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Ein Erinnerungsfoto für die Eingebürgerten mit Landrat Helmut Riegger (hintere Reihe, sechster von links). Fotos: Landratsamt Calw/Bruno Knöller
Ein Erinnerungsfoto für die Eingebürgerten mit Landrat Helmut Riegger (hintere Reihe, sechster von links). Fotos: Landratsamt Calw/Bruno Knöller
Eine junge Bulgarin hat die Liebe in Bad Wildbad gefunden und wurde Deutsche. Uwe Göbel interviewt sie.
Eine junge Bulgarin hat die Liebe in Bad Wildbad gefunden und wurde Deutsche. Uwe Göbel interviewt sie.
Eine Einbürgerungs-Urkunden übergibt Helmut Riegger an diese junge Frau.
Eine Einbürgerungs-Urkunden übergibt Helmut Riegger an diese junge Frau.
Moderator Uwe Göbel (rechts) freut sich mit einem Ex-Amerikaner und Frau.
Moderator Uwe Göbel (rechts) freut sich mit einem Ex-Amerikaner und Frau.
09.11.2018

Einbürgerungsfeier des Landkreises Calw enthüllt spannende Biografien

Kreis Calw. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist heiß begehrt. Das machte die dritte Einbürgerungsfeier des Landkreises Calw im Landratsamt deutlich. „Seit der letzten Einbürgerungsfeier 2014 wurden insgesamt 898 Personen eingebürgert“, freute sich Landrat Helmut Riegger vor rund 70 Interessierten.

„Allein in diesem Jahr haben sich 149 Personen dazu entschlossen. 40 bis 50 Einbürgerungen stehen noch aus, so dass wir wohl 2018 eine Zahl um die 200 erreichen werden“, berichtete der Kreischef, der mit allen Anwesenden aus voller Kehle die Nationalhymne sang.

Auf der Hitliste der Neubürger steht die Türkei ganz oben – „angesichts der dortigen Entwicklung kein Wunder“, so Riegger. Er beleuchtete noch einen weiteren Aspekt: „An der Zahl der Einbürgerungen aus Großbritannien wird deutlich, wie sehr nationale und internationale Entscheidungen, wie der bevorstehende Brexit, das Leben vieler Menschen bis in ihr Privatleben beeinflusst.“ Aber auch aus Kroatien, dem Kosovo, Portugal, China, Kuba, dem Irak und vielen weiteren Ländern – insgesamt aus 75 Nationen – hätten sich Menschen im Kreis Calw und dafür entschieden, deutsche Staatsbürger zu werden.

Die ersten Wahlen stehen an

Die wenigsten Neu-Deutschen seien jedoch Flüchtlinge. Für den Landrat gilt: „Wenn es uns gut geht, müssen wir – auch wegen unserer Vergangenheit – andere Menschen an unserem Wohlstand und unserer Demokratie teilhaben lassen.“ Über 3500 Mal sei im Kreis politisches Asyl gewährt worden.

Riegger sagte, dass mit der Einbürgerung nun die Möglichkeit bestehe, „zu wählen und sich wählen zu lassen.“ Das gelte für die meisten erstmals am 26. Mai 2019 bei den Wahlen zu den Gemeinderäten, zum Kreistag und zum Europaparlament. Seine Aufforderung: „Nehmen Sie dieses Recht in Anspruch und gestalten Sie unsere Gesellschaft auch politisch mit.“

Bevor die geladenen Gäste zu einem Stehempfang gebeten wurden, moderierte Landratsamts-Mitarbeiter Uwe Göbel drei Gesprächsrunden mit neuen Deutschen. Eine Bulgarin aus Bad Wildbad begründete ihren Schritt in perfektem und akzentfreiem Deutsch: „Mein Freund kommt aus der Ecke, und deshalb bin ich hierher gezogen. Ich hätte nie gedacht, dass ich hierbleiben würde.“ Die junge Frau engagiert sich sozial, bringt Schüler spielend und in Gesprächen dazu, zusammen Probleme zu lösen, und nimmt in einem sogenannten Teddybären-Krankenhaus den Kleinsten die Angst vor dem Arzt.

Eine Erfolgsgeschichte ist auch die Biografie einer einstigen Polin und ihrer zwei Kinder im Nagolder Bereich. Die Frau arbeitete lange Zeit als Putzfrau, hat inzwischen ihr polnisches Pädagogik-Diplom anerkennen lassen und ist nun als Erzieherin tätig. Die Tochter ist hierzulande Friseur-Gesellin geworden, gewann mehrere Wettbewerbe und strebt nun den Meisterbrief an. Der Sohn holte für den VfL Nagold die Bronzemedaille bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Gewichtheber und will in den Bundeskader aufgenommen worden.

Interessant auch, dass ein 91-jähriger Amerikaner in Neubulach, der einst Deutscher war, wieder zurück zu den Wurzeln mit seiner Einbürgerung fand.