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Die Höfener Kirche hat einen berühmten Baumeister: August von Beyer hat unter anderem den Bau des Ulmer Münsters begleitet. Foto: Schabert

Ein ganz besonderes Gotteshaus in Höfen

Höfen. Für Pfarrer André Søvde ist es die Hauptveranstaltung zum 125-jährigen Kirchenjubiläum in Höfen: das Sommerfest am Sonntag, 14. Juli. Die evangelische Kirchengemeinde feiert dann die Fertigstellung ihres Gotteshauses im Jahr 1894. Fremde, die in den Ort kommen, bewundern das schmucke Bauwerk, das im neugotischen Stil fast ein wenig städtisch wirkt und doch ins Ortsbild bestens eingefügt ist. Ein solches Gotteshaus erwartet man nicht in einem Dorf, das zum Zeitpunkt des Baus nicht einmal 1000 Einwohner hatte. Heute gibt es nur etwas über 1700 Höfener.

Wer den Baumeister kennt und weiß, dass viele Höfener Familien in der Zeit des Kirchenbaus durch Holzhandel und -bearbeitung sowie Flößerei begütert waren, wundert sich aber nicht über die Gestaltung. Geplant wurde der Bau durch den Ulmer Münster-Baumeister August von Beyer (1834 bis 1899), der die Errichtung begleitete. Der Bauplatz für die Höfener Kirche wurde von der Unternehmerfamilie Commerell gestiftet und der Bau auch von anderen gefördert. Die Commerells sind im Altarfenster verewigt. Das Gasthaus „Alte Sonne“ musste dem 1892 begonnenen Kirchenbau weichen.

Baumeister Beyer war vom Württembergischen König in den Adelsstand erhoben worden. Für ihn hatte er ab 1864 das zuvor als Jagdschloss genutzte Kloster Bebenhausen restauriert und es zum Königsschloss umgestaltet. Später war Beyer für die Vollendung des Ulmer Münsters verantwortlich, die 1890 mit der Aufsetzung der Kreuzblume auf dem mit 161,5 Metern höchsten Kirchturm der Welt abgeschlossen wurde.

Während des Baus in Höfen lief parallel für den Neugotik-Experten von 1886 bis 1894 auch die umfassende, 1886 begonnene Renovierung und Umgestaltung der Heilbronner Kilianskirche. Nebenbei sorgte der Architekt im Jahr 1893 auch für die Fertigstellung des seit 1521 in knapp 61 Metern Höhe unterbrochenen Turms des Berner Münsters.

Eine besondere Auszeichnung erhielt die evangelische Kirchengemeinde Höfen im Jahr 2012. Damals gab es vom Nabu eine Urkunde als Schützerin des „Lebensraums Kirchturm“. Bei den damaligen Renovierungsarbeiten wurden Turmfalken entdeckt, für deren Wohlergehen man eine längere Bauzeit in Kauf nahm.

Der Kirchenbau steht im Mittelpunkt des Fests, das am Sonntag um 10 Uhr mit buntem Programm beginnt und seinen Höhepunkt um 16 Uhr mit dem Kirchenkonzert des MV Höfen hat.