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Der Landtagsabgeordnete Bernd Murschel sieht seinen Job als Bürgerauftrag.  Foto: Meister 

Einsatz für Moorlandschaften: Grünen-Landtagsabgeordneter fordert ein Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturschutz

Schömberg. Ein Plädoyer für den Schutz der Moorlandschaften hielt der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Murschel bei der Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen in Langenbrand. Seine Ausführungen sorgten für eine intensive Diskussionsrunde. Murschel gab Einblicke zum Thema „Landnutzung und Klimaschutz“. Er ist seit 2006 Mitglied im baden-württembergischen Landtag und derzeit umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion.

Für Murschel ist es unabdingbar, die Moorlandschaften zu schützen, da eine intensive Bewirtschaftung enorme Emissionen freisetzen würden. Murschel plädiert für eine Wiederbelebung zahlreicher Moore und deren Renaturierung. Die Niedermoorflächen sollen seiner Meinung nach schrittweise an eine Reduzierung des Ausstoßes von Klimagasen angepasst werden. Chancen erkennt er in Humusböden, da dieses eine maßgebliche Funktion für den Klimaschutz darstellen. International wurde eine Initiative gestartet, die den Anteil an Humusböden von vier Prozent auf acht Prozent erhöhen und die jährlichen weltweiten Treibhausgase um ein Drittel reduzieren könnten.

Laut Murschel ist dies aber nur über einen Zeitraum von zehn Jahren möglich, wäre jedoch bei der derzeitigen Situation ein wichtiger Fingerzeig. „Wir müssen mit- statt gegeneinander arbeiten“, stellte Murschel im Hinblick auf die Landwirtschaft klar. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe signifikant nach unten geht und vor allem in Süddeutschland von familiären Betrieben getragen werden.

„Der Industrialisierungsprozess wird den Landwirten aufgezwungen und es bleibt kein Spielraum für andere Dinge“, bedauerte Murschel. Es sei notwendig, die Landwirtschaft differenziert zu betrachten und nicht jeden konventionellen Betrieb zu kritisieren. Deshalb sieht er es als selbstverständlich an, die landwirtschaftlichen Betriebe beim Volksbegehren „Rettet die Biene“ mit ins Boot zu nehmen.

Murschel wünscht sich einen höheren Anteil ökologischer Produkte, stellte zugleich aber klar, dass weder die Landwirte noch die Endverbraucher dazu gezwungen werden können. „Für uns als Landesregierung gilt es deshalb, die Strukturen zu schaffen“, so Murschel.

Praktisch gestalte sich dies aber schwierig, da insbesondere Kantinen oder anderen Großküchen ökologische Lebensmittel zu teuer seien. Mit der Förderung des Dauergrünlands, dem Moorschutz- und Gewässerrandstreifenprogramms, Biolandflächen und Holzbauoffensiven haben die Grünen laut Murschel in den vergangenen Jahren einiges bewegt. „Vor unserer Zeit an der Regierung haben uns die Parteien nur mitspielen lassen“, blickt er zurück. Die aktuelle Konstellation mit der CDU betrachtet er nicht als Liebesheirat, sondern einen Bürgerauftrag.