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Die Akten hat Doris Hötger jetzt zugeklappt: Die langjährige Chefin des Diakonieverbands Enzkreis ist jetzt im Ruhestand.  Foto: Meyer 

Eine Stütze für das Miteinander: Doris Hötger geht nach 30 Jahren Arbeit für die Diakonie in Ruhestand

Enzkreis/Pforzheim. „Gemeinsam statt einsam“: So lautete die Überschrift der PZ zu einem Bericht nicht über nachbarliche Unterstützung in der Coronakrise, sondern zu einem Text über ein Konzept, für das sich Doris Hötger 2009 in Königsbach-Stein stark gemacht hat. „Wohnen in Reichweite“, hieß das Konzept: „Bewusst gepflegte Nachbarschaft“. Damals hätte sich die langjährige Geschäftsführerin des Diakonieverbands Enzkreis nicht ausgemalt, wie lebenswichtig die damalige Idee am Ende ihrer beruflichen Karriere sein würde: Die Viruspandemie macht Nachbarschaftshilfe zu einem Pfeiler des Zusammenlebens.

Seit dieser Woche ist Doris Hötger im Ruhestand, hat die Geschäfte zum 1. April an Markus Kolb übergeben. Und dabei noch Lösungen für die Einschränkungen durch Corona finden müssen, wie man Hilfsbedürftigen auch bei Kontaktsperren beistehen kann. Und das bei Personen, die unter der Situation ohnehin besonders leiden: Menschen, die an Depressionen, Psychosen, Autismus, Borderline oder anderen Störungen erkrankt sind auf der einen Seite, oder einfach Senioren, die bei den „Hilfen im Alter“ Rat suchen. Zum Glück sind die rund 20 Mitarbeiter des Diakonieverbands, der von den Kirchenbezirken Badischer Enzkreis, Mühlacker und Neuenbürg getragen wird, ohnehin Experten für Hilfe in schwierigen Lebensituationen.

Amt mit Leidenschaft und Herzblut geführt

In besonderem Maß gilt das für die langjährige Chefin. Doris Hötger stammt aus Merklingen auf der schwäbischen Alb, aber längst ist sie aus Pforzheim, Mühlacker und dem ganzen Enzkreis nicht wegzudenken. Ganz besonders mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst verbindet man ihren Namen. Seit 1990 war die heute 63-Jährige in diesem Bereich im Einsatz, hat den Dienst wesentlich geprägt. In den Kirchenbezirken steht Doris Hötger aber auch für das Knüpfen von Kooperationen und Zusammenschlüssen etwa bei der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Oder auch als treibende Kraft für die Gründung des Diakonieverbands Enzkreis 2017: „Sie hat ihr Amt mit Leidenschaft und Herzblut geführt“, sagt Dekan Christoph Glimpel aus Göbrichen über Hötger: „Immer wollte sie das Beste herausholen für ‚ihren‘ Diakonieverband.“ Oft über Organisationsgrenzen hinweg. Für unbürokratische Hilfe hat Hötger gerne mit dem PZ-Hilfswerk „Menschen in Not“ zusammengearbeitet.

Auch Krisen haben sie noch nie umgeworfen. Zum Start als Geschäftsführerin holte sie den Sozialpsychiatrischen Dienst aus einer ernsten Finanzierungskrise. So schaut sie auf die derzeitige Pandemiekrise auch mit Optimismus: „Es wäre gut, wenn die derzeitige Bereitschaft, einander zu helfen, auch nach der Krise anhält“, sagt sie: „Unsere Gesellschaft hätte Bedarf an mehr Miteinander.“

Apropos miteinander: Doris Hötger geht zeitgleich mit Ehemann Gerhard in Ruhestand. Eigentlich die Chance für gemeinsame Reisen – wäre da nicht Corona. „Ich mache mir trotzdem keine Sorgen, dass uns langweilig wird“, lacht Doris Hötger: „Wir werden bald Großeltern.“

Alexander Heilemann

Alexander Heilemann

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