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Vorher, nachher  an der A 8: Ein Tunnel am Enzberg in Niefern wird Anwohner vor dem Lärm schützen und sich in die Landschaft einpassen. Heute dröhnt der Lärm ungehindert auf die Gebäude.
Vorher, nachher an der A 8: Ein Tunnel am Enzberg in Niefern wird Anwohner vor dem Lärm schützen und sich in die Landschaft einpassen. Heute dröhnt der Lärm ungehindert auf die Gebäude.
Die A 8 im Enztal  ist eine europäische Verkehrsachse: Beim sechsspurigen Ausbau wird die Autobahn hier 400 Meter lang überdeckelt.
Die A 8 im Enztal ist eine europäische Verkehrsachse: Beim sechsspurigen Ausbau wird die Autobahn hier 400 Meter lang überdeckelt. © Seibel
18.03.2008

Ein Tunnel für die A 8 im Enztal

PFORZHEIM/ENZKREIS. Der gordische Knoten beim Ausbau der Autobahn im Enztal ist durchschlagen. Der Bund hat die Mehrkosten für den überirdischen Tunnel der A 8 genehmigt. Ein Deckel schützt die Anwohner vor dem Lärm.

Eine hochkarätige Runde erfuhr gestern beim regionalen A-8-Gipfel in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Pforzheim die frohe Botschaft aus erster Hand. Karin Roth (SPD), Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, zog einen Schlussstrich unter die jahrelangen Auseinandersetzungen um den Lärmschutz. Der Bund finanziert beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn im Abschnitt zwischen Pforzheim-West und Pforzheim-Süd/Wurmberg die Mehrkosten von 10 Millionen Euro für einen knapp 400 Meter langen Deckel, der im Enztal in die Landschaft eingepasst wird.

Planerörterung im August 2009

Die Bundesfernstraße im Enztal ist über 70 Jahre alt. Seit 30 Jahren fordert die Region den Ausbau. Wann aber der Startschuss fällt für die Erweiterung auf sechs Spuren, ist noch nicht geklärt. Im August 2009 will das Land die neuen Pläne bei der Planerörterung in Niefern auf den Tisch legen, kündigte Rudolf Köberle (CDU), Baden-Württembergs Verkehrschef, gestern an. „Ende 2010 wollen wir das Verfahren dann unter Dach und Fach haben“, sagte Karin Roth.

Baubeginn wird aber kaum vor 2013 oder 2014 sein, selbst wenn der Plan bis dahin rechtsgültig sein sollte. Zuerst will das Leistungsverzeichnis für die Baufirmen erstellt sein, dann muss der Bund die erste Rate aufs Konto des Landes überweisen. Der Ausbau der A 8 im Enztal kommt zudem erst nach der sechsspurigen Erweiterung zwischen Karlsbad und Pforzheim-West an die Reihe. Und dieser am stärksten belastete Abschnitt der A 8 wird frühestens 2011 ausgebaut.

So sehr sich die Vertreter der Region über die Botschaft aus dem Bundesverkehrsministerium freuten, so fielen doch auch Wermutstropfen in den Kelch. „Die insgesamt 20 Millionen Euro, die wir zusätzlich im Enztal verbrauchen, können wir woanders nicht mehr verbauen“, sagte Köberle. „Es gibt dann die eine oder andere Ortsumgehung weniger in Baden-Württemberg“, bestätigte Roth. In der Prioritätenliste des Bundes sei die Westtangente in Pforzheim in die Ferne gerückt: „Es gibt im Südwesten fünf wichtigere Projekte mit unerträglichen Belastungen für die Bevölkerung.“ Im wahrsten Sinn in die Röhre schaut auch Kieselbronn – der Bund wird den 380 Meter langen A-8-Tunnel am Nieferner Enzberg nicht verlängern. „Wir haben Kieselbronn jedoch zugesagt, den Lärmschutz zu verbessern“, so Karin Roth, „aber die Belastung in Niefern und Eutingen ist anders als in Kieselbronn.“ „Wir sind zu einem konstruktiven Dialog bereit“, sagte Kieselbronns Bürgermeister Heiko Faber, die Gemeinde werde aber die Pläne „kritisch betrachten“. Die Gemeinde hatte bereits einen Gutachter für Lärmschutzlösungen eingeschaltet. Die Bundestagsabgeordneten Katja Mast (SPD) und Gunther Krichbaum (CDU) hatten den Pforzheimer A- 8-Gipfel initiiert. Sie machten keinen Hehl aus ihrer Genugtuung, dass der Bund nach langen Verhandlungen einen Schlussstrich zu ziehen vermochte. „Wir haben in der Öffentlichkeit zweieinhalb Jahre geschwiegen“, sagte Mast. „Das stille Wirken im Hintergrund hat Wirkung gezeigt“, so Krichbaum.