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08.07.2008

„Ein regelrechtes Blutbad“ im Wilferdinger S-Bahnhof - Gericht verurteilt junge Schläger

ENZKREIS/PFORZHEIM. Im Prozess gegen die S-Bahn-Schläger von Wilferdingen sind die Urteile gefällt. Das Jugendschöffengericht sprach von einer schwerwiegenden Tat und verhängte Jugendstrafen – zur Bewährung. 

Damit folgten Richter Ingo Mertgen sowie die Schöffen Erika Velte und Kai Schnirch weitgehend den Forderungen von Staatsanwalt Andreas Schröder, der seine Kollegin Friedericke Tenckhoff vertrat. Weil die Verteidiger der Beschuldigten einheitlich auf Rechtsmittel verzichteten, sind die Urteile bereits rechtskräftig.

Die Angeklagten hatten in der Nacht zum 1. November 2006 zwei Männer an der S-Bahn-Haltestelle Wilferdingen-Singen völlig grundlos krankenhausreif geschlagen. Alle vier erhielten nun Jugendstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten – ausgesetzt für zwei Jahre auf Bewährung – und weitere Auflagen: Dazu gehören der Besuch eines Anti-Aggressions-Trainings oder eines sozialen Trainingskurses. Zwei Angeklagte müssen 300 beziehungsweise 200 Euro an eines der Opfer zahlen, zwei andere hingegen 40 Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung ableisten.

Von der Auferlegung der Kosten des Verfahrens, die sich laut Ingo Mertgen im Bereich mehrerer tausend Euro bewegen werden, wurde jedoch abgesehen. Die jungen Männer seien gerade dabei ihr Leben zu ändern und sich ein berufliches Standbein zu schaffen – eine Geldlast in dieser Höhe wäre deshalb nicht die richtige Strafe gewesen.

„Es war eine vollkommen sinnlose Tat, die mit einem regelrechten Blutbad geendet hat. Darum ist bei den Angeklagten die Schwere der Schuld gegeben“, erklärte Mertgen unmittelbar nach der Urteilsverkündung. Das Schöffengericht hatte bei allen vier Schlägern beschlossen, Jugendstrafrecht anzuwenden. Weil die Tat jedoch so schwerwiegend und brutal gewesen sei, kam im Endeffekt nur eine Jugendstrafe in Betracht. So wurden Pascal W. (alle Namen geändert) zu zehn Monaten, Samuel L. zu zwölf Monaten, Manuel M. zu neun Monaten sowie Thomas B. zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Richter hielt den Angeklagten zugute, dass sie sich im Prozess reuig und im wesentlichen geständig gezeigt hätten. Positiv sei auch die Tatsache gewesen, dass keiner der Schläger im Jahr nach der Tat noch einmal aufgefallen sei. Trotzdem habe das Schöffengericht den Anträgen der Verteidiger nicht nachgeben können – lediglich ein Anwalt hielt die Jugendstrafe für angemessen. Die anderen drei sprachen auch von einer „schrecklichen Tat“, wiesen aber darauf hin, dass das Jugendstrafrecht in erster Linie eine erziehende Aufgabe habe. Sie plädierten für Paragraf 27 des Jugendgerichtsgesetz (JGG), durch den die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe für einen bestimmten Zeitraum verzögert werden kann, sofern keine schädliche Neigung des Angeklagten vorliegt.