tiefenbronner Kirche St. Maria Magdalena sitzt der Schreck allen noch in den Knochen. Diplom Restauratorin Christiane Böke hat sich zusammen mit Annemarie Gindele vom Pfarrbüro und den Kirchengemeinderäten Waltraud Rothweiler-Wurst und Bernd Lachenmaier einen ersten Überblick über den Zustand der wertvollen Altäre und der übrigen Kirchenausstattung verschafft.

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Keiner mag sich ausmalen was alles hätte passieren können, wenn das Feuer länger unbemerkt geblieben wäre und mehr Zeit zum Ausbreiten gehabt hätte.

„Ein mittelalterliches Ensemble wie hier trifft man heute kaum noch an“, erklärte Christiane Böke, die mit den Kunstschätzen der Tiefenbronner Kirche vertraut ist. Vor zwei Jahren sind die Altäre aufwändig restauriert worden, erst im letzten Jahr war eine Reinigung der Werke durchgeführt worden. „Der Lukas Moser Altar ist ein Werk von europäischem Rang“, erklärte Böke. „Als ich vom Brand gehört habe, da schlug das Herz schon schneller.“ An einem alten Holzschrank im Vorraum der Sakristei hat das Feuer deutliche Spuren hinterlassen. In der benachbarten Sakristei sind ein riesiger alter Holzschrank mit aufwändigen Schnitzereien, eine Johannes Figur und ein Tabernakel glücklicherweise verschont geblieben, genauso wie der Kirchenraum mit seinen Kunstschätzen. Der Rauch hat sich von den geschlossenen Türen allerdings nicht aufhalten lassen. Bei der Begehung der Kirche zeigte Böke Besonnenheit und machte deutlich, dass allzu beherzte Putzaktionen nicht unbedingt die erwünschte Wirkung hätten. Auch von der Beauftragung einer Reinigungsfirma riet sie ab. „Bevor man überstürzte Reinigungsaktion startet, müssen die Leute richtig ausgerüstet und eingewiesen werden“, erklärte sie. Mit Taschenlampe und einem weißen Staubtuch ausgerüstet ging sie zum Lukas Moser Altar aus dem Jahr 1432 und nahm das „Schätzchen“ in Augenschein. „Da sind jetzt nicht so dicke Beläge“, urteilte sie beim Blick auf die Schlieren, die nach vorsichtigem Wischen im unteren Bereich des guten Stückes auf dem Tuch zu sehen waren. Ähnliches stellte sie für den Hochaltar von Hans Schüchlin aus dem Jahr 1469 fest. Für die am Dienstagmorgen geplante Putzaktion empfahl sie deshalb eine trockene Reinigung der Kirchenbänke. Zunächst müsse aber der Fußboden im Raum mit dem Brandherd gereinigt werden. „Wichtig ist, dass die Partikel nicht noch mehr verteilt werden“, erklärte sie und rüstete auch den Staubsauger mit einem speziellen Filter aus. Böke riet für das anstehende Osterfest nur das Nötigste zu reinigen und lieber danach in aller Ruhe zu überlegen, was zu tun sei und ob man für die Kunstwerke wieder eine Wartung ansetzen müsse. Schon während des Gesprächs mit der Fachfrau sahen die Kirchengemeinderäte dem Osterfest, der eine Woche später angesetzten Goldenen Kommunion und der Erstkommunion in zwei Wochen ein kleines bisschen zuversichtlicher entgegen. „Das ist im Moment schon heftig, merkte Gemeinderatsvorsitzende Rothweiler-Wurst an. „Wir haben erst kürzlich den Kirchturm machen lassen und als nächstes steht das Gemeindehaus an“, fürchtete sie unüberschaubare Kosten auf die Kirchengemeinde zukommen und bat zu erwähnen, dass man auch gezielt für die Kirchenausstattung spenden könne.